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Schlechte Stimmung für amazon

Die größte Verkaufsplattform der Welt und ihr schlechter Ruf

Unmut gegenüber amazon (Illu: Ralf Salecker)

Unmut gegenüber amazon (Illu: Ralf Salecker)

Ein Leiharbeiterskandal zeigt beispielhaft, wie es in der Online-Versand-Branche zugeht. Eine ARD-Reportage beschrieb  Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter bei amazon auf, die eine Welle der Empörung auslösten. Der größte Online-Händler der Welt setzt in Deutschland jährlich etwa 8 Milliarden Euro um. Anscheinend tut er dies auf Kosten seiner Arbeitskräfte.

Praktisch alles lässt sich inzwischen über amazon bestellen. Niemand muss mehr die vertrauten vier Wände verlassen. Ein Griff zum Computer genügt. Meist kommt die bestellte Ware schon am nächsten Tag ins Haus. Einfacher und preiswerter scheint es nicht mehr zu gehen. Bisher war es allen egal, dass eine solche Dienstleistung auch ihren Preis hat. Niemand hat sich ernsthafte Gedanken darum gemacht. Um das gigantisches Bestellvolumen zu bedienen, sind viele fleißige Hände notwendig. Nicht alles kann von Maschinen erledigt werden. Packen müssen immer noch Menschen. Um auch hier den Preis zu drücken, muss die menschliche Arbeitskraft billiger werden.

Ausgebeutete Arbeitskräfte

In der ARD-Reportage „Ausgeliefert“ wurde von Arbeitsbedingen von tausenden Leiharbeitern berichtet, die weltweit nur noch ungläubiges Kopfschütteln auslösten. Aus Spanien wurden dem Bericht nach Leiharbeiter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen mit Bussen nach Deutschland geholt. In einem Land mit einer Arbeitslosenquote von über 30 Prozent braucht es nicht viel, um Menschen zu ködern.

Die Wirklichkeit entsprach nicht den Versprechungen. Nicht nur ein deutlich geringerer Lohn sondern unglaubliche Lebensbedingungen erwarten Spanier und andere hier in Deutschland. Als Arbeitgeber trat nicht amazon auf, sondern eine Zeitarbeitsfirma. Ein Sicherheitsdienst „kümmerte“ sich um die Arbeiter, der anscheinend zum rechtsradikalen Spektrum gehört. Allein das bezeichnende Namenskürzel „H.E.S.S.“ Hensel European Security Service hätte die Alarmglocken klingeln lassen müssen. Die Privatsphäre der Arbeiter wurde massiv missachtet. Wer nicht spurte, wurde umgehend gefeuert.

Lange Zeit wollte amazon zu diesen Umstände keine Stellung nehmen. Erst die lawinenartig zunehmende Berichterstattung in den Medien führte offensichtlich zu einer Einsicht.

Reaktionen

Es ist noch nicht allzu lange her, da gab es einen Bericht über den Schuhversand Zalando, der mit immensem Werbeaufwand versucht Kunden zu gewinnen. In dem Bericht wurde über extrem schlechte Beschäftigungsbedingungen berichtet. Das Medieninteresse ging gegen Null.

Inzwischen hat sich amazon „mit Rücksicht auf die Würde der Arbeitnehmer“ von der betreffenden  Sicherheitsfirma und der Leiharbeitsfirma getrennt. Ist das glaubhaft? Kann man davon ausgehen, dass amazon vorher nichts davon gewusst hat?

Vor einiger Zeit kam Kritik daran auf, dass über Amazon problemlos rechtsradikale und volksverhetzende „Literatur“, Kleidung und Musik erworben werden kann. Der Konzern antwortete damals darauf: „Amazon ist ein Händler, keine Regulierungsinstitution“. So einfach ist das also?

Ein paar spontane Fragen bei einigen Spandauern erbrachte sehr unterschiedliche Antworten. Den einen war es schlichtweg egal. Sie kaufen weiterhin bei amazon. Preis und Bequemlichkeit sind ihnen wichtiger. Andere dagegen kündigten an, ihren Account dort zu löschen. Wer dies versucht, wird feststellen, dass dies nicht so einfach ist. Der Online-Händler möchte seine Kunden unbedingt behalten.

Es liegt also an den Kunden selbst, ob sie weiterhin billig und bequem um jeden Preis konsumieren wollen – nicht nur bei amazon.

 

Ralf Salecker