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Mehr als 40 Arbeitsplätze gerettet

Die LTH System Berlin GmbH in Spandau hat wieder eine Zukunft: Insolvenzverwalter hat sich mit einem Investor auf eine Übernahme des Geschäftsbetriebes geeinigt.

„Der Verkauf sichert der LTH eine dauerhafte Zukunft unter dem Dach eines neuen Betreibers“, betonte Rechtsanwalt Christian Otto. „Besonders erfreulich ist, dass die überwiegende Zahl der Mitarbeiter übernommen werden konnte.“ Die Erwerberin – eine Tochter der Nestor-Unternehmensgruppe – hat den Geschäftsbetrieb bereits zum 1. April 2013 übernommen.

Bei der LTH System Berlin GmbH in Spandau kann es nach Insolvenz nun weitergehen.

Bei der LTH System Berlin GmbH in Spandau kann es nach Insolvenz nun weitergehen. Foto: Patrick Rein

Mitarbeiter mit großem Einsatz

Das Unternehmen hatte im Juli vergangenen Jahres einen Insolvenzantrag gestellt, worauf im Oktober das entsprechende Verfahren eröffnet wurde. Seitdem hatte Rechtsanwalt Otto den Geschäftsbetrieb des traditionsreichen Spandauer Unternehmens fortgeführt und nach Investoren gesucht. Gleichzeitig mussten einschneidende Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden um das Defizit in den Griff zu bekommen. „Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen mit dem Investor zeigt, dass sich unser Sanierungskurs und der große Einsatz aller Beteiligten, insbesondere der Mitarbeiter und des Gläubigerausschusses, in den letzten Monaten ausgezahlt hat“, so der Verwalter.

Treue der Kunden

„Insbesondere konnten wir uns glücklich schätzen, dass die Kunden durch konsequente Weiterbeauftragung treu geblieben sind und das Unternehmen auf seinem Weg weiter begleiten wollen“. Erfreulich sei außerdem, dass der Geschäftsbetrieb in Spandau fortgeführt wird und so die günstige logistische Anbindung zu den Hauptkunden erhalten bleibt. Die LTH System Berlin GmbH ist spezialisiert auf die Entwicklung von Komponenten und die Blechverarbeitung in der Energie- und Bahntechnik. Als dynamisches mittelständiges Unternehmen mit Umsätzen von zuletzt bis zu 10 Millionen Euro konstruiert und produziert in der Gartenfelder Straße komplexe Systembaugruppen aus Aluminium, Edelstahl und Stahl für industrielle Anwendungen.

Aufschwung in schwierigen Zeiten

Wie auch andere Unternehmen hatte die LTH mit dem zunehmenden Preisdruck der Metallbranche zu kämpfen. Auch steigende Rohstoffpreise konnten nicht im vollen Umfang an die Kunden weitergereicht werden. Diesem Trend als auch der anhaltenden Wirtschaftskrise zum Trotz planen besonders mittelständische Unternehmen aus Spandau in diesem Jahr Erweiterungen ihrer Produktions- oder Gewerbeflächen.

Patrick Rein

Schlecker-Pleite: gleich zwei Spandauer Filialen schließen


Die Rabattschlacht kann beginnen

Schlecker-Pleite: gleich fünf Spandauer Filialien schließen

Schlecker-Pleite: gleich zwei Spandauer Filialien schließen

Der vorläufige Schlecker Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ist der Meinung, dass eine Basis für eine Fortführung gelegt werden muss. Diese bringe jedoch tiefe Einschnitte in das Unternehmen mit sich. Aber nur so kann gleichzeitig eine Grundlage für Investorengespräche und für eine selbstständige Überlebensmöglichkeit gelegt werden.

Wenn Schlecker von „tiefen Einschnitten in das Unternehmen“ spricht, dann ist hier vor allem von Schließungen ganzer Standorte die Rede. Von derzeit etwa 5.400 Filialen sollen nur noch 3.000 übrig bleiben. Das würde bedeuten, dass ca. 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Kündigung erhalten werden.

In den ca. 2.400 Filialen, die laut offizieller Seite gestrichen werden sollen, beginnen jetzt die großen Räumungsverkäufe, denn bereits am Samstag kommender Woche sollen diese geschlossen werden. Kunden können jetzt mit Mega-Rabatten, von 30 bis 50 %  auf alle Produkte, rechnen.

Die Bundesregierung wird für die Mitarbeiter des insolventen Schlecker Unternehmens keine finanzielle Hilfe erteilen. Michael Fuchs, Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag begründet diese Entscheidung mit folgenden Worten:

„Es kann nicht sein, dass ein großes Unternehmen Hilfe bekommt und ein kleines Unternehmen nicht. Der Staat kann nicht in jedem Falle, in dem ein Unternehmen in Insolvenz geht, helfen. Das müssten wir sonst für jedes Unternehmen machen und das geht nicht.“

Welche Filialen sind in Spandau genau betroffen?

Die insolvente Drogeriekette veröffentlichte am Mittwoch, den 14.03.2012 eine Liste mit allen Filialen denen die Schließung bevorsteht. In ganz Berlin sind von etwa 285 bestehenden genau 77 Standorte betroffen. In Spandau werden folgende Filialen schließen:

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Laut Medienberichten wurden die betroffenen Filialen mit folgendem Satz per Fax über die Schließung benachrichtigt:

„Wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass Ihre Verkaufsstelle nach vorläufigem Stand zum 24. März 2012 geschlossen wird.“

Zum Basiskonzept gehören nicht nur Schließungen

Selbstverständlich wird weiterhin an den bestehenden Verkaufsstellen gearbeitet. Hier stützt sich das Unternehmen auf vier eigens entwickelte Säulen:

  1. Vielfältige Maßnahmen zur Kostenreduktion
  2. Sortimentsoptimierungen und damit verbundene Preissenkungen
  3. Ladenumbauten
  4. Ein nachhaltiger Kulturwandel im Sinne der Glaubwürdigkeit des Unternehmens

Der Insolvenzberater Arndt Geiwitz erwähnte außerdem, dass man mit dem neu strukturierten Standortnetz immer noch mehr Drogeriemärkte betreibe, wie die großen Wettbewerber zusammen. Somit gibt Schlecker das Prinzip der Kundennähe nicht auf und hält weiterhin am Leitspruch „For You. Vor Ort.“ fest. Wie schnell die einzelnen Punkte der vier Säulen dann letztendlich in die Tat umgesetzt werden, hängt allein davon ab, wann die ersten Investorengelder verfügbar sind.

Für Geiwitz steht das Thema Unternehmenskultur im Vordergrund:

„Wir müssen kompromisslos für die Umsetzung sorgen und das gesamte Führungsteam nicht nur auf die neue Größendimension, sondern auch auf die Anforderungen in Sachen Mitarbeitermotivation und Führung ausrichten. Dies geschieht ab sofort.“

Ver.diVer.di greift ein

Die allseits bekannte Gewerkschaft ver.di hat sich jetzt auch zu Wort gemeldet und fordert von Bundes- und Landesregierungen eine Transfergesellschaft für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker. „Ich verlange, dass die Politik ihre Verantwortung für die mehr als 25.000 Frauenarbeitsplätze wahrnimmt und die Finanzierung einer Transfergesellschaft sicherstellt“, so Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).

Es geht der Gewerkschaft vor allem darum, die jetzt von der Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter aufzufangen. Viele von Ihnen sind über 50 Jahre alt und haben teilweise keine Ausbildung. Weiterhin sei eine Transfergesellschaft unabdingbar bei der Fortführung der verbleibenden Filialen und bei der anstehenden Suche nach Investoren.

 

Die Redaktion

Schlecker ist pleite und geht voraussichtlich in die Planinsolvenz


In Spandau gab es etwa 20 Filialen

Schlecker-Filiale in der Pichelsdorfer Straße

Schlecker-Filiale in der Pichelsdorfer Straße

Schlecker ist jedem ein Begriff, auch wenn anscheinend immer weniger Menschen dort einkaufen gehen. Spätestens seit einigen Tagen ist die Drogeriekette wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Gestern, am Montag, ist beim Amtsgericht Ulm der Antrag auf Planinsolvenz eingegangen  Anschließend wird dort entschieden, ob dem Antrag stattgegeben wird. Allein in Berlin könnte es für 30 Filialen eng werden.

In Suchmaschinen und Verziechnissen sind noch etliche Adressen von Schlecker Filialen in Spandau aufgelistet. Zwei davon, in der Pichelsdorfer Straße und der Wilhelmstraße existieren nicht mehr. Es sind anscheinend die kleinsten, die verschwunden sind. Geht man in Spandau durch die Filialen, bietet sich, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt, ein einheitliches Bild. Die Regale sind an manchen Stellen arg gelichtet. Gerade die preiswerten Produkte scheinen vergriffen zu sein. Es scheint also zu stimmen, Schlecker fehlt das notwendige Geld. Kunden sind nur sehr wenige zu sehen.

Solange die Kunden weiter kommen, wird es hier auch weiter gehen …

Richtige Informationen sind nicht zu bekommen. Das Personal kann nicht mehr sagen, als in der Presse steht oder zeigt einen ausgesprochenen Zweckoptimismus. In einer Filiale bekomme ich auf meine Frage, wie es denn weiter geht, nur ein Schulterzucken. Die einzige Verkäuferin in den recht großen Verkaufsräumen scheint ratlos und ein wenig resigniert zu sein. In einer anderen Filiale in Spandau, hier sind sogar zwei Verkäuferinnen anwesend, wird mit einer merkbaren Sicherheit positiv in die Zukunft geblickt. „Solange die Kunden weiter kommen, wird es hier auch weiter gehen“. In dieser Filiale war ich gerade der einzige Kunde … Um die Arbeitsplätze scheint sich hier niemand Sorgen zu machen, schließlich vertraut man auf den bestehenden Tarifvertrag. „Hier wird niemand entlassen. Wenn die Filiale schließt, dann geht man halt in eine andere Geschäftsstelle. Irgendwo ist immer jemand krank oder im Urlaub …“.

Die Kunden und Passanten

Frau Müller, eine betagte Rentnerin: „Ich wäre schon sehr traurig, wenn mein Schlecker nicht mehr da wäre. Ich kann nicht mehr so weit laufen. Meine Kinder können nur selten mich einkaufen.“ Auf der Straße ist der Ton schon ruppiger. Man hat zwar Mitleid mit den Angestellten, Deutschlands größter Drogerie-Kette scheint aber niemand eine Träne nachzuweinen. „In diesem Kramladen gehe ich schon lange nicht mehr einkaufen“, meint ein Herr im mittleren Alter. Ein anderer geht auf den schlechten Ruf ein, der sich in den Köpfen der Leute festgesetzt hat. „Wer nur ans Geld scheffeln denkt, hat es nicht anders verdient. Ich sage nur Lohndumping, enge zugestellte Läden, einsame Verkäuferinnen und dann noch Zeitarbeit. Selbst Frau von der Leyen hatte diese Praxis bemängelt.“

Planinsolvenz soll das Unternehmen retten

Der Metzgermeister Anton Schlecker eröffnete 1967 sein erstes SB-Warenhaus. 1975, ein Jahr nach Ende der Preisbindung für Markenartikel, gründete er seinen ersten Drogeriemarkt. Nur zwei Jahre später waren es 100 Filialen, 1984 schon 1000. Jetzt sollen es fast 8000 Läden sein. Er wollte überall als „Nahversorger“ vertreten sein. Dieser Expansionsdrang, der ihn zum Milliardär und Marktführer  gemacht hat, scheint nun das „Aus“ zu bedeuten.

Die Umsätze sind gewaltig eingebrochen. Eine Geschäftspolitik, die auf kleine unübersichtliche Geschäfte, wenig und schlecht bezahltes Personal setze, zeigt jetzt ihre Folgen. Mit einer Planinsolvenz soll das Ruder noch einmal herum gerissen werden. Damit bleibt die alte Geschäftsführung  am Ruder, könnte aber die bestehenden Arbeitsverträge aufkündigen – und Mitarbeiter entlassen. Wie viele es sein können, steht noch völlig in den Sternen.Das Amtsgericht Ulm hat unterdessen den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm zum Verwalter bestellt. Geiwitz sei „ein sehr guter Insolvenzverwalter“, der schon viele Verfahren betreut habe, sagte der zuständige Richter Benjamin Webel.
Ralf Salecker