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Spandaus Veterinäramt ausgezeichnet

Tierschutzorganisationen PETA hat in ihrem jährlichen Vergleich das Spandauer Veterinäramt zum besten Veterinäramt Deutschlands gekürt.

Das Veterinäramt, als eine Abteilung des Ordnungs- und Bürgerdienstamtes, stand im vergangenen Jahr durch Auftrittsverbot beim Zirkus Renz, der Schließung des Ponyhofes Staaken als auch der Sicherstellung einer Schafherde im Fokus der Öffentlichkeit. Die Meinungen und Ansichten liefen dabei oft weit auseinander, dennoch wurde keine Diskussion gescheut und trotz Kompromissbereitschaft auf Vorgaben und geltendes Recht zum Wohl der Tiere beharrt. Schließlich sind die Veterinärämter für die Überwachung und die Umsetzung des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig.

Anzeigenmotiv von PETA zu "Gemeinsam helfen: Wildtiere gehören in Freiheit - nicht in den Zirkus"

Anzeigenmotiv von PETA zu „Gemeinsam helfen: Wildtiere gehören in Freiheit – nicht in den Zirkus“ Foto: Jens Boldt / PETA

Engagement geehrt und ausgezeichnet

Jetzt wurde dem Spandauer Veterinäramt eine besondere Würdigung zu teil: PETA, die als Organisation Tierschutzrechtsfälle meldet und auch Tierschutzaktionen veranstaltet, veröffentlicht jährlich ein Ranking der deutschen Veterinärämter, die besonders positiv oder negativ aufgefallen sind. Aufgrund des außergewöhnlichen Engagements der MitarbeiterInnen im Spandauer Veterinäramt belegt dieses Platz 1 für das Jahr 2012.

Stadtrat lobt die Beteiligten

Der für das Ordnungsamt und somit für das Veterinäramt zuständige Bezirksstadtrat Stephan Machulik führt dazu aus: „2012 war ein sehr anstrengendes und arbeitsreiches Jahr für die MitarbeiterInnen des Veterinäramts. Nicht allein die Anzahl oder die fachliche Komplexität der nicht alltäglichen Tierschutzfälle stellten eine Herausforderung dar ,sondern die zum Teil nicht nachvollziehbare öffentliche Kritik in jüngster Vergangenheit, mit der beabsichtigt war, die Arbeit des Amtes in Misskredit zu bringen, ging an die Substanz der MitarbeiterInnen. Aus diesem Grund ist es eine herausragende Bestätigung für unser Veterinäramt, wenn eine Organisation wie PETA die Arbeit der Spandauer AmtstierärztInnen und der Verwaltungsangestellten derart würdigt. Ich bin sehr glücklich diese hoch motivierten MitarbeiterInnen zu haben, die sich sehr fachkompetent und engagiert zum Wohle der Tiere einsetzen und trotz geringer Personal- und Sachmittel den Tierschutz in unserem Bezirk umsetzen.“

Auf der Homepage von PETA (http://www.peta.de/veterinaeraemter2012) kann man die Begründung für Platz 1 im Ranking nachlesen.

Patrick Rein

Zirkus statt Theater

Der gestern gefundene Kompromiss zwischen Bezirksamt und Zirkus Julius Renz ist offiziell

Nachdem in den letzten Tagen viel über Tierschutz und Zirkus diskutiert wurde, erteilte das Bezirksamt Spandau nun unter Auflagen eine vorläufige Auftrittsgenehmigung (siehe auch Bericht hier). Auch wenn nicht eindeutig zu klären ist, wo genau die Wahrheit liegt, ist es nun an der Zeit, das menschliche Schicksal in den Vordergrund zu rücken: Denn eine 16-köpfige Zirkusfamilie steht nach den Ausfällen der vergangenen Tage vor dem Ruin.

Die Tiere werden sich in Spandau nicht mehr dem Publikum zeigen.

Die Tiere werden sich in Spandau nicht mehr dem Publikum zeigen. Foto: Patrick Rein

Vorstellung ohne Tiere

Bereits heute mit zwei Vorstellungen um 15 Uhr und 18 Uhr möchten sich die Zirkusleute wieder dem Publikum präsentieren. Die Tiere, so besagt es der Kompromiss, dürfen nicht gezeigt werden, wodurch Akrobatik als auch Feuershow noch mehr in den Vordergrund rücken. Im artistischen Teil begeistert Svetlana Trechina, damals im Moskauer Staatszirkus ausgebildet, auf Drahtseil und RolaRola. Und für die humorvolle Unterhaltung sorgt der Clown Sergey. Da auf die Tiere verzichtet wird, wurden die Preise auf 12 bzw. 10 Euro ermäßigt gesenkt. Am Sonntag beginnen die Vorstellungen um 11 Uhr und 15 Uhr, unter der Woche (außer Dienstag ist Ruhetag) um 17 Uhr. Der Zirkus Renz gastiert noch bis zum 20. Mai auf dem Gelände am Brunsbüttler Damm, weit entfernt von den Spandau Arcaden.

Tierschutz versus Existenzverlust

Dunkle Wolken über dem Zirkus Renz. Das große Zelt wurde abgebaut.

Dunkle Wolken über dem Zirkus Renz. Das große (hintere) Zelt wurde abgebaut. Foto: Patrick Rein

Die Meinungen über Zirkustiere gehen weit auseinander. Generell hat sich in den letzten Jahrzehnten die Haltung dem Zirkus gegenüber geändert – Raubtiere und Elefanten sind kaum noch zu finden. Dennoch hat diese Art der Unterhaltung eine lange Tradition und auch seine Daseinsberechtigung. Selbstverständlich müssen die Gesetze zum Schutz der Tiere eingehalten werden. Ob der Zirkus Renz hier tatsächlich gegen verstoßen hat, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Doch egal welche Einstellung vertreten wird – es geht jetzt um das menschliche Schicksal. Spandau sollte nicht Schuld am Ende des Zirkus Renz sein. Jeder ist aufgerufen, sich selbst ein Bild über die Zirkusfamilie zu machen und dafür zu sorgen, dass neben den Tieren auch die Kinder weiter versorgt werden können.

Die Lamas als auch alle anderen Zirkustiere blicken in eine ungewisse Zukunft.

Die Lamas als auch alle anderen Zirkustiere blicken in eine ungewisse Zukunft. Foto: Patrick Rein

Spandau in der Vorreiterrolle

Durch das Vorgehen des Veterinäramtes und dem daraus entstandenem öffentlichen Interesse, ist die Debatte über Zirkus und Tierhaltung neu entfacht. Das Bezirksamt Spandau hat im Rahmen der geltenden Gesetze gehandelt und wird es auch weiterhin so handhaben. Das ist richtig und gut im Sinne des Tierschutzes. Doch nachdem die strengen Augen des Ordnungsamtes ihre Bedenken relativiert haben, sollten die Spandauer Bürgerinnen und Bürger dem Zirkus Julius Renz mit ihrem Besuch auch eine Chance geben. Und wenn für jeden Künstler der Applaus die schönste Anerkennung ist, so macht dieser niemanden satt.

Eilmeldung: Zirkus Renz bittet um Entschuldigung

Auftrittsverbot bestand trotz anderslautender Meldung der Zirkusfamile weiterhin, Familie Renz bangt um Existenz

Am heutigen Nachmittag verschickte der Zirkus Julius Renz, welcher seine Zelte momentan auf dem Gelände an den Spandauer Arcaden aufgeschlagen hat, eine Meldung dass das vom Bezirksamt Spandau erteilte Auftrittsverbot ausgesetzt wurde. Pünktlich zum Veranstaltungsbeginn strömten jedoch nicht die Zuschauer sondern Ordnungsamt, Polizei und der zuständige Stadtrat Stephan Machulik (SPD) zum Veranstaltungsort. Der Grund: Das Verbot war, wie wir am Mittwoch ausführlich berichteten („Kein Zirkus an den Arcaden“), weiterhin in Kraft.

Statt Zuschauern stand das Ordnungsamt vorm Zirkus Renz.

Statt Zuschauern stand das Ordnungsamt vorm Zirkus Renz. Foto: Patrick Rein

Hitzige Diskussion

Es folgten sachliche als auch emotional geführte Gespräche zwischen Bezirksleitung, Ordnungshütern, Vermittlern und den um ihre Existenz fürchtenden Zirkusleuten. Gegenstand der Diskussion sind wie so oft Paragraphen, Gutachten und Bürokratie. Das Veterinäramt stellte bei seiner Untersuchung an den Zirkustieren Mängel fest, die bei einer zweiten unabhängigen tierärztlichen Untersuchung ausgeräumt wurden. Diese war vom Bezirksamt selbst in Auftrag gegeben. War aber nicht wie verbreitet von einem Amtstierarzt Berlin durchgeführt – denn diesen gibt es nicht. Dadurch behielt auch die Entziehung der Auftrittsgenehmigung ihre Gültigkeit.

Kompromiss gefunden

Stadtrat Stephan Machulik (SPD) und Familie Renz suchten Kompromiss.

Stadtrat Stephan Machulik (SPD) und Familie Renz suchten Kompromiss. Foto: Patrick Rein

Mittlerweile konnte die Zirkusleitung jedoch anfangs fehlende Impfpässe vorlegen und auch eine allgemeine Unterernährung der Tiere muss zurückgenommen werden. Stadtrat Stephan Machulik war daher gemeinsam mit der am Nervenzusammenbruch stehenden Familie Renz mehrere Stunden um einen Kompromiss bemüht. Dieser scheint jetzt gefunden und wir werden morgen früh ausführlich berichten, ob er auch offiziell zustande kommt. Generell bleibt festzuhalten, dass die Spandauer Behörden ausschließlich im Sinne des Tierschutzes gehandelt haben. Es bestanden zwar auch baurechtliche Beanstandungen bezüglich des großen Zeltes, die aber erklärt wurden.

Schutz der Tiere war die Prämisse, die Pferde dürften auftreten.

Schutz der Tiere war die Prämisse, die Pferde dürften auftreten. Foto: Patrick Rein

Renz braucht die Spandauer

Dadurch steht jedoch eine 16-köpfige Zirkusfamilie kurz vor dem Ruin. Es liegt an den Spandauern ihnen jetzt zu helfen, denn der Kompromiss sieht eine vorläufige Auftrittserlaubnis mit Pferden und Tauben vor. Der Schwerpunkt hingegen wird auf Akrobatik und der atemberaubenden Feuershow liegen. Wenn die Erlaubnis erteilt wird, würden sich die Zirkusleute über jeden Zuschauer freuen. Denn sie wollen keine Almosen sondern sich jeden Cent verdienen. Wie oben angekündigt werden wir morgen früh ausführlich über den Kompromiss als auch das Schicksal des Zirkus Renz berichten.

Kein Zirkus an den Spandau Arcaden

Aufgrund verschiedener Verstöße erteilt das Veterinäramt dem Zirkus Renz vorerst ein Auftrittsverbot

Noch bis zum 2o. Mai sollte am Brunsbüttler Damm auf dem Veranstaltungsgelände kurz vor den Spandau Arcaden der Zirkus Renz gastieren und mit seiner Akrobatik als auch Tiervorstellungen Groß und Klein unterhalten. Doch mit einem strikten Vorgehen hat die zuständige Behörde dem vorerst ein Ende gesetzt. Tierschutz-, Tierseuchen- und Bauordnungsrechtliche Mängel waren die genannten Gründe für die Untersagung.

Tierschutz im Grundgesetz verankert

Gerade tierschutzrechtliche Beanstandungen führten zur Unterlassung.

Gerade tierschutzrechtliche Beanstandungen führten zur Unterlassung.

Bezirksstadtrat Stephan Machulik, dem das Veterinäramt unterstellt ist, erklärte dazu: „Auch in Zukunft werden die in Spandau gastierenden Zirkusunternehmen mit einem Abbruch ihres Gastspiels rechnen müssen, wenn sich nicht alle ausgestellten und mitgeführten Tiere in einwandfreier Ausstellungskondition, d.h. gesund, in gutem Ernährungs- und Pflegezustand befinden und alle erforderlichen tierseuchen- und artenschutzrechtlichen Untersuchungen, Impfungen und Legalitätsnachweise vorgelegt werden können. Seit dem Jahr 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Das verpflichtet insbesondere die Veterinärbehörden zu einer konsequenten Umsetzung des Tierschutzrechts. Die Zitadellenstadt Spandau mit Ihren engagierten Veterinärmedizinerinnen geht hier mit gutem Beispiel zum Wohle der Tiere voran.“

Kein Spaß für den Zirkus

Zwangspause für den Zirkus Renz unweit der Arcaden.

Zwangspause für den Zirkus Renz unweit der Arcaden. Foto: Patrick Rein

Neun Jahre lang war der Zirkus Renz nicht mehr zu Gast in Berlin und freute sich, dass es durch eine frühe Anmeldung mit dem gut gelegenen und großzügigen Gelände an den Spandau Arcaden geklappt hatte. Umso größer dürfte jetzt die Enttäuschung der Zirkusleute sein. Steigende Kosten und sinkende Zuschauerzahlen sind zu einem großen Existenzproblem nicht für diesen Zirkus geworden. Dennoch sollten Einsparungen nicht zu Lasten der Tiere gehen.