Viel nackte Haut auf dem 4. Usedom-Tag in Spandau

Vom Nacktbaden bis zum Zwickelerlass

Der Marktplatz ist gut besucht, an den Biertischen ist kaum noch ein Platz zu haben. Auf der Bühne gibt der Shantychor Karlshagen ein Ständchen.

In der Badetrikotage

In der Badetrikotage mit Spitzenhäubchen war die Frau noch sehr bedeckt.

Zum 4. Usedom-Tag auf dem Spandauer Marktplatz hat die Usedomer Tourismus Gesellschaft (UTG) gemeinsam mit Partner für Spandau geladen.

Der Berliner Shantychor, befreundet mit jenem aus Karlshagen, tritt passenderweise zeitgleich auf Usedom auf. Für weitere Unterhaltung sorgt eine Bademodenschau, die die Besucher durch die verschiedenen Jahrzehnte der Bademoden führt. Der „Badearzt“ Professor Doktor Vogel führt durch die verschiedenen Epochen. „Den ersten Teil haben wir weggelassen“, beruhigt er, „das sehen sie ja doch jeden Tag im Spiegel“. So gibt es leider keine Präsentation des Nacktbadens. Er erklärt seinen Zuhörern, dass 1792 ein Professor Lichtenberg herausfand, dass das Baden und der Strand gesundheitsförderlich seien und aus diesem Grund 1793 das Seebad in Heiligendamm eröffnet wurde.

Die Geschichte der Bademode

Der Geheimrat mit seiner Gattin.

Der Geheimrat mit seiner Gattin.

Die Models zeigen einen Schnelldurchlauf von den frühen Leibchen mit langer Unterhose, die jedoch die „Erregung“ des Klerus erweckten, über die dunklen Badesäcke bis zu Bademode mit Spitze und Hut und den modernen, 1946 erfundenen Bikinis. Zeitweise müssen sie dabei viel nackte Haut bei 15 Grad Außentemperatur zeigen. Leider wurde auf die standesgemäße Fußbekleidung verzichtet, die Models tragen Flip-Flops zu Leinenleibchen. Bereits 1920 gab es figurbetonte Bademode, was jedoch 1932 in dem Zwickelerlass, der den Schnitt der Bademode vorschrieb, wieder eingeschränkt wurde. Noch heute gilt der Erlass als Beispiel für das unsinnige Eingreifen des Staates in persönliche Angelegenheiten.

Für besondere Unterhaltung sorgt auch der Herr Geheimrat mit seiner Gattin in historischem Outfit, sowie der Herr Wachtmeister, der den Partner für Spandau Chef Sven-Uwe Dettmann als Leiter der Veranstaltung für die „Fleischbeschau“ und „Unzucht“ rügt.

Eigene Prinzessin dabei

Die Bernsteinbäder haben ihre Prinzessin mitgebracht.

Die Bernsteinbäder haben ihre Prinzessin mitgebracht. Fotos: Kirsten Stamer

Auf die Modenschau folgt die erste Ziehung der Tombola. Den Hauptpreis, einen Reisegutschein für das Hotel Nordkap am Ostseebad Karlshagen gewinnt Dieter Weberbauer.

Ansonsten können sich die Besucher des 4. Usedom-Tages über die Ostseeinsel informieren und Ostsee-Spezialitäten genießen. Viele Stände bieten Informationen über ihren Ort oder ihr Seebad. Die Usedomer Bernsteinbäder haben sogar ihre Bernsteinprinzessin mitgebracht. Mandy Schmurr wurde im April gekürt und darf jetzt ihre Region auf Messen oder eben dem Usedom-Tag repräsentieren. In ihrem Prizessinnenkleid steht sie den ganzen Tag am Stand und beantwortet geduldig Frage um Frage. Ob denn das Kleid einigermaßen bequem ist? „Naja, Mutti hat das Kleid heute nicht so eng geschnürt wie sonst – das geht schon“.

Kirsten Stamer


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