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Nichts Neues bei den Rieselfeldern?

Für die Mieter könnte es problematisch werden

Helmut Kleebank und Peter Hektor (Foto: Ralf Salecker)

Helmut Kleebank und Peter Hektor (Foto: Ralf Salecker)

Groß war die Aufregung im letzten Jahr, als es hieß, ein großer Teil Spandaus soll an einen Großgastronomen verkauft werden. Damals gab es Gespräche zwischen den Berliner Wasserbetrieben, den Eigentümern der Spandauer Rieselfelder und dem Gastronom Josef Laggner. Ein Aufschrei der Empörung machte sich im Bezirk breit, da Kungeleien hinter dem Rücken der Spandauern vermutet wurden, die ihr Naherholungsgebiet in Gefahr sahen.

Helmut Kleebank lud vor ein paar Tagen zu einem Ortstermin auf die Rieselfelder um – gemeinsam mit Peter Hector, dem Geschäftsführer der Berliner Stadtgüter, Neuerungen zu den Rieselfeldern zu verkünden.

Stadtgüter können sich Übernahme vorstellen

Peter Hektor kann sich die Übernahme der Rieselfelder durch die Stadtgüter immer noch gut vorstellen. Voraussetzung dafür ist das mit Spannung erwartete Gutachten der Berliner Wasserbetriebe zum Zustand des Bodens. Einen verseuchten Boden würden die Stadtgüter nicht erwerben wollen. Bekannterweise wurde das Gutachten schon mehrfach erwartet, aber nicht geliefert. Im September könnte es diesmal der Fall sein – möglicherweise.

Einnahmen durch Ausgleichsmaßnahmen

Den Berliner Wasserbetrieben waren die Rieselfelder ein finanzieller Klotz am Bein, weil sie nur noch Kosten verursachten. Peter Hektor sieht neben weiteren landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen mögliche Finanzielle Einnahmen durch zukünftige Ausgleichsmaßnahmen. Spandau hat schon ab und an von solchen Maßnahmen profitiert.

Wenn im Zuge von Baumaßnahmen Eingriffe in die Natur notwendig sind, ist der Verursacher verpflichtet, für geeignete ausgleichsmaßnahmen zu sorgen. In Spandau wurden so die Ausgestaltung des Stabholzgartens und auch des Bullengrabengrünzuges ermöglicht. Die Bahn bezahlte dieses Maßnahmen, weil sie für den Trassenbau anderswo Bäume fällte.

Ähnliches könnte sich der Geschäftsführer der Berliner Stadtgüter für die Rieselfelder vorstellen.

Situation der Mieter des Betriebshofes unklar

Der Betriebshofes des Rieselfeldgeländes liegt im Landschaftsschutzgebiet. Eine Genehmigung, dort Betriebswohnungen zu nutzen, ist eng gekoppelt mit dessen aktiver Nutzung. Fällt diese weg, erlischt wahrscheinlich auch die Genehmigung für die Wohnungen im Landschaftsschutzgebiet. Keine besonders beruhigende Vorstellung für die derzeitigen Mieter. Die Wasserbetriebe machen es sich leicht, wenn sie sagen, wenn es nach ihnen ginge, würde sich auch nach dem Verkauf des Betriebshofes nichts an der Situation der Mieter ändern.

 

Ralf Salecker

Gatower Rieselfelder: Auf einmal haben sich alle lieb

Das versprochene Gutachten fehlt weiterhin

Es geht um die Spandauer Rieselfelder (Foto: Ralf Salecker)

Es geht um die Spandauer Rieselfelder (Foto: Ralf Salecker)

Die Erwartungen waren groß, als in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Bürgersaal Vertreter aus Spandauer Politik, den Berliner Wasserbetrieben, den Berliner Stadtgütern und ein Gutachter Platz nahmen. Wer klare Antworten über die exakte Schadstoffverteilung und die zukünftige Nutzung erwartet hatte, wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Es gab keine Gefährdungsanalysen nur die vage Aussage: „Alle Systeme funktionieren innerhalb normaler Parameter“.

Auf gut Deutsch, im Mittel ist alles recht unbedenklich. Eine Aussage, die auf heftige Kritik im Publikum stieß. Diese Aussage ist vor allem deswegen interessant, weil der BWB-Sprecher Natz laut Berliner Morgenpost vom 6.1.2013 gesagt haben soll: „Es gibt Flächen, da können Sie vom Boden essen, und es gibt Flächen, die so belastet sind, dass dort nichts angebaut werden kann“. Ohne intensive Betrachtung, der bisher erfolgten Analysen, ist auch die Formulierung eines zukünftigen Nutzungskonzeptes nicht möglich. Ein Abschluss des Gutachtens sei im Herbst dieses Jahres zu erwarten. Wir werden sehen.

Rücksturz in die Vergangenheit

Frau Lemm, die Vertreterin der Berliner Wasserbetriebe begann ihren Vortrag mit einer ausführlichen Schilderung der Vergangenheit der Spandauer Rieselfelder. Von vormals sehr kleinteiligen Flächen, haben sich diese zu größeren Einheiten entwickelt. Die früher erfolgten Untersuchungen seien mit den heutigen kaum vergleichbar, da diese auf jeweils unterschiedlichen Gesetzesgrundlagen beruhten. Heute müssten z. B. über 90 Parameter bestimmt werden.

Der Gutachter deutete an, dass gerade einmal die Schwermetalle sich als „erhöhte Werte“ darstellen würden, alle anderen Analysen hätten Ergebnisse deutlich unterhalb der Grenzwerte ergeben. Daraus könne man den vorläufigen Schluss ziehen, dass eine Änderung der bisherigen Nutzung wegen vermuteter zu hoher Schadstoffbelastung nicht zu erwarten sei. Ein Analyse, die im Publikum als verkaufsfördernde Maßnahme verstanden wurde.

Aus dem Publikum wurde besonders die Mittelwertbildung und Art der Probenahme bemängelt, da zu wenig die schwer belasteten Randbereiche der Rieselfeldtafeln beprobt wurden. Die Antwort des Gutachters, die Art der früheren Rieselfeldnutzung hätte im Laufe der Jahrzehnte zu einer intensiven gleichmäßigen Durchmischung des Bodens geführt, so dass keine großen Schwankungen der Messwerte zu erwarten waren, scheint nachvollziehbar.

Wer erhält nun die Rieselfelder?

Herr Hecktor von den Berliner Stadtgütern äußerte sich sehr vorsichtig zu einem möglichen Kauf. Wenn der Preis und die Randbedingungen stimmen, wäre dies möglich. Ähnliches äußerten auch die BWB. Sie wollen das Gelände, welches drei Prozent der Fläche Spandaus ausmacht, natürlich nicht verschenken, sondern einen Ertrag damit erwirtschaften. Vom Gastronomen Josef Laggner gibt es nur vage Aussagen. Er hätte Interesse am ehemaligen Betriebshof, auf dem sich noch ein paar Betriebswohnungen existieren, für den es anscheinend aber keinen Bebauungsplan gibt. Hier wäre demnach die Errichtung von Gebäuden derzeit nicht möglich.

Während in der Vergangenheit die Informationspolitik der BWB als höchst problematisch empfunden wurde, äußerten sich Vertreter der Interessengruppen, die sich für die Bewahrung der Rieselfelder einsetzen, betont erfreut zu den aktuellen Umständen. Der Bezirk wird nach und nach Informationen zu den Rieselfeldern auch online zu veröffentlichen, um für eine ausreichende Transparenz zu sorgen.

 

Ralf Salecker

Wasser marsch!

Vom Havelwasser zum Trinkwasser

Spandauer Forst © Hans Kolbe / pixelio.de

Die Berliner Wasserbetriebe haben drei Kilometer lange Gräben durch den Spandauer Forst gezogen und diese mit Wasser geflutet. Das Wasser kommt aus der Havel und soll im Boden des Spandauer Forstes versickern. Mit dieser Aktion soll der Nachschub an Trinkwasser für die Trinkwasserbrunnen des Wasserwerks gesichert werden. Außerdem werden durch die Bewässerung auch Feuchtbiotope erhalten.

Spandau zu verkaufen?

Die Berliner Wasserbetriebe wollen die Rieselfelder loswerden

Informationsveranstaltung zur Zukunft der Gatower Rieselfelder: Ulrike Sommer (SPD), Katrin Lemm (BWB), Jens Feddern (BWB), Prof. Dr.-Ing. Udo Wiesmann (Foto: Ralf Salecker)

Ganz Spandau ist natürlich nicht zu haben. Ein Stück des Kuchens steht seit einiger Zeit zur Debatte. Schon vor den Sommerferien, also Mitte Juni gelangte diese Information in die Öffentlichkeit. Damals schien sich niemand so recht dafür zu interessieren.

Nun sieht es ein wenig anders aus. Die Medien berichten über den möglichen Verkauf der Spandauer Rieselfelder an den Gastronomen Langner. Rund 3 Millionen Quadratmeter Grund und Boden sollen den Besitzer wechseln. Damit würden 3 Prozent der Fläche Spandaus in private Hände gelangen. Das entspricht 420 Fußballfeldern nach FIFA-Norm oder der Fläche des Tiergartens.

Widerstand regt sich

Ein kleiner Sturm der Entrüstung beginnt sich zu regen. Bauern, die Angst um ihre gepachteten Felder haben, fürchten um ihre Existenz. Naherholungssuchende sehen schon Häuser auf den Rieselfeldern entstehen. Nutzer, Anwohner und Naturliebhaber sind erbost darüber, nicht vorher über den Verkauf informiert worden zu sein.

In Gatow wird es am 3. September einen runden Tisch zu diesem Thema geben. Bürgerinitiativen, Anwohner, Nutzer und Vereine wollen öffentlich diskutieren. Veranstaltungsort ist das Restaurant Casa Italiana in Gatow (Alt Gatow 1-3). Um 19 Uhr geht es los. Schon einmal kamen hier viele Interessierte zusammen, als es um die Zukunft der Rieselfelder ging. Wird diesmal wieder ein Vertreter der Berliner Wasserbetriebe dabei sein und sich den Fragen stellen?

Das Klo der Stadt für ein paar Millionen Euro

Charlottenburg erwarb das Gelände Ende des 19. Jahrhunderts um hier Rieselflächen zu schaffen. Mehr als 100 Jahre wurden hier die Abwässer aus der Kanalisation verrieselt. Schwermetalle und organische Verbindungen im Boden bilden ein schwer berechenbares Problem. Erstaunlich, dass sich jemand fand, der dieses Gelände erwerben wollte.

Die Berliner Wasserbetriebe haben sich diese gute Gelegenheit offenbar nicht entgehen lassen wollen, einen Kostenfaktor loszuwerden. Eine halbe Million Euro sollen jährlich angefallen sein. Wenig glaubwürdig scheint die Erklärung der Berliner Wasserbetriebe, so die Wasserpreise stabil halten zu wollen. In Berlin werden mit die höchsten Wasserpreise gezahlt. Die Preise sind derart hoch, dass vor einiger Zeit das Bundeskartellamt meinte einschreiten zu müssen.

Der Fraktionschef der Spandauer Piraten, Emilio Paolini, stellte folgenden Fragen:

  • Wieso darf ein mehrheitlich landeseigener Betrieb wie die Berliner Wasserwerke überhaupt „mal eben“ ca. 3% der Fläche von Spandau verkaufen, ohne Ausschreibung und Bieterverfahren?
  • Wo bleibt die Bürgerbeteiligung?
  • Wer führt die Geschäfte der Wasserbetriebe und hat den Hut auf für solche Entscheidungen?
  • Wie wirken sich solche (und andere) spekulativen Geschäfte auf die Wasserpreise aus und wie auf die geplante Rekommunalisierung der Wasserbetriebe?
  • Wo bleibt das für Februar 2012 angekündigte Nachnutzungskonzept der BWB?

Ralf Salecker

Verkauf der Rieselfelder in Gatow

Eine größere Fläche als der Tiergarten

Der Berliner Wasserbetrieb (BWB) beabsichtigt fast 3 Millionen Quadratmeter der ehemaligen Rieselfelder in Gatow an den Gastronomieunternehmer Laggner zu verkaufen. Das entspricht der Fläche des Großen Tiergartens oder fünf Mal der Fläche des Berliner Messegeländes. Das Feld, das seit mehr als 100 Jahren der Versickerung von Berliner Abwässern dient, soll jetzt für einen durchschnittlichen Preis von 0,80€ pro Quadratmeter verkauft werden.

Am 3.  September 2012 um 19 Uhr im Restaurant „Casa Italiano Da Alberto“ werden sich Wasserbetriebe, Verwaltungen und Politiker zu dem Thema äußern. Verbände und Anwohner haben sich jetzt schon gegen das Projekt ausgesprochen und werden vom SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz unterstützt:

„Riesige Grünflächen von der Größe des Tiergartens, die der Erholung vieler Menschen dienen und landwirtschaftlich genutzt werden, sollen ohne Ausschreibung für einen Spottpreis verscherbelt werden. Es gibt bis heute keine Klarheit über die massiven Schadstoffbelastungen des Bodens durch die jahrzehntelange Abwasserverrieselung und den eventuellen Sanierungsbedarf. Ein Nachnutzungskonzept ist durch die BWB seit Langem angekündigt, steht aber ebenfalls noch aus. […] Flächen, die der Allgemeinheit dienen, sind für mich Teil der Daseinsvorsorge und sollten in öffentlicher Hand bleiben. Eine wirtschaftliche Nutzung von Randbereichen lässt sich problemlos über Pachtverträge ermöglichen.“

Der letzte Männerberuf Spandaus?


In den Pumpwerken der Berliner Wasserbetriebe müssen die Saugräume gereinigt werden – ein Knochenjob

„Hansi, du darfst ja bald aufs Riesenrad“, zieht Vorarbeiter Erich Sohrauer, von Geburt an Spandauer, wie er selbst sagt, seinen Kollegen Hans-Joachim Strunz auf, der gerade sehnsüchtig auf den Spandauer Weihnachtsmarkt schaut. Zusammen mit dem dritten im Bunde, Peter Besler, sitzen wir im Mercedes 816, dem sieben-einhalb-Tonner der Berliner Wasserbetriebe. Fahrer Strunz richtet seinen Blick wieder auf die Straße. Gerade kommen wir aus dem Pumpwerk Charlottenburg 3, einem Anschlusspumpwerk mit Mischsystem. Die Saugräume müssen regelmäßig gereinigt werden, eine Aufgabe für Erich Sohrauer und seine Männer: die Außendienstkolonne.

Atemschutzgeräte Berliner Wasserbetriebe

Vor der Arbeit im Saugraum müssen Atemschutzgeräte angelegt werden.

Treffen im Hauptpumpwerk Spandau um 7 Uhr morgens

Um sechs Uhr beginnt der Dienst, wir treffen uns im Hauptpumpwerk Spandau in der Betkestraße. Die Modernisierung ist auch an den Wasserbetrieben nicht vorbeigegangen, die Räume von denen früher Mitarbeiter in drei Schichten das Pumpwerk bewachten sind verlassen. Heute wird alles Zentral aus Mitte gesteuert. Im Pumpwerk empfängt mich zunächst Stefan Strunz, Dienststellenleiter und Bruder von „Hansi“. „Früher gab es in den Bezirken zu jedem Hauptpumpwerk einen Pumpwerksleiter“, erklärt er und zeigt eine Karte von Berlin. Durch die Automatisierung der Pumpwerke sei es allerdings zu einer neuen Struktur gekommen. „Heute gibt es drei Dienstgruppen: den Entstörungsdienst, die Außendienstkolonne und den Wartungsdienst.“ Wir gehen durch das Treppenhaus hoch in den Mitarbeiterraum. An einer Wand hängt der Eisbär Knut mit seinem Pfleger, ein Riesen-Poster zeigt: auch die harten Burschen aus den Kanälen sind nur typische Berliner mit großer Schnauze und einem weichen Herz. Frauen gibt es in diesem Beruf allerdings nicht. „Die Arbeit ist viel zu anstrengend“, erklärt Strunz. Die Arbeiter der Außendienstkolonne Spandau oder Nord eins, sitzen schon am Tisch und warten auf meine Fragen. Vorarbeiter Erich Sohrauer trägt schmale silberne Ohrringe. Von den Arbeitern erfahre ich, dass heute viel weniger Wasser verbraucht wird als noch vor der Wende. „Nach dem Wegfall der Mauer sind ja viele Industriebetriebe abgewandert“, meint Strunz und Vorarbeiter Sohrauer ergänzt: „Die Alliierten haben ja auch viel verballert.“

Gegenüber von Knut hängt ein altes Bild vom Pumpwerk, dort sieht man gut das große Wohnhaus; früher wohnten die Arbeiter direkt am Werk, sie arbeiteten direkt vor Ort in Schichten. Auch die Schienen für den Kohletransport sind noch gut zu erkennen.

Saugraum reinigen

Der Saugraum wird von einem Podest aus gereinigt.

Auch im Pumpwerk Charlottenburg ist noch immer ein Raum für die Kohle vorhanden. Auch wenn die Wasserbetriebe schon längst von Kohle auf Diesel und dann auf Strom umgestellt haben. Auch sonst ist dem Kraftwerk sein Baujahr 1957 anzusehen. Die Fliesen sind rissig; In den Mitarbeiterräumen stehen alte Tische mit abgebrochenen Ecken; im Flur noch ein Haartrockner wie in einem veralteten Schwimmbad. Als wir ankommen, muss zunächst eine Meldung an die Zentrale gemacht werden, denn jede Türöffnung wird dort registriert. Dann wird der Saugraum belüftet und der Zulauf gestoppt. Nach etwa 20 Minuten gibt eine Lampe Entwarnung und die Saugräume können betreten werden. Wegen der Gase, tragen die Arbeiter hier ein Atemschutzgerät. Eigentlich das schwerste am Job, harte körperliche Arbeit mit dem Atemschutzgerät auf dem Rücken und begrenztem Sauerstoff.

Strenge Gesundheitsprüfungen garantieren Sicherheit im Job

Deshalb müssen die Männer besonders Fit sein. Alle zwei Jahre geht es zur Betriebsärztin, ab 50 Lebensjahren, jedes Jahr. Jedes Jahr findet eine Prüfung mit dem Atemschutzgerät statt. „Dann müssen wir in voller Montur einen Kanal hin und zurück laufen, eine Endlosleiter hochklettern, aufs Laufband und danach geht es zum Gewichte ziehen. Nur wer diese Tortur unbeschadet besteht, darf weiter in dem Bereich arbeiten. Hans Joachim Strunz und Peter Besler legen jetzt die Atemschutzgeräte an. In einem weißen Anzug, mit Sicherheitsschuhen, Einmalhandschuhen und einem gelben Helm, darf ich ihnen in den Saugraum folgen. Sie laufen mit dem Schlauch und einem Notrufknopf am Kabel die Treppe hinab. Im Moment ist der Saugraum nach fünf regenlosen Wochen relativ leer.

Gefährlich: Regen und Ratten

Den Hochstand von 1997 hat Sohrauer schon an der Wand vor der ersten Treppe eingezeichnet. Dann steht das Abwasser bis fast obenhin und alles muss abgespritzt werden. Je mehr Regenwasser, desto mehr Ratten gibt es auch. „Ein Kollege wurde schon einmal gebissen“, erzählt Sohrauer. Deshalb seien die Hosen immer in die Stiefel zu stecken. Hier und heute ist

Pumpwerk Charlottenburg 3

Vorarbeiter Sohrauer erklärt mir die Pumpen des Werkes. Fotos (3): Kirsten Stamer

es aber gar nicht so schlimm wie angenommen. Die Arbeit geschieht von Podesten aus. Der Geruch ist durchaus auszuhalten und befindet sich eher im Gasbereich. Genau das ist das Problem. Während Strunz und Besler die Wände des Saugraumes abspritzen, wird das Wasser umgewälzt und Gase treten frei. Vorarbeiter Sohrauer behält deshalb das Messgerät genau im Auge. „Der Schwefelwasserstoff hat bald 10 ppm (part per million) erreicht, dann müssen wir raus“, klärt er mich auf. „Neun, Neuneinhalb-raus“. Die Kollegen mit den Atemschutzgeräten bleiben unten und spritzen den Raum mit ihren Schläuchen sauber. „Die Gefahr ist: ab 50 ppm riecht man den Schwefelwasserstoff nicht mehr und kippt irgendwann um“, erklärt Sohrauer. Nach etwa einer Viertelstunde meldet er schon im Aufgang, kurz vor der Tür, 22 ppm. „Unten sind jetzt 130 ppm Schwefelwasserstoff, ich habe den beiden gesagt sie sollen wieder hochkommen“. Die Sohle sei sauber und die Gesundheit seiner Mitarbeiter sei wichtiger. „Schon die kleinste Ritze in der Maske ist jetzt gefährlich.“ Außerdem könne man den Stoff auch über die Haut aufnehmen.

Raus kommen die Beiden überraschend sauber, nur ein beißender Geruch haftet ihrer Kleidung an, aber auch dieser ist schnell wieder verflogen. Nach dem Händewaschen, Desinfizieren und Abmelden geht es weiter. Ob die drei eigentlich auch privat etwas zusammen unternehmen will ich wissen. „Ich bin doch mit den beiden seit 25 Jahren so gut wie verheiratet“, feixt Sohrauer, „da muss ich die Zuhause nicht auch noch haben.“

Kirsten Stamer

Zoff wegen Informationspolitik zu Trinkwasser-Keimen

Spandauer Bezirksstadträtin kritisiert Kommunikationsdefizite

Bezirksstadträtin Daniela Kleineidam kritisiert InformationspolitikWie es in einer aktuellen Mitteilung des Bezirksamtes Spandau heißt, kritisiert die Bezirksstadträtin Daniela Kleineidam die Informationspolitik zum Trinkwasserskandal der letzten Tage. Bezirksstadträtin Kleineidam, die die Vertretung für den Gesundheitsstadtrat Martin Matz übernommen hatte,  fordert von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, dass sich die „mangelhafte Kommunikation und Koordination“ nicht wiederholen darf.

Ihre Kritik fokussiert sich primär auf folgende zwei Punkte:

1. Kritikpunkt: Das Gesundheitsamt Spandau sei von Anfang an nicht in die Gespräche zwischen dem Landesamt für Gesundheit und Soziales sowie den Berliner Wasserbetrieben einbezogen worden.

2. Kritikpunkt: Die Berliner Wasserbetriebe hätten unzureichend über wichtige Untersuchungsergebnisse informiert.

Streitereien gab es insbesondere auch über die Abkochzeit des verschmutzten Leitungswassers. Das Landesamt für Gesundheit & Soziales hatte ein Abkochgebot von 20 Minuten gefordert wohingegen das Gesundheitsamt Spandau eine Abkochzeit von fünf Minuten für völlig ausreichend hielt.

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Keime im Spandauer Trinkwasser verursachen bisher noch keine Krankheitsfälle

Wasserbetriebe entschuldigen sich und informieren

„Es tut uns wirklich Leid und wir versuchen den normalen Zustand wieder herzustellen“, sagt André Beck, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe. Vor dem morgigen Samstag sei noch nicht geklärt, was das Trinkwasser verunreinigt habe und es gelte weiterhin das Abkochgebot. „Das Wasser wirklich 20 Minuten abkochen ist richtig und sinnvoll“, betont der Pressesprecher immer wieder. Nur so könne eine Keimfreiheit sichergestellt werden. Vor allem für Kinder, Ältere und Kranke sei das verunreinigte Wasser gefährlich. Ein gesunder Mensch könne so einen Keim abwehren oder bekäme einige Tage leichten Durchfall.  Beck empfiehlt, etwa 10 Liter Wasser für 20 Minuten auf dem Herd köcheln zu lassen. „So haben Sie einen Vorrat für ein bis zwei Tage“. Wer sicher gehen will, kauft stilles Mineralwasser.

Das Wassermobil wird noch aufgebaut, aber schon wollen sich besorgte Bürger informieren.

Das Wassermobil wird noch aufgebaut, aber schon wollen sich besorgte Bürger informieren.

Bürger verlangen nach Auskunft

Das verteilen allerdings auch die Berliner Wasserbetriebe. Die Abgabe an Spandauer Kitas läuft gerade an und auch am Wassermobil auf dem Rathausvorplatz können sich die Spandauer mit dem lebenswichtigen Nass eindecken. Das Wassermobil wurde bei der Ankunft direkt gestürmt. „Wir sollten heute eigentlich in Pankow sein und es wurde kurzfristig umdisponiert“, erzählt einer der Fahrer. Dann habe man im Stau auf der Seestraße festgesteckt. Toll sei die schnelle Reaktion des Rathauses, man habe sofort eine Genehmigung bekommen. „Der Bedarf ist da, wie man sieht“, erklärt die LKW-Besatzung. Sie kommen kaum zum Aufbauen, dauernd verlangen besorgte Bürger nach Auskunft. Doch das Team der Berliner Wasserbetriebe ist noch gar nicht vor Ort. Zunächst einmal fährt der Wagen der rbb Abendschau auf den Platz. Die Kameraleute laden ihr Equipment aus.

Die Mitarbeiter der Wasserbetriebe treffen ein und versuchen hektisch sich zu organisieren.

Die Mitarbeiter der Wasserbetriebe treffen ein und versuchen hektisch sich zu organisieren.

Die Spandauer sind äußerst beunruhigt

Die Mitarbeiter der Wasserbetriebe, die wenig später auf den Platz fahren, müssen hinter der Presse parken. Hektisch beginnen sie sich zu organisieren, das Wasser zur Verteilung ran zu schaffen und besorgte Bürger zu beruhigen. „Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, bis sichergestellt ist, dass das Wasser wieder völlig sauber ist“, erklärt eine Mitarbeiterin der Wasserbetriebe. Vor allem junge Mütter mit Kindern und Rentner wollen mehr wissen. „Je mehr die Wasserwerke zentralisiert werden, desto größer wird die Gefahr einer Verunreinigung“, meint eine Spandauerin und erklärt das Problem auch für hausgemacht. Die meisten jedoch wollen einfach nur wissen, wie sie sich in den nächsten Tagen sicher mit Trinkwasser versorgen können und vor allem wie groß das Gebiet mit dem verunreinigten Trinkwasser ist. „Sind wir auf der anderen Seite der Heerstraße denn sicher?“, hört man oft. Das Wassermobil ist noch den ganzen Tag in Spandau.

Bisher noch keine Krankheitsfälle

Beruhigend ist, dass bisher noch keine Krankheitsfälle aufgrund des verunreinigten Wassers bekannt sind. Das Gesundheitsamt Spandau beruhigt und verweist auf die „reine Vorsichtsmaßnahme der Wasserbetriebe und des Gesundheitsamtes“. Herr Tannhäuser aus dem Servicemanagement des Vivantes Klinikums Spandau sind auch keine Krankheitsfälle bekannt. Allerdings habe man im Krankenhaus sofort Vorsichtsmaßnahmen getroffen, verstärkt Trinkwasser ausgegeben und einen Filter in die Wasseranlage eingebaut. Es seien jedoch „keine Horrorszenarien zu erwarten“.

Auch Pressesprecher Beck warnt vor Panikmache, man solle das Thema „nicht dramatisieren“ aber ernst behandeln. Jetzt merke man eben erst wie selbstverständlich die sichere Trinkwasserversorgung in unserem Land sei.

Rund 200.000 Menschen sind in folgenden PLZ-Gebieten betroffen: 

  • Spandau: 13581, 13583, 13585, 13587
  • Staaken: 13581, 13589, 13591, 13593
  • Wilhelmstadt: 13581, 13593
  • Falkenhagener Feld: 13583, 13585, 13589, 13591
  • Hakenfelde: 13585, 13587, 13589

Quelle: Berliner Wasserbetriebe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kirsten Stamer

Vorsicht – Keime im Spandauer Trinkwasser entdeckt


Ältere und Kleinkinder unter Umständen am meisten gefährdet

Vorsicht, Spandauer Trinkwasser belastetDie Berliner Wasserbetriebe vermelden, dass bei Routineuntersuchungen im Wasserwerk Spandau heute Vormittag um 10.00 Uhr coliforme Keime festgestellt wurden. Aus diesem Grund sprechen die Behörden ein Abkochgebot für Spandau aus. Betroffen sind vor allem die Wohngebiete nördlich der Heerstraße bis zum Spandauer Forst und westlich der Havel bis zur Stadtgrenze zu Falkensee.

Coliforme Keime – Herkunft und mögliche Krankheiten.

Lt. Wikipedia fasst man unter der Gruppe der coliformen Keime Bakteriengattungen zusammen, die bei der Wasseraufbereitung Verschmutzung meist fäkalen Ursprungs anzeigen.  Ältere Menschen und Kleinkinder sind bei einer schwachen körperlichen Konstitution besonders gefährdet. In diesem Fall kann es unter Umständen zu Entzündungen der Gallenwege, Lungenentzündung, Meningitis bei Säuglingen oder auch Harnwegsinfektionen kommen.

Was ist konkret zu tun?

Lt. dem Pressesprecher der Wasserbetreibe André Beck soll das Leitungswasser  mindestens 20 Minuten lang abgekocht werden und ist dann erst zum Trinken und zur Zubereitung von Speisen geeignet. Dies gilt ausdrücklich auch für Kaffeemaschinen und Zähneputzen. Zum Duschen oder Baden kann Leitungswasser jedoch genutzt werden.

Belastetes Wasser im Trinkwasserversorgungsnetz.

Wie es in einer Pressemitteilung der Berliner Wasserbetriebe heißt, sei durch eine sofortige Desinfektion des Reinwasserbehälters sichergestellt, dass ab sofort kein belastetes Wasser in das Trinkwasserversorgungsnetz mehr gelangen kann. Bis  Samstag, 30. Juli würden zudem Netzbeprobungen vorgenommen werden, um die Keimfreiheit des Trinkwassers in Spandau mit Sicherheit zu dokumentieren. Wie der Pressesprecher auf Nachfrage aber mitteilt, vergingen von der Entnahme des Leitungswasser bis zum Probenbefund etwa 48 Stunden, so dass Leitungswasser aus Spandau derzeit ohne 20 minütiges Abkochen auf gar keinen Fall getrunken werden sollte.

Weitere Informationen:

Die Berliner Wasserbetriebe sind jetzt  telefonisch oder online erreichbar:  Berliner Wasserbetriebe, 10864 Berlin, Tel.: 0800.292 75 87, Internet: www.bwb.de

Wasser, ein teures Nass in Spandau.

Ob die Preise für Trinkwasser jetzt weiter ansteigen, kann nur vermutet werden. Bereits Anfang des Jahres berichteten wir darüber, dass Wasser in Spandau ein teures Nass sei.  Zum Artikel: Volksentscheid zur Offenlegung des Wasservertrages.

 

Unsere Empfehlung: Mineralwasser trinken

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Folgende PLZ-Gebiete sind betroffen: 

  • Spandau: 13581, 13583, 13585, 13587
  • Staaken: 13581, 13589, 13591, 13593
  • Wilhelmstadt: 13581, 13593
  • Falkenhagener Feld: 13583, 13585, 13589, 13591
  • Hakenfelde: 13585, 13587, 13589

Quelle: Berliner Wasserbetriebe