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Audio-Tour durch die Spandauer Neustadt

Arbeitsgruppe traf sich für das touristische Projekt

Lutherkirche in der Spandauer Neustadt (Foto: Ralf Salecker)

Lutherkirche in der Spandauer Neustadt (Foto: Ralf Salecker)

Es scheint ein wenig vermessen, in der Spandauer Neustadt eine Audio-Tour anbieten zu wollen. Viele Spandauer haben ein festes Bild von der Neustadt. „Da gibt es doch nichts zu sehen“, oder, „da könnte mir ja etwas passieren“. Dieses Bild bekommen Berliner regelmäßig durch passende Medienberichte vermittelt. Wenn es Nachrichten gibt, dann sind es „selbstverständlich“ schlechte Nachrichten.

Zielgruppe

Wer könnte also das Zielpublikum sein, welches sich auf eine akustische Erkundungstour durch die Neustadt begeben will? Ein Vertreter der Firma „Stadt im Ohr“ konnte aus eigener Erfahrung darauf verweisen, dass es im Regelfall Berliner sind, die sich in die Bezirke begeben, um dort auf Spurensuche zu gehen. Manch einen überraschte dies doch, schließlich schienen die auswärtigen Touristen, das geeignete Publikum. Touristische Unternehmen stellen fest, dass inzwischen nicht nur die Innenstadtbezirke touristisch besucht werden, sondern ein schon kleiner Trend in Richtung Randbezirke geht. Noch hält sich diese Bewegung in Grenzen. Es dann meist die Berliner oder zugereisten, die mehr von ihrer Stadt wissen wollen. s

Technische Umsetzung

Klassische Möglichkeiten für individuelle Stadtführungen sind Datenträger, wie z.B. ein MP3-Spieler, die ein Anwählen einzelner Informationshäppchen möglich machen. Zeitgemäß dagegen ist die Nutzung eines Smartphones, welches in Kombination mit einer Geo-Lokalisation, also einer automatischen Kopplung zwischen besuchtem Ort und vermittelten Informationen.

Die geplante Audiotour soll kein reiner Vortrag trockener Informationen sein. Solche Formen akustischer Führungen verschwinden langsam und werden durch andere ersetzt, die eine Vielzahl von Elementen einsetzen, um ein sinnliches Hörvergnügen zu schaffen.

„Der klassische Audio-Guide ist out“, meinte ein Fachmann, der selbst akustische Führungen anbietet. Heute müssen lebendige Geschichten erzählt werden, die mit passender Musik, Hintergrundgeräuschen und O-Tönen angereichert sind.

Wie soll es losgehen?

Die Arbeitsgruppe will sich mehrgleisig an das Ziel heranarbeiten. Einerseits sind nun möglichst viele Informationen und interessante Orte zu sammeln, die in einem zweiten Schritt zu einer stimmigen Geschichte verknüpft werden. Andere versuchen sich einen möglichen roten Faden zu überlegen, der den Handlungsstrang für die Geschichte bietet. Im Idealfall finden sich „Interviewpartner“ im Kiez, die spannende Geschichten beizusteuern haben. Das, was andere als Problem sehen, die multikulturelle Mischung in der Neustadt, soll sich als Teil der Erzählung widerspiegeln. So werden die hier lebenden Menschen zum Teil der Führung.

Ohne Geld ist nichts zu machen. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe waren sich schnell darüber einig, dass es sich nicht um ein gemütliches Freizeitprojekt handeln darf. Das konkrete, wirtschaftlich nutzbare Ergebnis steht im Vordergrund. Seine möglichst professionelle Umsetzung ist kaum ohne Geld möglich. Also gilt es Sponsoren zu gewinnen, die eine Verwirklichung des touristischen Projektes möglich machen.

 

Ralf Salecker

Touristik-Entwicklung im Kiez Spandauer Neustadt

„Ideenfabrik“ für die wirtschaftliche Revitalisierung

Philip Royer (Foto: Ralf Salecker)

Philip Royer (Foto: Ralf Salecker)

Im neu eröffneten Café Paule kamen rund ein Dutzend Leute zusammen, um gemeinsam zu überlegen, wie die Spandauer Neustadt belebt werden könnte. Philippe Royer hatte zum Jour Fixe N°5 geladen. Das aktuelle Thema war diesmal die touristische Entwicklung der Spandauer Neustadt. Auf den ersten Blick ein eher gewagter Gedanke, der bei manch einem Kopfschütteln hervorrufen wird. Wieso soll die Neustadt für Touristen interessant sein?

Die „Ideenfabrik“ Philippe Royer von ist ein gefördertes Projekt des Quartiersmanagement in der Spandauer Neustadt. Ein Jahr lang sollen Geschäftsleute, Kreative und Interessierte gemeinsam über zukunftsweisende Wege diskutieren. Dem Leerstand im Kiez soll der Kampf angesagt werden. Ziel ist es, möglichst praktikable Ansätze zu entwickeln. Originelle Geschäftsideen sind gefragt, die auch eine Wirkung außerhalb der Neustadt entfalten können. Darum werden immer wieder Spezialisten zu bestimmten Themen in die Runde eingeladen.

Ein Audio-Guide für die Neustadt?

Wenn man Touristen herholen möchte, dann sollen sie etwas in die Hand bekommen, was ein eigenständiges Erkunden der Umgebung ermöglicht, etwas, was über die üblichen gedruckten Materialien hinaus geht, Ein „Audio-Guide“ wäre eine Möglichkeit. Für die Spandauer Altstadt gibt es ein solches Produkt schon. Der entsprechende MP3-Player kann jederzeit in der Tourismusinformation ausgeliehen werden.

Um eine fachkundige Auskunft zu einem solchen Projekt zu bekommen, wurde der Geschäftsführer von „Stadt im Ohr“ in die Runde geladen. Audio-Guides können unterschiedlich umfangreich und komplex erstellt werden. Angefangen von linearen historischen Beschreibungen bis zu interaktiven Anwendungen ist alles möglich. Die Daten können als MP3-Dateien auf das Handy oder ein anderes Medium geladen und genutzt werden. In der Anwendung unterscheiden sich hier noch GPS-gesteuerte Anwendungen, die automatisch die richtige Information am richtigen Ort liefern, oder solche, die eine manuelle Auswahl notwendig machen.

Ruben Kurschat, der Geschäftsführer von Stadt im Ohr machte deutlich, wie wichtig ein sinnliches Erlebnis bei solchen „Führungen“ ist. Ein simples Vorlesen von historischen Ereignissen genügt den wenigsten Nutzern. Elektronische Stadtführer sollten einen ausgewogenen Mix aus O-Tönen mit „Hörspielcharakter“ und passender Musikalischer Untermalung aufweisen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Texte von professionellen Sprechern einspielen zu lassen.

Der überwiegende Teil der Kunden von Stadt im Ohr kommt aus Berlin. Es sind interessierte „Kulturtouristen“, die weniger an trockenen historischen Aufarbeitungen interessiert sind, als an einem lebendigen individuellen Abbild des jeweiligen Kiezes.

Für die Spandauer Neustadt bedeutet dies z.B. weniger den Versuch zu unternehmen, auf große historische Ereignisse und bedeutsame Bauten hinzuweisen, die eher beschränkt zu Verfügung stehen, als sich bewusst dem „Erzählen von Geschichten“ zu widmen, die auch aktuelle Bezüge zum Kiez herstellen. Von der grundsätzlichen Idee, bis zum fertigen Produkt ist aber noch ein weiter Weg.

 

Ralf Salecker