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Privatisierung der Spandauer Schleuse?

Nach Plänen der Bundesregierung sollen Teile der Wasser- und Schifffahrtswege privatisiert werden

Es ist gängige Methode staatliche Monopole in private Hand zu geben. Zum einen können Kosten gespart und Geld in den ohnehin knappen Haushalt gespült werden zum anderen wird so angeblich der Wettbewerb geschürt. Allerdings sind Interessenten nur bei wirtschaftlich lukrativen Angeboten vorhanden. So dürfte auch bei einer von der Bundesregierung vorgesehenen Privatisierung der Wasser- und Schifffahrtswege Unwirtschaftliches staatliches Eigentum bleiben.

Spandau ist einer der wasserreichsten Bezirke der Hauptstadt.

Spandau ist einer der wasserreichsten Bezirke der Hauptstadt.

Weniger Schifffahrt

Neben der Bundeswehr sind Wasser- und Schifffahrtsämter die einzigen vollständigen Bundesverwaltungen. In dessen Aufgabengebiet fallen auch die entsprechenden Ufer und Brücken sowie die ökologische Verantwortung wie beispielsweise der Fischbestand. Als Transportweg hat die Schifffahrt zwar immer noch Bedeutung, im Vergleich zu Schienen und Straßen aber deutlich eingebüßt. Zwar ist durch die Einführung der LKW-Maut deutlich mehr Geld für den Verkehr vorhanden, doch der geschlossene Finanzierungshaushalt regelt, dass diese Einnahmen ausschließlich für den Straßenbau genutzt werden darf. Investitionen in die Erweiterungen der Wasserwege um größeren Schiffen die Durchfahrt zu gewährleisten bleiben ebenso aus wie Geld für das Schienenwesen.

Vier SPD Politiker stellten sich am Mittwoch der Diskussion zu den Plänen.

Vier SPD Politiker stellten sich am Mittwoch der Diskussion zu den Plänen der Bundesregierung: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Abgeordneter Daniel Buchholz sowie die Bundestagsabgeordneten Swen Schulz und Gustav Herzog (von links)

Gebühren für Schleusung

Die Bundesregierung erwägt nun drastische Einsparungen in der Verwaltung und Privatisierungen. Die Folgen sind nicht nur für unseren wasserreichen Bezirk schwer abzuschätzen. Zum einen würden die örtlichen Unterverwaltungen wegfallen, Zuständigkeiten bei der Uferpflege wären abzuklären und Nutzungsgebühren für die Schleuse sind nur einige Szenarien. Auswirkungen auf die Preise von Ausflugsdampfern aber auch den zahlreichen Wassersportangeboten sowie Hobbykapitänen dürften eine nicht unerhebliche finanzielle Bedeutung haben. Dabei sind Wasser- nicht nur Transportwege sondern dienen zudem dem Tourismus, der Erholung, zur Fischerei und in bestimmten Regionen der Wasser- und Energieversorgung.

Das interessierte Publikum stellte durchaus kritische Nachfragen und gab Anregungen.

Das interessierte Publikum stellte durchaus kritische Nachfragen und gab Anregungen.

Freybrücke Langzeitbaustelle

Am Mittwochabend stellten daher vier Politiker der SPD – unter ihnen neben dem Landesabgeordneten Daniel Buchholz auch Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank sowie Bundestagsabgeordneter Swen Schulz – ihre Bedenken bei den Plänen der Bundesregierung vor. Es entstand eine anregte Diskussion im Kulturhaus Spandau, bei der Daniel Buchholz in diesem Zusammenhang auch auf andere Spandauer Belange einging: So wird der Neubau der Freybrücke auf der Heerstraße für gut drei Jahre zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen führen, war aber durch die marode Bausubstanz und wirtschaftlicher Abwägungen unvermeidlich. Und ob die Wendemanöver von Schiffen um das Spandauer Horn an Havel und Spree auch zukünftig bestaunt werden können, ist ungewiss: Für eine Abtragung wurde ein neues Planfeststellungsverfahren festgelegt.

Patrick Rein

Freybrücke: Drei Jahre Stau über der Havel

Abriss und Neubau sind unvermeidbar, Staus sind vorprogrammiert

Der Senat hat vor ein paar Tagen den endgültigen Abriss der Spandauer Freybrücke verordnet. Seit 102 Jahre steht die Brücke nun über der Havel und verbindet Spandau mit der Innenstadt. Mehr als 50 000 Fahrzeuge überqueren sie täglich, also insgesamt 18,25 Millionen Autos im Jahr. Eine Sanierung der Brücke wäre, nach Ansicht der Experten, zu kostspielig. Der Abriss und der Bau einer neuen Brücke soll insgesamt 33 Millionen € kosten, von denen die Stadt Berlin 5,4 Millionen € übernimmt. Das Projekt wird am Ende des Jahres gestartet und soll voraussichtlich drei Jahre lang dauern.

Freybrücke: Drei Jahre Stau

Die Freybrücke nach ihrer Fertigstellung in 1909

Ein wenig Geschichte

Die Freybrücke ist ein Wahrzeichen Spandaus und sichert die Verbindung zwischen Wilhelmstadt-Spandau und dem Rest der Hauptstadt. Sie wurde zwischen 1908 und 1909 vom Bauingenieur Karl Bernhard geplant und gebaut. Als eine direkte Weiterführung der Heerstraße beherbergt die 174 Meter lange Stahlkonstruktion fünf befahrbare Spuren. Benannt wurde sie nach dem Bauleiter der Heerstraße, Adolf Frey. Das damalige Brückenbauprojekt kostete insgesamt 1,14 Millionen Mark.

Während dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke am südlichen Pfeiler gesprengt, was das Hauptfeld in die Havel stürzen ließ. Der Sprengsatz wurde höchstwahrscheinlich von der Deutschen Wehrmacht platziert um den Fortschritt der Sovjetischen Truppen zu verlangsamen. Von 1948 bis 1951 wurde die Brücke wieder aufgebaut, wobei die Trümer und Fundamente der ursprünglichen Brücke weitgehend wiederverwendet wurden.

Freybrücke: drei Jahre Stau

Die Geländer werden für den Neubau nicht wiederverwendet

Eine marode Stahlkonstruktion

Die Schäden der Sprengung sind noch heute vorhanden und die wiederverwendeten Elemente der Ursprungskonstruktion sind teilweise marode, was die Stabilität der Struktur gefährdet. Auch das Alter der Brücke stellt ein wahrhaftiges Risiko dar. So wurden, 2008, beträchtliche Korrosionsschäden an den Längs- und Querträgern festgestellt. Demzufolge wurde die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt und der Zugang für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ausschließlich auf die Rechte Spur beschränkt. Eine hundertprotzentige Sanierung der historischen Brücke wäre daher mit unkalkulierbaren Kosten verbunden.

Außerdem ermöglicht der Neubau, die Brücke an heutige Standarte anzupassen und ein Hauch Modernität in die Heerstraße zu bringen. Deswegen werden wenige Elemente der historischen Brücke für den Neubau übernommen. Die Geländer entsprechen zum Beispiel nicht den heutigen Sicherheitsstandarten und werden daher entsorgt.

Freybrücke: drei Jahre Stau

Die Entstehung von Staus ist vorprogrammiert © M.E. / PIXELIO

Drei Jahre vorprogrammierter Stau

Durch den Abriss der Freybrücke wird die Heerstraße abrupt am Ufer der Havel enden und den Autofahrern nur wenig Möglichkeiten bieten den Fluss zu überqueren. Eine etwas nördlicher gelegene Behelfsbrücke soll ab Beginn der Bauarbeit geöffnet werden. Doch wird sie nicht imstande sein den gesamten Verkehrsstrom der Freybrücke zu überbrücken und Staus nur teilweise vermeiden. Auch die dort verkehrenden Buslinien sind von der Staugefahr betroffen.

Schließlich muss man betonen, dass der Neubau auch auf Landesebene eine Rolle spielt. Ursprünglich plante die Bundesregierung die Brücken der Havel anzuheben und zu erneuern, um die Wasserstraße Havel-Oder zu erweitern. Das Vorhaben stieß jedoch auf starken Widerstand und begrenzt sich jetzt ausschließlich auf die Freybrücke. Die Charlottenbrücke und die Schulenburgbrücke bleiben daher momentan unverändert.

Die Redaktion

Der Abriss der Freybrücke ist unvermeidbar

Nur eine Behelfsbrücke führt über die Havel

Der Abriss der Freybrücke ist unvermeidbar

Die Freybrücke über der Havel

Die 102 Jahre alte Freybrücke wird am Ende 2012 abgerissen und neu gebaut, entschied der Senat bezüglich der Anfrage vom Spandauer SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz. Eine Sanierung wäre zu kostspielig gewesen. Es handelt sich hier nicht nur um das Alter der Brücke, sondern auch um Materialschäden und Vorschädigung, die durch den schnellen Wiederaufbau der Brücke nach Kriegsende entstanden sind.

Der Abriss und der Bau einer neuen und sicheren Freybrücke wird um die 33Mio.€ kosten, von denen Berlin 5,4Mio.€ selbst übernehmen wird. Die Bauarbeiten werden insgesamt drei Jahre dauern. Die neue Brücke wird leider nur wenig Elemente der alten Freybrücke übernehmen. Die alten Geländer sind beispielsweise an heutige Sicherheitsanforderungen nicht mehr angepasst.

Das Projekt wird den Verkehr über die Havel stark beeinträchtigen, da der Fluss bis zur Fertigstellung nur über eine Behelfsbrücke überquerbar sein wird. Die Behelfsbrücke soll nördlich von der bestehenden Brücke, gleich bei Anbeginn der Arbeiten entstehen. Der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz erklärt:

„Der Neubau der Freybrücke ist unvermeidbar. Das ist nach den Antworten des Senats auf meine aktuelle Anfrage nun endgültig klar. […] Staus sind praktisch vorprogrammiert, auch für die dort verkehrenden Buslinien„.

Ausschreibung um Abriss der Freybrücke abgeschlossen

Staugefahr in Spandau ab Ende des Jahres

Heute wurde die Ausschreibung um den Abriss und Neubau der Freybrücke abgeschlossen. Der umstrittene 30-Millionen-Euro schwere Bauvertrag wird wahrscheinlich im Juni oder August erteilt werden und der Abriss Ende des Jahres beginnen. Bis Ende 2015 wird der Verkehr auf der Ost-West-Achse eingestellt, was den Zugang zur Berliner Innenstadt massiv behindern wird und die Staugefahr auf der Spandauer Heerstraße drastisch erhöht.

Nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung wird eine zweispurige Behelfsbrücke errichtet werden um die Staugefahr zu verringern. Die Freybrücke wird täglich von 60.000 Autofahrern benutzt.

Sprecherin von Stahlentwicklungssenator Michael Müller versicherte:

„Wir tun alles, um den Eingriff in den Straßenverkehr so gering wie möglich zu halten“

Die 164 Meter lange, 5-spurige Brücke ist vor 100 Jahren gebaut wurden und steht unter Denkmalschutz. Als marode eingestuft, ist die Geschwindigkeit auf der Brücke für Autofahrer auf  30 km/h begrenzt. Fahrzeuge mit über 3,5 Tonnen sind nur auf der rechten Richtungsfahrbahn zugelassen. Lokalpolitiker hatten sich für eine Sanierung der Brücke ausgesprochen, die sich jedoch als zu teuer erwies.

 

Der Traum vom Urlaub auf dem Wasser

Keser, ein Wassersportbetrieb aus Spandau mit Tradition

Mike Keser

Mike Keser mit einem Bayliner

Eigentlich haben wir jetzt Hochsommer und damit Urlaubszeit. Die Sonne sollte scheinen. Tut sie aber nicht. Naja, da kann man nichts machen. Trotzdem schaue ich einmal dort vorbei, wo Freunde des Wassersports ihre Träume erfüllt bekommen.

Das Grundstück ist riesig. Ein Hafen, in dem dutzende Boote vor sich hin schaukeln. An Land stehen frisch angelieferte Boote jeder Größe. Teilweise noch in Folie verschweißt. Der Kran überragt deutlich die beiden modernen Bootshallen. Bis zu 25 Tonnen, das entspricht einen Stahlschiff mit 15 Metern Länge, kann hier gehoben werden.

An der Heerstraße, direkt an der Freybrücke, hat seit 41 Jahren ein Familienunternehmen, das Bootscenter Keser, seinen Sitz, welches sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer Spandauer Institution in Sachen Motorboote entwickelt hat.

Im letzten Jahr wurde das runde Jubiläum gefeiert. Ich sitze im Büro von Mike Keser. Der Sohn des Firmengründers Gerhard Keser hat vor einiger Zeit die Leitung des Unternehmens in die Hand genommen. Gemeinsam mit seiner Schwester und fast 20 Mitarbeitern bieten sie alles, was für die motorbetriebene Freizeit auf dem Wasser notwendig ist.

Er erzählt mir, wie alles angefangen hat. In den 1960er Jahren kam sein Vater nach Berlin, praktisch mit nichts in der Hand. Als Automechanikergeselle entdeckte dieser seine Freude an der Bootstechnik und machte dann mit 21 Jahren seinen Mechanikermeister. Anfangs noch mit einem Kollegen zusammen betrieb er dann die Firma, erst mit kleinen Booten und Motoren, später immer größer werdend. Als die Pacht irgendwann zu hoch wurde, kaufte er kurzerhand das Grundstück an der Havel. Sein Ehrgeiz war es, alles rund um den Wassersport aus einer Hand anzubieten.

Boote, Frisch aus der Fabrik

Boote, Frisch aus der Fabrik

Immer wieder klingelt während unseres Gesprächs das Telefon, Kunden kommen herein. Das Geschäft läuft prächtig, so Mike Keser. Die unterschiedlichsten Bootstypten können hier erworben werden. Für den schmalen Geldbeutel ist ebenso etwas vorhanden, wie auch für den anspruchsvollen Kunden, der lieber eine Jacht möchte. Schnelle Boote gibt es ebenso, wie solche, mit denen eine Familie längere Zeit auf dem Wasser verbringen kann. Vom Kunststoffrumpf bis zum Stahlboot ist alles vertreten. Dazu kommen Dienstleistungen rund ums Boot. Reparaturen sind selbstverständlich. Umbauten und Einbauten nach Kundenwunsch genauso.

Seit dem letzten Jahr können Boote nicht nur gekauft, sondern auch gechartert werden. Mike Keser gründete dazu im letzten Jahr die Charter-Firma. Niemand muss sich mehr ein teures Boot kaufen. Für eine eintägige Spritztour zu Wasser durch Berlin, oder für ein paar Wochen in den Urlaub, alles ist möglich. In manchen Revieren ist das motorisierte Vergnügen auf dem Wasser auch ohne Führerschein möglich.
Ein riesiges Einzugsgebiet auf dem Wasser bietet dem Wasserurlauber fast unendliche Möglichkeiten. Untere und obere Havel, über die Spree nach Berlin hinein, oder aus Berlin heraus bis zur Müritz. Ruhe und Trubel sind leicht erreichbar. Keser hat neben der Firmenzentrale in Spandau noch Außenstellen an der Müritz und in Werder.

Nicht nur jetzt, sind am Himmel düstere Wolken erkennbar. Nicht mehr lange und die verkehrsgünstige Lage wird zur Problemlage. Die nahe gelegene Freybrücke muss in diesem oder nächsten Jahr weichen. Sie wird abgerissen und durch eine neue ersetzt. Vorher entsteht eine mehrspurige Ersatzbrücke neben der alten. Lange Zeit wird es Staus ohne Ende geben. Nicht unbedingt zur Freude der Kunden. Bleiben zu viele Kunden weg, könnten durchaus Arbeitsplätze gefährdet sein.

Bootscharter Keser

Ralf Salecker

Freybrücke in Spandau

Überraschende Wendung in den Bauplanungen

Freybrücke in Spandau

Mehr als 50 000 Fahrzeuge jeglicher Art überqueren jeden Tag die 174 Meter lange denkmalgeschützte Freybrücke, um entweder nach Spandau zu gelangen, oder in Richtung Berlin zu fahren. Im Jahr sind dies 18,25 Millionen Autos, die inzwischen, wegen angeblicher Baufälligkeit, nur noch mit 30 km/h diese Verbindung nutzen. Alle haben gejubelt, als vor wenigen Tagen die Spandauer-Damm-Brücke in Charlottenburg – nach 35 Monaten Bauzeit – wieder vollständig dem Verkehr übergeben wurde. Endlich herrscht wieder freie Fahrt von Spandau in die Innenstadt. Mit dieser Freude wird es bald vorbei sein, denn die Freybrücke soll Ende des Jahres abgerissen werden, um für rund 30 Millionen Euro einem Neubau zu weichen.

Ein neues Nadelöhr für Autofahrer tut sich dann auf. So friedlich die Nutzung heute ist, so kriegerisch war der Anlass für ihren Bau in den Jahren 1908/ 1909. Damals wurde sie für 1,14 Millionen Mark geschaffen, um eine Verbindung zwischen dem Berliner Schloss und dem Truppenübungsplatz Döberitz herstellen. Gleich zu Beginn lockte diese günstige Verbindung viele Ausflügler nach Pichelswerder. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, genauer, die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost als Planfeststellungsbehörde, hat im August 2010 den Ersatzneubau der Freybrücke genehmigt. Verantwortlich für die Bauarbeiten ist das Wasserstraßen-Neubauamt des Bundes.

„Während der Baumaßnahmen wird der Straßenverkehr über eine vierspurige Behelfsbrücke nördlich parallel zur vorhandenen Brücke geleitet. Diese soll Staus auf der stark befahrenen Heerstraße vermeiden. Zum Schutz der Anwohner vor Lärm in der Bauphase wird auf der Nordwestseite der Behelfsbrücke eine Lärmschutzwand errichtet. Aufgrund des maroden Bauzustandes kann die 1909/1910 gebaute und nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Freybrücke nicht saniert werden. Sie ist neu zu errichten. Die neuen Baumaterialien mindern zudem die Lärmbelastung für die Anwohner. Der Ersatzbau ermöglicht die Anhebung der Brücke, so dass die Containerschifffahrt die Brücke in Zukunft ohne Einschränkung ganzjährig passieren kann.“

Der Planfeststellungsbeschluss konnte vom 24.8. bis 7.9.2010 im Bezirksamt Spandau eingesehen werden. Das Interesse war eher mäßig, nun bekommt der Bürger die Quittung präsentiert. Mit etwa vier Jahren Verkehrschaos ist zu rechnen.

Weitere Brückenerneuerungen in Spandau werden folgen, die Schulenburgbrücke am Rande der Spandauer Wilhelmstadt, die Dischingerbrücke nahe und die Charlottenbrücke in der Spandauer Altstadt. Die letzte Bezirksverordnetenversammlung in Spandau zeigte sich höchst uneinig über die Bewertung des Bauprojektes. Die Grünen-Fraktion fordert umgehend ein Gutachten, welches die angebliche Baufälligkeit der Brücke bestätigen soll. CDU und FDP stimmten für diesen Vorschlag, die SPD war dagegen und der Vertreter der LINKEN enthielt sich. Bisher gibt es keine einsehbaren schriftlichen Unterlagen, die einen Neubau der Brücke notwendig machen. Begehungsprotokolle und Tragwerksuntersuchungen allein genügen nicht, nach Ansicht der GAL-Fraktion, um einen Abriss zu rechtfertigen.

Schon im Juni 2010 setzten sich CDU, FDP und GAL für eine Sanierung ein: „Die im VDE Nr. 17 angenommenen Wirtschaftsvoraussetzungen haben sich in den vergangenen 20 Jahren jedoch verändert. Zudem wird z. B. bezüglich der denkmalgeschützten Freybrücke irrtümlich angenommen, sie sei zu niedrig und müsste beim Neubau auf eine Durchfahrtshöhe von 5,25 m angehoben werden. Richtig ist, dass im Zuge gutachterlicher Höhenbestimmung nach winterlichem Hochwasser eine Durchfahrtshöhe von 5,65 ermittelt wurde. Zurzeit – gemessen am 23. Juni 2010 – liegt die Durchfahrtshöhe bei 6,00 m und 6,50 m bei der Dischinger Brücke. Der schlechte Bauzustand der Freybrücke ist allein auf jahrelange Unterlassung der Brückenpflege entgegen der denkmalpflegerischen Vorgaben zurückzuführen. Die Sanierung der 60 Jahre alten Brücke ist nach Aussagen von Fachleuten ohne weiteres möglich, wie die erfolgreiche Sanierung der 100 Jahre alten Stößensee-Brücke zeigt. Die Sanierung und bauliche Unterhaltung aller genannten Brücken wäre arbeitsmarktpolitisch und unter dem Aspekt der Denkmalpflege für die Region Berlin-Brandenburg die einzig richtig Maßnahme.“ Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, antworte auf eine frühere Anfrage, „die Erhaltungs- und Sanierungskosten wären so teuer wie ein Neubau“.

Der gesamte Streit könnte bald vergessen sein, wenn die neuen Pläne des Bundes verwirklicht werden. Hierbei soll ein Verfahren genutzt werden, welches schon beim Bau der U-Bahn-Linie nach Spandau erfolgreich genutzt wurde. In Senkkastenbauweise soll das kurze Stück bis zur Unterquerung der Havel errichtet werden. Mit Hilfe eines Schildvortriebes soll die Havel dann selbst untertunnelt werden. Die Kosten des Projektes trägt vollständig der Bund. Spandau, aber auch das Land Berlin werden sich über diese neue Wendung der langjährigen Diskussionen freuen. Insgesamt sollen die veranschlagten Kosten nicht wesentlich über denen der bisherigen Planungen liegen. Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer (SPD) und Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) werden heute gegen 11 Uhr überraschend der Freybrücke einen Besuch abstatten. Vertreter des Bezirksamtes werden zugegen sein.

Ralf Salecker