Wenn Verbraucher und Erzeuger in einem Boot sitzen

Solidarische Landwirtschaft auf dem Vierfelderhof in Spandau

Christian Heymann, Landwirt des Vierfelderhofs (Foto: Ralf Salecker)

Christian Heymann, Landwirt des Vierfelderhofs (Foto: Ralf Salecker)

Öko und Bio sind in aller Munde. Oft handelt es sich bei den Produkten in den Supermärkten mehr oder weniger um Etikettenschwindel. Nicht immer ist das drin, was drauf zu stehen scheint. Viele Menschen suchen nach einer glaubwürdigen und nachhaltigen Alternative.

Können Sie sich vorstellen, Verantwortung für einen Bauernhof zu übernehmen? Nicht alleine natürlich! Solidarische Landwirtschaft ist das Zauberwort. Bei klassischen Lebensmittelkooperativen erwerben sie ökologisch produzierte Lebensmittel und bezahlen sie nach Motto „Ware gegen Geld“. In der Solidarischen Landwirtschaft sichern sie die Existenz eines Bauern, egal, wie viel Lebensmittel er produziert.

Wie funktioniert es?

Der Sommer war bisher recht feucht gewesen. Nicht nur Urlauber sind darüber wenig erfreut. In der Landwirtschaft sorgt das Wetter für erhebliche Ernteausfälle. Manch ein Bauer kommt so in existentielle Probleme. Das Ausfallrisiko trägt er allein, wenn nicht gerade Vater Staat ab und an mit finanziellen Hilfen einspringt, um die Not wenigstens etwas zu mildern. Ähnlich problematisch für den Erzeuger sind sinkende Weltmarktpreise. Auf sie hat er ebenso wenig Einfluss, wie auf das Wetter.

In der Solidarischen Landwirtschaft, wie sie bald auch auf dem Vierfelderhof in Spandau praktiziert wird, schließt sich eine Anzahl von Menschen zusammen, um Anteile der Produktion eines landwirtschaftlichen Betriebs im Voraus zu erwerben. Das Ausfallrisiko trägt nun die Gemüse-Versorger-Gemeinschaft gemeinsam. Alle Kosten, die anfallen, fließen in die Preiskalkulation ein. Daraus wird der Geldbetrag bestimmt, der monatlich gezahlt werden muss. Im Regelfall ist der resultierende Preis geringer, als beim Einkauf im Biomarkt. Einmal in der Woche gibt es dann eine Lieferung vom Bauernhof, die die Gruppe unter sich aufteilt.

Die Idee entstand vor einigen Jahrzehnten unabhängig voneinander in Japan und Europa. In die Vereinigten Staaten mitgenommen und dann wieder nach Europa geholt, verbreitet sie sich nun in Deutschland.

Gemüse-Versorger-Gemeinschaft auch in Spandau

Gesund und ökologisch essen und vor allem wissen, wo es herkommt, ist auf dem Vierfelderhof in Gatow keine Zukunftsmusik mehr. Beim Saatgut fängt es schon an. Samenfeste Sorten machen das möglich, was früher einmal selbstverständlich war, nämlich das Saatgut für die nächste Saison selbst aus den eigenen Produkten zu gewinnen. Hier sorgen keine Euro-Normen für die Vernichtung von Lebensmitteln, weil diese in Form, Größe und Winkel nicht den festgelegten Standards entsprechen.

Wussten sie, dass 50 Prozent aller Küken ganz legal – aus wirtschaftlichen Gründen – am ersten Lebenstag getötet werden dürfen? Ihr Fehler ist es, männlich zu sein und keine Eier legen zu können. So etwas wird es im ökologischen Betrieb in Gatow nicht geben. Hier landen zwar die Hähne irgendwann auch im Topf, haben vorher aber ein angenehmes Leben auf der Wiese genießen können.

Charlottenburg ist den Spandauern ein wenig voraus. Dort hat es schon eine Info-Veranstaltung zur Gründung einer Gemüse-Versorger-Gemeinschaft gegeben. Spandauer können dies am 9.8.2012 (18 bis 20 Uhr) in der Freien Waldorfschule Havelhöhe (Neukladower Allee 1) nachholen.

 

Vierfelderhof gGmbH

  • Straße 264 Nr.33
  • 14089 Berlin-Spandau
  • Öffnungszeiten: Mi-So 10 – 18 Uhr
  • www.vierfelderhof.de

 

Ralf Salecker


Zu finden unter: News

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