RSSAlle Einträge markiert mit: "Impfung"

Sucht Spandau den Impfpass?

Das sind doch nur Kinderkrankheiten

Immer weniger kennen den Impfpass (Bild: Wikipedia)

Immer weniger kennen den Impfpass (Bild: Wikipedia)

Hier sitze ich nun beim Arzt und warte darauf, endlich ranzukommen. Zwischenzeitlich werde ich ein wenig ungeduldig und frage die Sprechstundenhilfe, wann ich endlich zum Arzt vorgelassen würde. Selbst Patienten mit Termin müssen heute mindesten eine halbe bis dreiviertel Stunde mehr einplanen. Warten ist weiterhin angesagt. Ob denn gerade eine Epidemie mit einer speziellen Infektion grassiert, möchte ich wissen. Sie verneint. Das ist nur das übliche Schmuddelwetter. Ohne Termin muss man halt warten und hoffen. Vier Stunden später bin ich endlich am Ziel. Auch der Arzt bestätigt, dass die Kombination Saisonale Witterung und der Donnerstag ungünstig sind. Dann füllen sich die Praxen.

Kleine Rennautos

Also blättere ich durch die Zeitschriften und stolpere auch hier über Infektionskrankheiten. Manchen Infektionserkrankungen lässt sich problemlos durch rechtzeitiges Impfen vorbeugen. Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, scheint in den letzten Jahren stetig abgenommen zu haben. Oft werden Infektionskrankheiten durch die sogenannte Tröpfcheninfektionen übertragen. Da hustet, schnieft oder niest jemand und schon schießen kleine Wassertröpfchen mit enormer Geschwindigkeit durch die Gegend. 160 Stundenkilometer kann solch ein Tropfen erreichen. Viele davon fliegen umher. Einer wird sein Ziel schon treffen. Selbst beim normalen Gespräch können Erreger weitergegeben werden. Es gibt harmlose Erreger und solche, die schwere Erkrankungen auslösen.

Uns allen geht es offensichtlich so gut, dass wir immer bequemer werden. Da es manche Krankheiten in unserem Umfeld nicht mehr gibt, scheinen sie für immer mehr Menschen auch nicht mehr zu existieren. „Eine Impfung ist unnötig …“. Das meinte im Brustton der Überzeugung ein mittelalter Patient, der sicherlich nicht ohne Grund hier war, mit Blick in meine Zeitschrift. „Das sind doch alles nur Kinderkrankheiten“. So einfach ist das also?

Deutschland sucht den Impfpass

Wenn Grippewellen grassieren, wird uns bewusst, wie wichtig eine rechtzeitige Impfung mit dem richtigen Mittel ist. Für einige Menschen kann eine Grippe schwerwiegende Folgen haben. Was passiert, wenn es nicht eine Grippe, sondern Röteln, Masern oder Mumps grassieren, um ein paar Bespiele zu nennen, die wir aus unserer Kindheit kennen. Früher hatte jedes Kind seinen gelben Impfpass, in den alle Impfungen eingetragen wurden. In ihm war auch ersichtlich, wann die nächste Impfung an der Reihe war.

Der Impfunlust der Bevölkerung versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit einer Kampagne zu begegnen. Plakate mit der Aufschrift „Deutschland sucht den Impfpass“ weisen darauf hin. Den Anfang machte der Aufruf, sich gegen Masern impfen zu lassen. Bis 2015 soll die Krankheit in Europa ausgerottet sein. Funktionieren kann das nur, wenn möglichst viele geimpft sind. Noch im vorletzten Jahr registrierte man über 1600 Fälle von Masern, die Hälfte davon betrafen keine Kinder. Für Erwachsene können die Folgen der Erkrankung mehr als unangenehm sein. Besonders die nach 1970 geborenen scheinen über die Notwendigkeit von Impfungen entweder schlecht informiert zu sein oder beabsichtigen nicht, eine solche vorzunehmen. Gerade einmal 13 Prozent zeigen sich dazu bereit. Eine Verweigerung, der böse Folgen haben kann.

Wer wann gegen welche Krankheit geimpft werden sollte, ist aus dem aus dem Impfkalender der Ständigen Impfkommission STIKO zu ersehen.

 

Ralf Salecker

Herbst in Spandau – schon geimpft?

Die Launen einer Jahreszeit

Herbst, nicht für alle gleich schön ... (Foto: Ralf Salecker)

Herbst, nicht für alle gleich schön … (Foto: Ralf Salecker)

Es ist Herbst, werden viele stöhnen. Draußen wird es kalt und regnerisch. Jetzt mag man keinen Hund mehr vor die Türe jagen. Noch schlimmer, es ist Grippe-Zeit. Mit roter und verschnupfter Nase wird eine Jahreszeit eingeläutet, die für viele eben nur die Abkehr vom Sommer bedeutet. Schüler freute es noch vor kurzem, schließlich gab es Herbstferien, auch wenn diese, wie alle Ferien, viel zu kurz ausfielen.

Grippezeit

Gerade eben ist eine Verknappung an Grippemitteln an uns vorüber gegangen. Erst drängte man uns über alle Kanäle dazu, sich schnellstens gegen den aktuellen Grippeerreger impfen zu lassen und dann dies – die Vorräte wurden an manchen Orten knapp, weil die Leute sich brav impfen ließen. Dann werden zusätzlich noch ganze Produktionschargen zurück gerufen. Drei Impfstoffe waren betroffen.

Da flockte etwas aus, hieß es. Das könnte erhebliche allergische, im Extremfall tödliche Reaktionen hervorrufen. Wer schon mit dem „Problemmittel“ Begripal geimpft wurde und nicht am selben Tag Probleme bekam, der hat auch im Nachhinein nichts zu befürchten. Angeblich soll die Firma Novartis schon länger davon gewusst haben. Auch hier kann man nur verständnislos mit dem Kopf schütteln.

Bei einem anderen Impfmittel wurde von mancher Seite das neue, noch nicht ausreichend untersuchte Produktionsverfahren bemängelt. Klassischerweise sind Hühnereier die Serengrundlage, beim neuen Verfahren dagegen Zellkulturen aus Hundenierenzellen, die sich wie Krebszellen verhalten. Das ist praktisch. Solche Zellkulturen sind technisch relativ einfach zu handhaben, vermehren sich endlos und produzieren berechenbar, das, was sie sollen.

Warum lässt man dann ein Mittel wie Optaflu auf die Menschheit los, wenn es möglicherweise nicht ungefährlich ist, wird nun manch einer fragen. Weil die Produktionsfirma und das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel versichern, dass kein Grund zur Sorge bestehe, schließlich würde am Ende des Produktionsganges keine Spur der Krebszellen im Impfmittel landen.

Sparen kann auch Probleme verursachen

Nun gab’s das Ersatzmittel während der Verknappung nicht an jeder Ecke. Weil Krankenkassen sparen wollen, kann nicht einfach jeder das Grippemittel seiner Wahl einkaufen. Im länderweise vereinbarten Großeinkauf lassen sich naturgemäß bessere Preise vereinbaren. Andere fangen da erst gar nicht erst mit der Produktion an, weil niemand etwas von ihnen kaufen darf. 16 Grippemittel haben den Segen bekommen und dürfen gekauft/verkauft werden, andere dagegen nicht. Kommt es zu Engpässen bei den wenigen Mitteln, sind diese nicht so schnell auszugleichen. Solch eine Produktion wird nicht einfach über Nacht angeworfen. Auch hier muss für zu exzessives Sparen ein Preis gezahlt werden, nicht nur wenn zu wenig Personal auf Intensivstationen arbeitet …

Impfen oder nicht impfen …

Erst einmal muss nichts überstürzt werden. Die Grippewelle, beginnt normalerweise erst Anfang Januar. Zwar sind Oktober und November, die zeitlich günstigsten Monate, um sich darauf vorzubereiten, weil nach einer Impfung 10 Tage bis zu 2 Wochen vergehen können, um einen sicheren Impfschutz sicherstellen zu können, doch bis zur eigentlichen Grippesaison ist noch ein wenig Zeit. Jeder der will, bekommt sein Grippemittel. Berlin und damit auch Spandau, sind bisher vom Engpass nicht betroffen.

 

Ralf Salecker

Besorgniserregender Anstieg von Masernerkrankungen


Auch in Spandau vermehrt Krankheitsfälle

© seedo / pixelio.de

Deutschlandweit gibt es in diesem Jahr deutlich mehr Masernerkrankungen zu verzeichnen als in den vergangenen Jahren. Es scheint, als sei diese Krankheit trotz allgemeiner Impfempfehlung wieder auf dem Vormarsch. Ärzte kritisieren die allgemeine Impfmüdigkeit der Deutschen.

Das es sich bei den Masern nicht um eine „harmlose“ Kinderkrankheit handelt, zeigt ein besonders tragischer Fall in Aschaffenburg. Dort liegt derzeit ein sechsjähriges Mädchen mit den Spätfolgen einer Masern-Erkrankung im Sterben. Das Kind hatte sich im Alter von sieben Monaten bei einem Erwachsenen angesteckt und als Folge der Infektion fünf Jahre später eine chronische und unheilbare Gehirnentzündung entwickelt.

Auch in Berlin wurde in diesem Jahr, laut Robert-Koch-Institut, ein rasanter Anstieg von Masernerkrankungen verzeichnet. 159 Fälle wurden 2011 bisher registriert. 2010 waren es noch 92 und 2009 sogar nur 33 Krankheitsfälle, so berichtete die Berliner Morgenpost letzte Woche.

Diese Entwicklung kann auch in Spandau beobachtet werden. Das Evangelische Waldkrankenhaus hat in diesem Jahr bereits 5 Masernerkrankungen festgestellt, während innerhalb der letzten fünf Jahre höchstens eine Erkrankung pro Jahr erfolgte.  Als Hauptgrund für den bundesweiten Anstieg der Masernerkrankungen wird die zunehmende Impfmüdigkeit in Deutschland genannt.

Die weitverbreitete Impfmüdigkeit

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Jochum

Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Priv.-Doz. Dr. med. Frank Jochum zur allgemeinen Impfmüdigkeit:
„Aus unserer Sicht ist diese Situation sehr problematisch. Wir haben den Eindruck, dass viele die Schrecken vergessen haben, die durch Krankheiten ausgelöst werden, gegen die eine Impfempfehlung besteht. Gerade bei wohlhabenden und gut gebildeten Familien, die sich Gedanken machen, für alternative Ideen empfänglich sind und eine möglichst natürliche Lebensweise anstreben, ist die Impfmüdigkeit häufig zu verzeichnen. In diesem Zusammenhang bedeutet das Streben nach einer möglichst natürlichen Lebensweise aber auch, dass bei einem Anteil dieser Menschen beispielsweise schwere Erkrankungen ausbrechen und dauerhafte gesundheitliche Schäden entstehen können. Wie man das beim aufmerksamen Beobachten der Bevölkerung in manchen Ländern feststellen kann, in denen Impfungen noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Dort sind die möglichen Schäden durch erlittenene Erkrankungen teilweise deutlich erkennbar, z.B. humpelnde Menschen infolge von Kinderlähmung (Polio) o.a.“

© Maria Lanznaster / pixelio.de

Masern – eine der ansteckendsten Krankheiten

Der Krankheitsverlauf bei einer Masernerkrankung beginnt mit Symptomen wie Husten, Schnupfen und Fieber. Nach einigen Tagen zeigt sich dann ein dunkelroter Hautausschlag. Mit Ausbrechen der ersten Symptome kann der Erkrankte bereits andere anstecken. Die Übertragung erfolgt beim Husten und Sprechen über Speicheltröpfchen. Die Masern gelten zwar als Kinderkrankheit, mittlerweile erkranken jedoch auch vermehrt Jugendliche und Erwachsene. Mediziner warnen besonders vor den Spätfolgen, die diese Krankheit auslösen kann.

Die Risiken des Nicht-Impfens

„Für jede der Erkrankungen, gegen die eine allgemeine Impfempfehlung der ständigen Impfkommission (STIKO) besteht, sind sehr schwere Erkrankungsverläufe beschrieben. Bei einem Teil der Menschen, welche die Erkrankungen durchleben, entstehen dauerhafte Gesundheitsschäden wie z.B. bei der Polio (Kinderlähmung) bleibende Lähmungen oder bei Masern die gefürchtete Gehirnentzündung. Diese kann zu dauerhaften Schäden der Neurologie und des Intellektes bis hin zu schweren dauerhaften Behinderungen führen“, so Priv.-Doz. Dr. med. Frank Jochum vom Evangelischen Waldkrankenhaus in Spandau.

Allen Personen, denen die gängigen Impfungen fehlen, sei empfohlen, wenigstens die Impfungen gegen
die gefährlichsten Erkrankungen nachzuholen. Konsultieren Sie dazu Ihren Haus- oder Kinderarzt.

Ute Kempf