Wie krank machen Spandaus Wohnungen?

Bürgerinnen und Bürger verlangen umfangreiche Informationen der Wohnungsbaugesellschaften über krankheitserregendes Baumaterial.

Am Montag hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz Experten und interessierte Spandauerinnen und Spandauer zur Diskussion über Asbest in Bodenbelägen geladen. Zwar folgte kein Vertreter der einzelnen Wohnungsbaugesellschaften der Einladung, dafür nahm der Rechtsanwalt Sven Leistikow – welcher im Januar ein Urteil bezüglich Schadensersatzforderungen auch bei einer späteren Erkrankung in Folge von Asbest vor dem Landgericht erringen konnte – an der Veranstaltung teil.

Die Diskussion über Asbest fand hohen Zuspruch im Gemeindesaal der Zufluchtskirche in der Westerwaldstraße.

Die Diskussion über Asbest fand hohen Zuspruch im Gemeindesaal der Zufluchtskirche in der Westerwaldstraße.

Eine Faser reicht

Noch während der dreijährigen Verhandlung ging der Anwalt von einem Einzelfall aus, doch die Flex-Platten wurden jahrzehntelang flächendeckend verwendet. Ein darin enthaltener Asbestbaustoff wurde erst 1993 verboten. Brechen diese Platten oder werden beschädigt – und Experten sagen, dass jede Platte irgendwann bricht – reicht schon eine Faser aus um zu einer schwerwiegenden Erkrankung zu führen, welche jedoch erst Jahre später auftreten kann. Durch das Urteil besteht jetzt in einem solchen Fall ein Rechtsanspruch zum Schadensersatz. Wie viele Wohnungen in Spandau betroffen sind, ist weiterhin offen.

Wohnungsbaugesellschaften reagieren

Mittlerweile haben sich auch die ersten größeren Wohnungsbaugesellschaften dem Problem angenommen. Die Mieter der Gewobag haben bereits entsprechende Informationen erhalten, die GSW teilte uns mit, dass auch sie in der kommenden Woche einen Informationsbrief an alle Mietparteien verteilen lässt. Ein Austausch der Platten wird jedoch nur bei Beschädigung vorgenommen, da Unbeschädigte keine Gesundheitsgefährdung darstellen würden. Von der GSW werden in Spandau über 12.000 Wohnungen betreut.

Rechtsanwalt Sven Leistikow, Martin Schmidt vom BBU sowie Bundestagsabgeordneter Swen Schulz (v.li.) standen für Fragen zur Verfügung.

Rechtsanwalt Sven Leistikow, Martin Schmidt vom BBU sowie Bundestagsabgeordneter Swen Schulz (v.li.) standen für Fragen zur Verfügung.

Umfassende Aufklärung

Als Vertreter der Wohnungsbaugesellschaften nahm Martin Schmidt vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) an der Veranstaltung teil, welcher jedoch nicht für das Vorgehen der einzelnen Mitglieder sprechen konnte, sondern nur über die vom Verband vorgeschlagene Vorgehensweise informierte. Deutlicher mit seinen Forderungen wurde neben den Bürgerinnen und Bürgern auch der Vertreter des Berliner Mietervereins Jürgen Wilhelm, Bezirksleiter für Spandau: „Wir fordern eine umfassende Information der Mieter über alle in den Wohnungen verwendeten Baustoffe. Nicht nur der Flex-Platten. Die Mieter haben ein Recht zu erfahren, welche gesundheitsgefährdenden Stoffe auch unter anderem in der Dämmung enthalten sind.“

Eine Frage des Geldes

Dieser Ansicht schloss sich auch Ordnungsamtsstadtrat Stephan Machulik (SPD) an, der darauf verwies, dass die Gesundheit keine Frage des Geldes sein dürfe. Da eine solche Bestandsaufnahme aber finanziell in die Millionen gehen würde, wird dies von den verschiedenen Gesellschaften jedoch nicht in Erwägung gezogen. Und eine bezirkliche Einflussnahme ist durch die geringe Anzahl städtischer Wohnungsunternehmen kaum noch möglich. Swen Schulz fordert dennoch: „Es muss schnell eine klare verlässliche Bestandsaufnahme vorgenommen werden, welche Wohnungen in Spandau betroffen sind.“

Patrick Rein


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