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Sexismus in aller Munde

Aufgebauscht oder bittere Realtität?

Sexismus, ein trauriges Thema auch in Spandau? (Illu: Ralf Salecker)

Sexismus, ein trauriges Thema auch in Spandau? (Illu: Ralf Salecker)

Als in Indien eine junge Frau auf brutalste Art und Weise zu Tode vergewaltigt wurde, schien die ganze Welt betroffen. Eine ganze Gesellschaft stand und steht immer noch am Pranger, weil sie augenscheinlich ein völlig absurdes Frauenbild pflegt. Wir sind geschockt, weil hier eine Illusion zu bröckeln beginnt. Indien bedeutet nicht nur heilige weise Männer. Das Land, in dem der Buddhismus seinen Ursprung hat, zeigt seine dunkle Seite – aber es reagiert auch …

Wir schauen angewidert dort hin, als ob wir besser sind. Sex sells, Sex an Crime …, alle scheinen danach zu gieren. Sex ist toll, aber Sex ist auch eine Ware. Ist es da verwunderlich, wenn einige ein seltsames Menschenbild entwickeln? Wenn einmal wieder ein junger Irrer ein paar Menschen umgebracht hat, wird schnell die Frage nach dem bösen Einfluss von Computerspielen gestellt. Warum stellt sich eine vergleichbare Frage nicht bei sexuellen Übergriffen? Ein Moment des Nachdenkens darüber kann also nicht schaden.

Sex und Macht

Der Fall Brüderle hat eine Diskussion angefacht, die schon längst über den verbalen Übergriff des FDP-Politikers hinausgewachsen ist. Wenn ein alter Mann – „Popo-Grapscher“, wie er von einigen Journalistinnen bezeichnet wird – im Überschwank von Alkohol und eingebildetem Machtgehabe anzügliche Bemerkungen macht, dann ist es für die einen „ein kleines harmloses Späßchen“ und für die anderen „ein bewusster Übergriff“.

Die Deutungshoheit darüber, wann jemand sich angegriffen oder verletzt fühlen darf, sollte doch im Regelfall bei den Betroffenen liegen. Bezeichnend für die Situation ist der Schulterschluss der hohen Herrschaften dieser kleinen Partei, als es besser gewesen wäre, ein wenig Einsicht zu zeigen. Nur eine Frau aus der FDP hat diesen sexistischen Übergriff auch als solchen bezeichnet. Nicht verwunderlich in diesem Zusammenhang ist der Vorwurf, es wäre eine bewusste Schmutzkampagne. Eine typische Art der Reaktion, man bewirft diejenigen mit Dreck, die es wagen, unrechte Dinge beim Namen zu nennen.

Die Diskussion wird auch dadurch nicht besser, wenn einige meinen, man/frau müsse nur angemessen und selbstbewusst reagieren. Da kann die „kleine Angestellte“ nur müde drüber lachen, wenn der Chef mal wieder aufdringlich wird – nicht jede kann in jeder Situation beherzt kontern.

Sex und Ohnmacht

Barmherzigkeit und Kirche werden gerne synonym benutzt. Katholische Krankenhäuser in Köln sahen das anscheinend anders. Einem Vergewaltigungsopfer wurde an zwei Kliniken die Erste Hilfe verweigert, nur weil eine vergewaltigte Frau möglicherweise die „Pille danach“, als Mittel des Schwangerschaftsabbruchs wünschen könnte.

Aufschrei

In der überwältigenden Reaktion auf den Twitter unter dem Zeichen #aufschrei zeigt sich offensichtlich, dass hier kein banales „Problemchen“ vorliegt. Zehntausende z.T. erschreckende Beiträge zeigen, dass sich auch in unserem Lande ein paar Dinge ändern müssen.

Wer meint, all dies wären nur seltene Ausnahmen oder hysterisch überzogene Reaktionen, der sollte einfach mal in seinem engen Umfeld herumfragen. Erschreckende Antworten wird es da geben. Anzügliche Bemerkungen, ein Klatsch auf den Hintern sind da eher die „harmlosen“ Geschichten. Wenn ich aber hören muss, dass nachts selbst ein Taxifahrer zudringlich wurde, dann wird mir schlecht …

Nein, niemand will eine Moral-Polizei! Wer so etwas behauptet, hat wohl etwas kurz gedacht. Es sind viele Situationen denkbar, in denen harmlose bis deftige Anzüglichkeiten dazu gehören – wenn sie auf Augenhöhe geschehen.

 

Ralf Salecker

Gatower Rieselfelder: Auf einmal haben sich alle lieb

Das versprochene Gutachten fehlt weiterhin

Es geht um die Spandauer Rieselfelder (Foto: Ralf Salecker)

Es geht um die Spandauer Rieselfelder (Foto: Ralf Salecker)

Die Erwartungen waren groß, als in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Bürgersaal Vertreter aus Spandauer Politik, den Berliner Wasserbetrieben, den Berliner Stadtgütern und ein Gutachter Platz nahmen. Wer klare Antworten über die exakte Schadstoffverteilung und die zukünftige Nutzung erwartet hatte, wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Es gab keine Gefährdungsanalysen nur die vage Aussage: „Alle Systeme funktionieren innerhalb normaler Parameter“.

Auf gut Deutsch, im Mittel ist alles recht unbedenklich. Eine Aussage, die auf heftige Kritik im Publikum stieß. Diese Aussage ist vor allem deswegen interessant, weil der BWB-Sprecher Natz laut Berliner Morgenpost vom 6.1.2013 gesagt haben soll: „Es gibt Flächen, da können Sie vom Boden essen, und es gibt Flächen, die so belastet sind, dass dort nichts angebaut werden kann“. Ohne intensive Betrachtung, der bisher erfolgten Analysen, ist auch die Formulierung eines zukünftigen Nutzungskonzeptes nicht möglich. Ein Abschluss des Gutachtens sei im Herbst dieses Jahres zu erwarten. Wir werden sehen.

Rücksturz in die Vergangenheit

Frau Lemm, die Vertreterin der Berliner Wasserbetriebe begann ihren Vortrag mit einer ausführlichen Schilderung der Vergangenheit der Spandauer Rieselfelder. Von vormals sehr kleinteiligen Flächen, haben sich diese zu größeren Einheiten entwickelt. Die früher erfolgten Untersuchungen seien mit den heutigen kaum vergleichbar, da diese auf jeweils unterschiedlichen Gesetzesgrundlagen beruhten. Heute müssten z. B. über 90 Parameter bestimmt werden.

Der Gutachter deutete an, dass gerade einmal die Schwermetalle sich als „erhöhte Werte“ darstellen würden, alle anderen Analysen hätten Ergebnisse deutlich unterhalb der Grenzwerte ergeben. Daraus könne man den vorläufigen Schluss ziehen, dass eine Änderung der bisherigen Nutzung wegen vermuteter zu hoher Schadstoffbelastung nicht zu erwarten sei. Ein Analyse, die im Publikum als verkaufsfördernde Maßnahme verstanden wurde.

Aus dem Publikum wurde besonders die Mittelwertbildung und Art der Probenahme bemängelt, da zu wenig die schwer belasteten Randbereiche der Rieselfeldtafeln beprobt wurden. Die Antwort des Gutachters, die Art der früheren Rieselfeldnutzung hätte im Laufe der Jahrzehnte zu einer intensiven gleichmäßigen Durchmischung des Bodens geführt, so dass keine großen Schwankungen der Messwerte zu erwarten waren, scheint nachvollziehbar.

Wer erhält nun die Rieselfelder?

Herr Hecktor von den Berliner Stadtgütern äußerte sich sehr vorsichtig zu einem möglichen Kauf. Wenn der Preis und die Randbedingungen stimmen, wäre dies möglich. Ähnliches äußerten auch die BWB. Sie wollen das Gelände, welches drei Prozent der Fläche Spandaus ausmacht, natürlich nicht verschenken, sondern einen Ertrag damit erwirtschaften. Vom Gastronomen Josef Laggner gibt es nur vage Aussagen. Er hätte Interesse am ehemaligen Betriebshof, auf dem sich noch ein paar Betriebswohnungen existieren, für den es anscheinend aber keinen Bebauungsplan gibt. Hier wäre demnach die Errichtung von Gebäuden derzeit nicht möglich.

Während in der Vergangenheit die Informationspolitik der BWB als höchst problematisch empfunden wurde, äußerten sich Vertreter der Interessengruppen, die sich für die Bewahrung der Rieselfelder einsetzen, betont erfreut zu den aktuellen Umständen. Der Bezirk wird nach und nach Informationen zu den Rieselfeldern auch online zu veröffentlichen, um für eine ausreichende Transparenz zu sorgen.

 

Ralf Salecker