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Senioren Centrum schließt Ende Juli

„Vitanas kündigt vorsorglich Mietvertrag für die Spandauer Einrichtung ´Birkenhof` wegen nicht mehr verantwortbarer baulicher Zustände“ ließ der Betreiber der Staakener Pflegeeinrichtung verlauten.

Eine böse Überraschung ist die angekündigte Schließung der Pflegeeinrichtung in der Spandauer Straße – vor allem für die dort lebenden etwa 100 pflegebedürftigen alten Menschen sowie für das haupt- und ehrenamtliche Personal. Die Schuld dafür liegt laut Vitanas ausschließlich beim Vermieter, dem Corpus Sireo Immobilienfonds. Seit zwei Jahren habe dieser versäumt, dringend erforderliche Sanierungsarbeiten durchzuführen. Beispielsweise kann durch das veraltete Rohrleitungssystem die Trinkwasserqualität im Haus nicht mehr gewährleistet werden. „Der Vorgang wirft allerdings eine Reihe von Fragen auf“, sagt Jürgen Vogt, Spandauer Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit, und nimmt empört Stellung: „Warum ist Vitanas nicht früher in einen Dialog mit dem Bezirk und der Senatsverwaltung eingetreten? Warum erfolgt die Kündigung derartig kurzfristig? Werden hier geschäftliche Interessen auf dem Rücken pflegebedürftiger Seniorinnen und Senioren ausgetragen?“

Während das Gebäude in der Spandauer Straße von außen einen guten Eindruck macht, sollen Rohrsystem und Brandschutz nicht den Maßstab erfüllen.

Während das Gebäude in der Spandauer Straße von außen einen guten Eindruck macht, sollen Rohrsystem und Brandschutz nicht den Maßstab erfüllen. Foto: Patrick Rein

Unzumutbar für Bewohner und Beschäftigte

Der Bezirksstadtrat sieht großen Klärungsbedarf: „Ich weiß, was ein erzwungener Umzug für einen alten Menschen bedeutet, auch wenn Vitanas für alles zu sorgen verspricht. Die Unruhe unter Bewohnerschaft und Beschäftigten kann ich sehr gut nachvollziehen, sie hat gerade erst begonnen.“ Der Bezirksstadtrat hat sofort Hilfe für die betroffenen Menschen angeboten. Es bleibt abzuwarten, ob Vitanas davon Gebrauch macht. Unterstützung bekommt Vogt auch von seinem Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten Kai Wegner, der sich ebenfalls mit der Schließung  nicht zufrieden geben möchte und ankündigte, zeitnah Gespräche sowohl mit dem Betreiber als auch mit dem Eigentümer zu führen.

Hilfreiche Kontakte

Dabei soll nach den Vorstellungen Wegners auch der zuständige Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) helfen. Bereits bei der Einsparung durch den Senat des Mobilitätsdienstes des Förderervereins Heerstraße Nord konnte der Kontakt Wegeners helfen. Der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzender der CDU Spandau erklärt: „Die Entscheidung des Pflegeheimbetreibers Vitanas, das Seniorencentrum Birkenhof zeitnah zu schließen, halte ich für völlig inakzeptabel. Unter dieser Entscheidung leiden insbesondere die Bewohnerinnen und Bewohner, die in den allermeisten Fällen im Birkenhof eine Heimat gefunden haben. Ihnen jetzt durch einen Umzug auch ihr vertrautes Umfeld zu nehmen, ist nicht hinnehmbar. Diese Entscheidung hat aber auch negative Auswirkungen auf die vielen sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Seniorencentrum Birkenhof. Ich fordere die Geschäftsführung von Vitanas auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen, um in Ruhe und ohne Zeitdruck erneute Gespräche mit dem Eigentümer aufzunehmen. In diesem Falle stünde ich unterstützend zur Verfügung. Ich werde auch Gesundheitssenator Mario Czaja bitten, sich in diesen Prozess mit einzuschalten. Am Ende muss es gelingen, das Seniorencentrum Birkenhof zu erhalten!“

Patrick Rein

Erfolgreicher Inklusionskongress im Johannesstift

Unter der Fragestellung „Perspektiven und Ideen zu einer inklusiven Gesellschaft“ fand am Mittwoch in Kooperation mit Health Capital der Inklusionskongress des Evangelischen Johannesstifts statt.

Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Gesundheit und Sport folgten den Fachvorträgen. Namenhafte Referenten stellten nationale und internationale Beispiele aus den Bereichen Bildung, Soziales und Sport einer bereits gelungenen Inklusion vor. Mit dem Begriff Inklusion wird der Gedanke verfolgt, dass alle Menschen gleich sind – ob mit Behinderung oder ohne – und dem lateinischen Ursprung des Wortes nach jeder gesellschaftlich mit „eingeschlossen“ ist beziehungsweise gleichgestellt.

Professor Günter Stock, Clustersprecher HealthCapital, die blinde Schwimmerin und Paralympics Teilnehmerin Daniela Schulte sowie der ehemalige Leistungssportler und Moderator Matthias Berg (v. li)

Professor Günter Stock, Clustersprecher HealthCapital, die blinde Schwimmerin und Paralympics Teilnehmerin Daniela Schulte sowie der ehemalige Leistungssportler und Moderator Matthias Berg (v. li)

Spandau wieder Vorreiterrolle

In seiner Begrüßung betonte Stiftsvorsteher Pfarrer Martin von Essen, dass das Stiftungsgelände des Evangelischen Johannesstifts in Spandau in besonderer Weise für Inklusion steht: „Auf dem Stiftungsgelände in Berlin Spandau leben über 1200 Menschen mit und ohne Behinderungen, Ältere und Jüngere, Kinder und Jugendliche zusammen – ein ‚Werkraum Inklusion‘. Bereits in den 50er Jahren haben auf dem Gelände Menschen mit und ohne Behinderung zusammen gelernt, ohne das Wort Inklusion zu kennen“. Auch Bezirksstadtrat Carsten Röding (CDU) lobte die Zusammenarbeit mit dem Johannesstift. Als einziger Bezirk lässt sich das Bezirksamt vom Stift in Fragen von Barrierefreiheit bei Bauvorhaben aber auch in anderen Bereichen beraten. Zudem wurden die Mitarbeiter in speziellen Fortbildungen auf die Ansprüche von Menschen mit Behinderungen geschult.

Staatssekretär a. D. Thomas Härtel, Sozialsenator Mario Czaja und Bezirksstadtrat Carsten Röding (v. li.)

Staatssekretär a. D. Thomas Härtel, Sozialsenator Mario Czaja und Bezirksstadtrat Carsten Röding (v. li.)

Gelungene Inklusion mittels Gesetz

Auf die Frage, wie weit das Thema Inklusion in zehn Jahren vorangekommen sein sollte, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und Schirmherr dieses Kongresses: „Ich wünsche mir, dass die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen im Vordergrund steht und nicht die Behinderung. Das bedeutet einen tiefgreifenden mentalen Wandel im gesellschaftlichen Denken“. Damit schloss sich Czaja seinem Vorredner Professor Dr. Dr. h.c. Günter Stock – Clustersprecher Health Capital – an, der darüber hinaus betonte, dass für eine gelungene Inklusion noch die eine oder andere gesetzliche Grundlage geschaffen werden muss.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte drum attac aus der Spandauer Neustadt.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte „drum attac“ aus der Spandauer Neustadt. Fotos (3): Patrick Rein

Behinderte nicht als behindert betrachten

Die mehrfache Paralympics-Siegerin Marianne Buggenhagen erhofft sich einen Wandel dahingehend, dass der Begriff der Inklusion in zehn Jahren nicht mehr erforderlich ist, dass die „Ausnahme zur Regel“ wird, dass Behinderte nicht mehr als behindert betrachtet werden und Menschen mit Behinderungen nicht mehr beweisen müssen, was sie können oder eben auch nicht können.

Mit dem Kongress setzt das Evangelische Johannesstift ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels. Die Bedeutung dieses Themas als Aufgabenstellung für die Gesellschaft unterstrich auch Gesundheitssenator Czaja sowie weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft.

Patrick Rein

Kein Platz zur Unterbringung von Asylbewerbern

Berlinweit steigt die Zahl der unterzubringenden Flüchtlinge, manche Bezirke sehen bei sich jedoch keine Kapazitäten

Seit mehreren Wochen streiten die Berliner Bezirke über Unterbringungsmöglichkeiten von Asylbewerbern. Nach neusten Auskünften sind momentan allein in der zentralen Aufnahmestelle in Siemensstadt 530 Menschen untergebracht, dessen Grenze liegt bei 553. Am Askanierring könnten bis zu 300 Personen ein Quartier finden, doch bestehen auch dort Probleme als eine langfristige Lösung.

Foto: Gerd Altmann_pixelio.de

Foto: Gerd Altmann_pixelio.de

Berlin überlastet

Lediglich bis zum 31. März soll nach bisherigen Auskünften diese Unterbringungsmöglichkeit genutzt werden. Doch Spandau ist an den Planungen kaum beteiligt sondern wird von der Landesstelle lediglich informiert. Andere Bezirke wie Reinickendorf und Neukölln sehen hingegen keine Möglichkeiten den entstandenen Engpass an Unterkünften zu beheben. Bezirksbürgermeister Kleebank sieht selbst auch keine Perspektiven der längerfristigen Unterbringung an diesem oder einem anderen Ort, da insbesondere die anliegenden Grundschulen Eichenwald und Lynar keine Kapazitäten für einen Schulbesuch des Auswanderernachwuchses aufweisen. Von Seiten des Landes wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass es sich bei der Belegung nur um eine Übergangslösung handeln solle.

Keine Wirtschaftsflüchtlinge

Der mittlerweile langanhaltende Bürgerkrieg in Syrien treibt dort die Menschen aus Angst in die Flucht nach Westeuropa. Zudem ist ein Zuwachs aus den Balkanstaaten Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien zu verzeichnen, wobei diese meist nicht als Flüchtlinge anerkannt werden. Dennoch müssen diese bis zur Entscheidung versorgt werden. Und nur die wenigsten Experten rechnen damit, dass sich an der Flüchtlingswelle in absehbarer Zeit etwas ändert. Daher müssen die Bezirke gemeinsam überlegen, wie diese menschenwürdig aufgenommen und untergebracht werden können. Dabei dürfe sich niemand seiner Verantwortung entziehen, betonen Spandaus Politiker. Mit dem Vorstoß notfalls Gebäude zu beschlagnahmen, erregte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) in der letzten Woche nochmals die Gemüter. An die 2000 Erstanträge auf Asyl wurden berlinweit allein im Oktober gestellt.

Foto: Dieter Schütz_pixelio.de

Foto: Dieter Schütz_pixelio.de

Humanitäre Hilfe

In einem Flüchtlingscamp am Brandenburger Tor versuchten unterdessen einige Asylbewerber mit Hungerstreik auf die oftmals katastrophalen Umstände aufmerksam zu machen. Öffentliches Interesse errang die Debatte spätestens durch das Vorgehen der Polizei, da den Demonstranten Decken und Isomatten trotz Kälte abgenommen wurden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit rechtfertigte letzte Woche im Kulturhaus Spandau die Maßnahme damit, dass vorher Alternativen aufgezeigt und unter anderem Hilfe durch den Kältebus angeboten wurden.  Rechtspopulistische Parteien, wie die Bürgerbewegung pro Deutschland, probieren unterdessen die anhaltende Asylbewerbersituation für ihre Interessen auszunutzen.

Patrick Rein