Vom einfachen Drahtesel zum Pedelec


Schädigen elektrische Fahrräder Klima und Gesundheit?

Veranstalterteam: Spandauer Radspeiche, ADFC Spandau, Grüne Perspektive Spandau

Veranstalterteam: Spandauer Radspeiche, ADFC Spandau, Grüne Perspektive Spandau

Nicht nur Spandaus Autofahrer werden in der letzten Zeit ein paar graue Haare mehr bekommen haben. Jedes Mal, wenn sie eine Tankstelle ansteuern müssen, gibt es einen tiefen Griff in die Geldbörse. Erleichtert lassen sie dann den Ort des Grauens hinter sich zurück. Pedalritter fahren dagegen, wenn das Wetter es zulässt oder wenn sie hart im Nehmen sind, mit einem entspannten Lächeln an den Zapfsäulen vorbei.

Der Verein Spandauer Radspeiche, der ADFC Spandau und die Grüne Perspektive Spandau hatten zu einer Informationsveranstaltung in das Jugendhaus der Jugendakademie im Evangelischen Johannesstift Spandau geladen. Gesundheits- und Umweltaspekte von regulärem Fahrrad und Elektrofahrrad – neudeutsch E-Bike oder Pedelec – wurden dabei beleuchtet.

Gesundheitsaspekt

Nur noch eingefleischte Autofahrer werden sich den positiven Folgen für die Gesundheit verschließen wollen. Schließlich bietet die Fahrt im Regelfall eine stressfreie Möglichkeit der Fortbewegung. Weit mehr als die Hälfte aller Fahrten liegen unter 6 km. Bei solchen Entfernungen ist man – einschließlich Parkplatzsuche – praktisch immer gemütlicher UND schneller am Ziel als der Autofahrer.

Wer regelmäßig in die Pedale tritt wird mit einem gesünderen Herz-Kreiskaufsystem belohnt. Ähnlich, wie beim Schwimmen, werden sehr viele unterschiedliche Muskelgruppen beansprucht. Bei normaler Anstrengung erschöpft sich der Trainingseffekt recht schnell, eine merkbare Leistungssteigerung ist dann kaum zu erwarten. Das macht aber nichts, wenn insgesamt das Wohlbefinden gesteigert wird.

E-Bike oder Pedelec, eine kurze Erklärung

Elektrisch betriebene Fahrräder sind ein boomender Markt. 2010 wurden rund 120.000 Stück verkauft, das macht einen Anteil von 5 % des Fahrradmarktes. Zwei grundverschiedene Systeme sind zu unterscheiden. Ganz vereinfacht beschleunigen Pedelecs durch kräftiges Treten in die Pedale, während E-Bikes, wie Mofas und Motorräder über einen Hand betriebenen Gaszug loslegen. Pedelecs erfordern also eine eigene Tret-Leistung. Sie dienen eher der Fahrunterstützung. Wer nicht strampelt, kommt auch nicht voran.

Sind Elektrofahrräder Engel oder Teufel?

Ganz spontan werden viele meinen, na klar sind sie gut, ebenso wie Elektroautos (siehe: Elektromobiles Berlin, ist das die Hauptstadt der Zukunft?), schließlich wird hier kein Kraftstoff verbrannt, der das Klima beeinflusst. Ganz so einfach ist die Situation nicht, weil in der Bewertung der jeweilige Beobachtungsstandpunkt mit einfließt. Steigt ein Autofahrer auf den elektrischen Drahtesel um, ist die Ökobilanz eindeutig, schließlich wird nun weniger an Ressourcen verbraucht. Steigt aber ein Radfahrer um, sieht die Bilanz naturgemäß ganz anders aus.

So lange die Akkus meist in Asien unter hohem Einsatz klimaschädlicher „Kohle“ produziert werden, nützt später auch eine Betankung mit regenerativ gewonnenem Strom nur wenig.

Wer steigt vor allem auf elektrische Räder um. Meist sind es ältere Menschen, denen die zusätzliche elektrische Unterstützung sehr willkommen ist. Zum Gesundheitsproblem können diese Räder aus zwei Gründen werden. Da im Alter ungenutzte Muskeln sich stark zurück bilden, ist gerade dann regelmäßige Bewegung ein Muss. Selbst die kleinsten Pedelecs können es auf 25 Stundenkilometer bringen. Für einen Autofahrer ist das nicht viel. Untrainiert und infolge der altersgemäßen verringerten Reaktionsfähigkeit kann es schnell zu einem – nicht nur für den Fahrer – folgenschweren Unfall kommen.

Wie so oft sind Dinge selten gut oder schlecht. Jeder muss selbst alle Fakten gegeneinander abwägen.

 

Ralf Salecker


Zu finden unter: Freizeit & SportNews

Tags:

Artikel drucken Artikel drucken

Über den Autor:

RSSKommentare(0)

Trackback URL

Feedback

You must be logged in to post a comment.

Jetzt Neu: Kleinanzeigen in Berlin und Spandau