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Beweidungsprojekt Margareten-Insel

GallowayRinderMargaretenInsel 13-08-05 (2)Seit Juli 2013 stehen auf der Margareten-Insel 10 Galloway-Rinder, die hier bis zum Herbst friedlich grasen dürfen. Zu ihrer Unterstützung gesellen sich noch in Kürze sechs junge Wasserbüffel und ca. 10 Gotlandschafe.

Durch neu angelegte Wegeverbindungen, die natürlich außerhalb der Einzäunung liegen, können interessierte Spaziergänger die Tiere gut beobachten.

Bereits seit dem Frühjahr 2011 wird auf den Tiefwerder Wiesen ein Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln durchgeführt. Dies wird durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz gefördert und fachlich angeleitet. In Zusammenarbeit mit dem Umwelt und Naturschutzamt Spandau sowie dem örtlichen Landschaftspflegeverband Spandau e.V. führt ein beauftragter Landwirt auf ca. 16 Hektar diese Beweidung durch. Fachlich wird das Projekt durch einen Gutachter begleitet, um die positiven Auswirkungen auf die Vegetationsstruktur und die an diesem Lebensraum gebundene Vogelwelt zu dokumentieren.

Rinder und Schafe auf dem Hahneberg

Zusammenarbeit mit Landwirt Querhammer wird weiter ausgebaut

Morgan und Carlsson haben ihre Mädels fest im Griff. Auch wenn die beiden sich stark unterscheiden.

Rinder auf dem Hahneberg

Die Rinder auf dem Hahneberg kürzen die Büsche und halten das Gelände frei.

Gallowaybulle Morgan bringt etwa 900 Kilo auf die Waage. Er ist Herr über sieben tragende junge Kühe, so genannte Färsen. Carlsson dagegen, ein Gotlandschafbock wiegt vielleicht 70 Kilo. Seine Herde besteht aus vier Mutterschafen und drei Lämmern. Zusammen beweiden sie seit Samstag eine 10 Hektar große Fläche auf dem Hahneberg.

Wie schon in Tiefwerder handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen dem Landwirt Helmut Querhammer aus Potsdam, sowie dem bezirklichen Umwelt- und Naturschutzamt und dem Landschaftspflegeverband Spandau als Projektträger. Die Schafe kommen von einem mit Querhammer befreundeten Schafzüchter. Björn Hagge aus Schleswig Holstein will im nächsten Jahr in die Gegend um Spandau ziehen, zuhause hält er 65 der robusten Gotlandschafe.

Mahd drei Mal so teuer

Gotlandschafe

Acht Gotlandschafe helfen bei der Beweidung.

Auch hier sollen die Tiere das Gelände vor der Verbuschung bewahren und die Artenvielfalt durch Freihaltung der Fläche sichern. Eine Mahd wäre für den Bezirk deutlich teurer. Es entstünden etwa zwei- bis dreimal so hohe Kosten. Vor allem, da auf dem Hahneberg durch die vielen Hügel eine übliche Mahd  mit dem Traktor gar nicht möglich wäre.Wie die anderen Tiere von Querhammer werden auch diese Ende November von den Weiden nach Hause geholt. Die Schafe sollen zukünftig  auch die Weidefläche direkt an der Heerstraße beweiden. „Wir testen jetzt erst einmal, wie die Anwohner reagieren“, erklärt Landwirt Querhammer. Die Galloways, vor allem der große Bulle, trügen dazu bei, dass nicht jeder gleich über den Zaun springen wolle. „So schützen die Rinder sozusagen die Schafherde.“ Ein bisschen Angst hat er vor möglichem Vandalismus. Schon jetzt sind einige Isolatoren, an denen der Stromzaun befestigt ist, verbogen. Ein befreundeter Anwohner wird deshalb regelmäßig nach den Tieren sehen. Querhammer selbst ist jede Woche im Bezirk unterwegs.

Kalb schlief nur

Im Gegensatz zu den Wiesen in Tiefwerder handelt es sich auf dem Hahneberg um sandigen und teilweise lehmigen Boden.

Bulle Morgan

Bulle Morgan bringt 900 Kilo auf die Waage.

„Die Tiere finden hier viel mehr wohlschmeckende Süßgräser als auf den anderen Wiesen“, erklärt Querhammer. Auch der Artenreichtum sei höher. Wie die Rinder das zuwachsen der Fläche verhindern, ist bereits kurz nach dem Auftrieb zu sehen: Schon nach zwei Stunden sind die Spitzen der Robinien großflächig abgeknabbert.

Da er bis jetzt fast nur positive Erfahrungen mit der Beweidung in Spandau gemacht hat, kann Querhammer sich auch vorstellen noch weitere Flächen mit seinen Tieren zu kürzen. Obwohl er feststellen musste, dass viele Leute nur wenig Ahnung von Tieren haben. Von der Geburt eines Kalbes in den Tiefwerder Wiesen erfuhr er zum Beispiel durch das Veterinäramt. Ein Spaziergänger hielt es für tot und rief die Polizei , diese verständigte das Amt.  „Das Kalb hat einfach nur geschlafen“, sagt Querhammer und schmunzelt.

Kirsten Stamer

Neue Rinder in Tiefwerder

Landwirt Querhammer bewirtschaftet eine weitere Fläche

Spandau  hat acht neue Bewohner: Sie sind nahezu weiß, ihr Fell ist flauschig und die Augen groß und schwarz.

Galloways in Tiefwerder

Ach, hier gibt es auch Gras? Die Tiere beruhigen sich nach dem Transport schnell.

Galloways der Farbe Dun weiden seit Samstag auf der Wiese am Anfang der Dorfstraße in Tiefwerder. Helmut Querhammer, Landwirt aus der Döberitzer Heide nutzt nun neben den Tiefwerder Wiesen auch diese Weide.

Vier Kühe, drei Kälber und ein Ochse sollen nun die zwei Hektar kleine Fläche beweiden und auch hier den Bewuchs mit Büschen und Akazien verhindern. Nachdem das Projekt mit Wasserbüffeln auf den Tiefwerder Wiesen im letzten Jahr schon ein großer Erfolg war – die Anwohner sprächen mittlerweile von „ihren“ Wasserbüffeln, so Querhammer – soll es auch auf weiteren Flächen umgesetzt werden.

Bezirksamts spart mit Beweidung die Mahd

Dem Bezirksamt kann es nur Recht sein. „Wir haben mit der Mahd der Flächen zwei bis drei Mal so hohe Kosten wie durch die Beweidung“, erklärt Henning Molz vom Umwelt- und Naturschutzamt. Jedes Mal müsste mit Naturschützern die richtige Zeit für eine Mahd gefunden werden (Vögel sollen geschützt, unerwünschte Pflanzen noch vor der Blüte gemäht werden) und das Wetter spiele ja auch nicht immer mit.

Die Wasserbüffel auf den Tiefwerder Wiesen

Die Wasserbüffel auf den Tiefwerder Wiesen sind mittlerweile akzeptierte Spandauer.

Dann ist es zu nass, dann müssen sie alle Ballen per Hand runterholen, regnet es schon vorher, können sie das Heu ohnehin vergessen“, erklärt er das Problem. Da sei es mit den Rindern deutlich einfacher. Die Arbeit sei durch die künftigen Personaleinsparungen im Bezirksamt vielleicht bald auch gar nicht mehr zu leisten, erklärt Molz. „62 Mitarbeiter sollen in den nächsten ein bis zwei Jahren eingespart werden.“

Tiere gut in Spandau angenommen

Im Zwischenbericht im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Beweidung mit Wasserbüffeln auf den Tiefwerder Wiesen heißt es: „Da die Tiere sich auch gerne in den Gehölzen aufhalten und diese abfressen, waren diese Bereiche bereits nach einer Weidesaison deutlich aufgelichtet und zurückgedrängt worden. So wurden Äste, aber auch armdicke Stämme von den Tieren zu Boden gedrückt. Teilweise wurde auch die Rinde von Weiden geschält. Auch Strauch-Weidenaustrieb am Boden wurde aufgenommen. Dies ist aus Gründen der Offenhaltung der Wiesen und der Sichtbeziehungen ein sehr willkommener Effekt.“ Insgesamt sei die Beweidung als sehr positiv zu beurteilen.

Abladen der Galloways

Nur schnell runter vom Transporter!

Auch Probleme durch Vandalismus ergaben sich nicht.

Das hatte auch Helmut Querhammer anfangs befürchtet. „Man stellt ja nicht jeden Tag Rinder mitten in die Stadt“, erklärt er. Auch er freut sich, dass sich seine Tiere so gut in Spandau eingebürgert haben. Im Winter werden sie auf den Brandenburgischen Hof zurückgeholt. Dann stehen Untersuchungen durch den Tierarzt an. Außerdem kann auf dem heimischen Hof besser zugefüttert werden. Dies sei auf den Tiefwerder Wiesen ohnehin problematisch, da dort nach Möglichkeit keine fremden Gräser eingeschleppt werden sollten.  In der Döberitzer Heide hält Querhammer insgesamt 130 Galloways, zusammen mit denen in Spandau besitzt er 13 Wasserbüffel. Die Galloways werden für die Direktvermarktung am Hof gezüchtet. Eine Kuh und ein Kalb sollen in den nächsten Wochen noch nach Spandau kommen. Querhammer wollte die Kuh nicht auf der Weide kalben lassen. Um die Tiere mitten in Spandau  hat er jedoch keine Angst, denn selbst wenn sich einmal jemand auf die Wiese trauen sollte, lassen die Tiere keinen Fremden an sich heran.

Anders könnte das allerdings bei Gnut sein, der kleine Ochse wurde von Querhammers mit der Flasche aufgezogen, nachdem die Mutter das Zwillingskalb nicht annahm.

Flaschenkind Gnut

Flaschenkind Gnut lässt sich bereitwillig anfassen. Fotos(4): Kirsten Stamer

Gnut sah bei seiner Geburt aus wie ein Eisbär, musste aber mit G anfangen, also wurde statt K ein G vorn angestellt. „Den kann ich gut streicheln“, sagt Querhammer. Gnut lässt sich davon aber nicht vom grünen Tiefwerder Gras abhalten.

Kirsten Stamer

Sanfte Riesen in Tiefwerder

Wasserbüffel als Rasenmäher im Landschaftsschutzgebiet

Wasserbüffel in Tiefwerder

„Asiens Rinder weiden nicht mehr nur an Chinas Reisterrassen“ beginnt die rbb Abendschau ihren Bericht über die neuen Bewohner der Tiefwerder Wiesen in Spandau.

Um 12.32 Uhr betrat der Leitbulle vorsichtig sein neues 14 Hektar großes Reich. Erst langsam, dann sehr schnell folgten die anderen 6 Tiere. Kurz zuvor hatten Carsten Röding (Baustadtrat), in Vertretung für das Bezirksamt Spandau, Henning Molz für die Untere Naturschutzbehörde und Hans Joachim Ernst vom Landschaftspflegeverband Spandau den Vertrag über die Pflege der Wiesenflächen durch die Wasserbüffel im Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen unterschrieben.

Doch beginnen wir am Anfang. Die Tiefwerder Wiesen sind ein Landschaftsschutzgebiet zwischen Heerstraße und Havelchaussee in der Spandauer Wilhelmstadt. Zehntausende Autofahrer fahren tagtäglich an den Schönheiten dieser Landschaft vorbei. Einzig die 30er-Zone an der Freybrücke nahe dabei wird als Hemmschuh empfunden, weil hier auf die Bremse getreten werden muss. Bald soll diese Brücke durch einen Neubau ersetzt werden.


Vor sehr langer Zeit war hier einmal eine Auenlandschaft. Übrig geblieben ist eine weitläufige feuchte Wiesenlandschaft, die von schmalen Wasserarmen durchzogen ist. Klein-Venedig, eine seit über 70 Jahren existierende Kleingartenkolonie besiedelt die Ufer der Havel-Altarme.

Carsten Röding, Henning Molz und Hans-Joachim Ernst unterschreiben den Landschaftspflegevertrag.

Carsten Röding, Henning Molz und Hans-Joachim Ernst unterschreiben den Landschaftspflegevertrag.

Seit einigen Jahren führt ein Bohlensteg Spaziergänger und Radfahrer trockenen Fußes durch das Wiesenareal. In diesem werden sich nun, gesichert durch einen 10.000 Euro teuren Elektrozaun sieben Wasserbüffel als biologische Rasenmäher betätigen. „Vorsicht freilaufender Bulle – Lebensgefahr“ steht auf kleinen Warnschildern am Zaun.

„Hilfe, die Büffel kommen! Sie kommen aus Asien, suhlen sich gerne ausgiebig in Wasserlöchern und röhren ganz furchterregend: asiatische Wasserbüffel.“ Schreibt der Berliner Kurier und schürt damit völlig ungerechtfertigt Angst vor den sanften Riesen. Bis zu einer Tonne schwer können Wildtiere werden, die domestizierten bringen es gerade einmal auf 500 Kilogramm.

Weil sie bessere Futterverwerter sind, als normale Rinder und gut mit der feuchten Umgebung umgehen können, sind sie die idealen Vierbeiner, um die Wiesenflächen kurz zu halten und durch den Verbiss wuchernder Weiden eine offene Graslandschaft zu schaffen, in der – hoffentlich – bald viele Bodenbrüter und Kleinsäuger ihr Zuhause finden.

Viele Jahre Überlegungen, Planungen und Gespräche waren notwendig, um in den Tiefwerder Wiesen asiatische Wasserbüffel anzusiedeln. Nach drei Jahren werden die Rinder dann als wohlschmeckendes Biofleisch enden. Cholesterin- und fettarm dürfte es ein begehrtes Produkt sein, so wie es auch anderswo in Brandenburg verzehrt wird.

Ein Hundebesitzer mit zwei nicht angeleinten Hunden möchte, dass diese fremden Tiere möglichst schnell verschwinden: „Am besten abschießen – alle …“.

Carsten Röding teilt diese Ansicht nicht: „Positiven Zuzug haben wir immer gerne in Spandau“, argumentiert er gegenüber der Abendschau.

Die Meinungen sind geteilt. Viele Spaziergänger reagieren erfreut über die Neuankömmlinge von einen Biolandbetrieb in Fahrland, die über den Winter abgeholt werden. Dann sind auch die Tore des Zauns offen, um Anwohnern weiterhin das Schlittschuhlaufen auf den Wasserflächen zu ermöglichen. Im Sommer haben die Vierbeiner hier das Hausrecht …

Etwas anders sieht dies Helmuth Klatt von der Interessenvertretung der Freunde Klein-Venedigs. Seine Erfahrungen mit dem Bezirksamt waren nicht so positiv: Vor Jahren verließen viele Pächter auf Druck des Bezirksamtes ihre Gärten. Ein Gericht nannte dieses Vorgehen später verfassungswidrig. Millionen wurden im wahrsten Sinne des Wortes „versenkt“ um eine Insel zu schaffen, die kurz danach versunken ist. Nur ein Schild „Betreten verboten“ zeugt noch von diesem gescheiterten Versuch. Die Bewohner haben also kein Vertrauen in die Ansiedlungsmaßnahmen, auch wenn nicht alle von ihnen die neuen Nachbarn ablehnen. Sie fühlen sich ausgegrenzt.

Ein anderer Grund ist die bange Vorstellung von Heerscharen von Besuchern, die hier ihren Müll hinterlassen. Schon jetzt beseitigen die Anwohner in kleineren Aktionen immer wieder die Hinterlassenschaften der Besucher.

Ralf Salecker