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Ballhaus Spandau bleibt offen

Ballhaus Spandau unter neuer Bewirtschaftung

Die glorreichen Zeiten sind schon länger vorbei, noch vor zwei Jahrzehnten pilgerten gerade donnerstags Spandaus Oberschüler über den Gänsemarkt in die Dorfstraße um dort bis in die Morgenstunden bei Rockmusik zu feiern. Doch die Tradition wurde nicht fortgeführt, dass Ballhaus öffnete fortan lediglich noch am Wochenende seine Türen und einzig und allein Heiligabend blieb für viele gepflegtes Ritual vergangener Tage.

Geschlossene Türen und Rolläden momentan beim Ballhaus Spandau.

Geschlossene Türen und Rolläden momentan beim Ballhaus Spandau.

Abschied bei Facebook

Am Sonnabend dann der erste Schock: Über das soziale Netzwerk bedankte sich das Ballhaus bei denjenigen, die am Abend zuvor mit ihnen Abschied gefeiert hatten und teilten mit, dass Europas älteste Rockdisko vorübergehend geschlossen sei. Keine Vorankündigung der Abschiedsparty, keine Erklärung der Gründe. Selbst die Facebook Seite war schon am Wochenanfang nicht mehr vorhanden, die Ballhaus Homepage zeigt nur noch den Verweis „temporarily closed“ und eine Anfrage seitens der Redaktion blieb unbeantwortet. Doch schnell zeigte sich, dass es sich nicht um eine Schließung sondern lediglich einen Betreiberwechsel zu handeln scheint.

Traditionen enden

Legendär ist Spandaus Rockdisko jedoch nicht nur durch Heiligabend und die damaligen Donnerstage geworden sondern ganz besonders dadurch, dass sich im Ballhaus Farin Urlaub und Bela B. erstmals begegneten. Beide zusammen gründeten später die beste Band der Welt: Die Ärzte. Nach unserem ersten Bericht ergab sich bisher folgender Kenntnisstand: Das Ballhaus hat eine neue Bewirtschaftung, es wird Veränderungen geben aber offen bleiben. Damit ist auch die Rock Classic Night vorerst gerettet. Und auch die Bemühungen über den Heiligabend hinaus Publikum in den Traditionsladen zu bekommen werden weitergehen. Denn lediglich vom Weihnachtsgeschäft kann kein Geschäft auf Dauer bestehen.

Älteste Rockdisko

Begonnen hatte das denkmalgeschützte Bauwerk als Tanzlokal, das sich zur Zeit des Nationalsozialismus auch als Tagungsort und Veranstaltungsort der NSDAP etablierte. Nach Wikipedia Angaben ist bekannt, dass auch Hermann Göring das Gebäude besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Gebäude zunächst ein Gemeindezentrum, später wieder ein Tanzlokal. In den frühen 70er-Jahren wurde die Musik im Ballhaus härter und deutlich rockiger. Damit etablierte sich das Ballhaus Spandau als Anlaufstelle für Freunde des Hardrock, Heavy Metal, Punk und ähnlichen Richtungen. Neben dem Kennenlernen der Ärzte war ein zweites Ereignis von besonderer Bedeutung: Die ehemalige DDR-Band City hatte dort ihren ersten Auftritt auf westdeutschem Boden. Immer an derselben Stelle zu finden, änderte sich auch drinnen wenig. So fanden sich immer Bilder und Originalplakate legendärer Rockgrößen an den Wänden. Die Einrichtung zeichnete sich dadurch aus, dass diese stets renoviert aber nicht modernisiert wurde.

Patrick Rein

Gans schön anders

Der Gänsemarkt Spandau feiert sein 25-jähriges Jubiläum

Traditionen müssen gepflegt werden. Das dachte sich wohl auch Vincent Allrich als er vor mittlerweile neun Jahren die Erlebnisgaststätte von Vater „Pepi“ übernahm. Schon früh war auch er hinterm Tresen tätig – so wie die gesamte Familie. Doch auch Persönlichkeiten standen schon am Zapfhahn, wie der Schauspieler Mathias Matz, bekannt aus der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Das Motto spricht für Spandau und den Gänsemarkt: "Gans schön anders".

Das Motto spricht für Spandau und den Gänsemarkt: „Gans schön anders“.

1, 2, 3 Euro Tag

Der Serientitel könnte auch für den Familienbetrieb an der Plantage 1 stehen, denn wie die gesamte Gastronomie ist auch der Gänsemarkt vom Zuspruch der Gäste abhängig. Die glorreichen Zeiten, wo Spandaus Jugend donnerstags auf dem Weg zum Ballhaus vorher noch im Markt einkehrte, waren irgendwann vorbei. Damals lohnte sich sogar der Betrieb einer Dependance, dem „Gänsefüßchen“, unweit vom Stammladen gelegen. Von 1991-1996 gab es die Alternative. Als „Vinny“ 2003 in die großen Fußstapfen des Vaters – der leider im April letzten Jahres verstarb – trat, mussten wieder neue Ideen her um ein jüngeres Publikum zu begeistern. Mit dem 1, 2, 3 Euro Tag gelang dies erfolgreich und hält an.

Jung und Alt

„Unseren besonderen Charme macht das Miteinander von Jung und Alteingesessenen aus. Neben einer treuen Stammkundschaft kommen auch immer wieder neue Gesichter. Und alle fühlen sich anscheinend wohl.“, erklärt der Vater eines neunjährigen Sohnemanns den Erfolg eines Vierteljahrhunderts. Gefeiert wird das – wie immer – außergewöhnlich: Von Freitag bis Sonntag. Die Resonanz ist groß und normalerweise müsste angebaut werden um allen Platz zu bieten. „Wenn das Wetter mitspielt, werden wir auch draußen was aufbauen müssen.“ Freut sich der Jungkneipier.

Inhaber Vincent "Vinny" Allrich mit dem Jubiläums-Shirt hinterm Tresen.

Inhaber Vincent „Vinny“ Allrich mit dem Jubiläums-Shirt hinterm Tresen. Fotos (2): Patrick Rein

Erfolgreicher Fußballer

Auch wenn sein Fußballverein Hertha BSC ihm momentan nicht immer Freude bereitet und er seine Hähme darüber nicht immer zurückhalten kann, so gehört auch der Gänsemarkt zu Spandaus Sportsbars. Auf Leinwand und Flatscreen wird dann mitgefiebert. Dabei könnten die Profis anscheinend noch einiges lernen, denn der Gänsemarkt konnte als erste Mannschaft drei Mal hintereinander den Gastro-Cup gewinnen und der ehemalige Wanderpokal bleibt damit jetzt auf seinem Ehrenplatz im Lokal. „Bin gespannt ob das noch mal eine andere Mannschaft schafft. Wobei wir in diesem Jahr Glück hatten, spielerisch waren Norbert’s als auch Alt Spandau eigentlich besser.“, zeigt sich Vinny sportlich.

Spandau gratuliert zum Jubiläum und freut sich auf die Feier wenn das halbe Jahrhundert voll gemacht wird. Traditionell dann wahrscheinlich mit dem eigenen Nachwuchs hinterm Tresen des Familienbetriebs.

Patrick Rein

Gänsemarkt gewinnt zum vierten Mal den Gastro Cup

Spandauer Gastronomie kickt für einen guten Zweck trotz ständigem Regen

Bereits zum 7. Mal trafen sich Bars, Restaurants und Kneipen samt Tresenpersonal kombiniert mit Stammgästen im Helmut-Schleusner-Stadion ein um den Gerhard-Hanke-Wanderpokal zu erringen. Wie bei der Fußballeuropameisterschaft besonders im Spiel der Ukraine gegen Frankreich war das Wetter jedoch auch in Spandau der große Spielverderber. Dennoch lockte das Turnier neben den Teilnehmern zahlreiche Besucher ins Stadion und es kam zu dem alljährlichen come-together der Gastroszene.

Aufmarsch zum Einlagespiel des Raidosenders Star FM.

Aufmarsch zum Einlagespiel des Radiosenders Star FM mit T-Bone's Allstars und Bianca' Kicker Queens. Foto: Patrick Rein

Einlagespiel von Star FM

Auch in diesem Jahr unterstützte der Rockradiosender Star FM Berlin die Veranstaltung von Norbert Liß und die Morgenshow Moderatoren T-Bone und Bianca traten sogar zum Wettkampf der Allstars gegen die Kickerqueens an. Klar mit 6:1 hatte dabei T-Bone’s Mannschaft die Nase vorn. Doch viel mehr interessierte die 837 Zuschauer der Gastro Cup als auch die Tombola mit lukrativen Preisen.

Elfmeter-Krimis zum Ende

Ohne sie wäre keine Sportveranstaltung möglich: Die Schiedsrichter.

Ohne sie wäre keine Sportveranstaltung möglich: Die Schiedsrichter. Foto: Patrick Rein

Auf dem Feld kämpften das Norbert’s, Bricks, Gänsemarkt, Clubhaus Sutos, Falkenseer Krug, Zum Tröpfchen, Alt Spandau, Kaiserhof, Hanschi’s, Casino FC Staaken, Il Vagabundo, Weißbierpreußen, Landhaus Perle und Bumbar in freundschaftlich aber dennoch hart umkämpften Spielen um den Turniersieg. Dabei konnte der Gänsemarkt das Halbfinale gegen den Gastgeber von der Erlebnisgaststätte Norbert’s als auch das Finale gegen das Altstadt Spandau Team erst im Elfmeterschießen für sich entscheiden. So sicherten sich die Mannen um Inhaber Vincent Allrich den insgesamt vierten Turniersieg und sogar zum dritten Mal in Folge.

Viele Zuschauer trotz schlechtem Wetters sorgten für eine großzügige Spende.

Viele Zuschauer trotz schlechtem Wetters sorgten für eine großzügige Spende ans Jona's Haus Staaken. Foto: Patrick Rein

Jona’s Haus freut sich

Alle Einnahmen der Benefizveranstaltung kamen wieder dem Jona’s Haus in Staaken zu. Die Einrichtung in der Schulstraße ist die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche aus sozialschwachen Familien und bietet ihnen Freizeitangebote, Aktivitäten aber auch Unterstützung und Perspektiven. Jeder Cent ist daher notwendig und kommt dort an wo er benötigt wird: Bei den Kindern.

Gastro Cup 2013 gesichert

Norbert Liß (zweiter von links) und Stadtrat Gerhard Hanke (erster von rechts).

Norbert Liß (zweiter von links) und Stadtrat Gerhard Hanke (erster von rechts) übergaben den Wanderpokal zum dritten Mal in Folge an den Gänsemarkt. Foto: Patrick Rein

Nachdem der Gänsemarkt das Turnier zum dritten Mal in Folge gewinnen und somit den eigentlichen Wanderpokal behalten darf, stellte Stadtrat Gerhard Hanke unter dem Beifall des Publikums auch einen neuen Pokal fürs Jahr 2013 in Aussicht. Auch Organisator und Gründer des Gastro Cups, Norbert Liß, ist dem nicht abgeneigt und bekam von Hanke viel Lob und Anerkennung für sein Engagement für den Bezirk. Der Erfolg dieser einzigartigen Veranstaltung spricht auch für sich und es würde ein besonderer Tag verloren gehen. Heute heißt es nun wieder in allen Bars und Kneipen Daumen drücken für den Gruppensieg der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Nicht nur im Gänsemarkt und Norbert’s würde es dann über den Gastro Cup hinaus Grund zum Feiern geben.

Patrick Rein