Zirkus Renz – Offener Brief vom Tierschutzverein

Offener Brief zur Erteilung eines Auftrittsverbots für den Zirkus Julius Renz

Sehr geehrter Herr Troschitz,
mit großem Unverständnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie die fachkundige Entscheidung des Spandauer Veterinäramtes, den seit 1995 in der Berliner Verfassung verankerten Tierschutz umzusetzen und dem Zirkus Julius Renz aufgrund schlechter Tierhaltung ein Auftrittsverbot zu erteilen, öffentlich angezweifelt und kritisiert haben.

Wir als Tierschutzverein Berlin begrüßen dieses konsequente Vorgehen des Spandauer Veterinäramtes, das für alle eine Vorbildfunktion haben sollte. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass in der Regel aus den verschiedensten Gründen tierschutzwidrige Haltungen von Zirkustieren nicht geahndet werden. Und das obwohl der Tierschutz seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist und der Amtstierarzt eine Garantenstellung im Tierschutz hat. Denn folgt man einem Rechtsgutachten, das der Rechtsanwalt Rolf Kemper im Auftrag des hessischen Ministeriums Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz erstellt hat, dann macht sich ein Amtstierarzt sogar strafbar, wenn er trotz begründetem Verdacht Tierschutzverstößen nicht nachgeht. Das Gutachten fällt hierzu eindeutig aus: „Bleiben Amtstierärztinnen und Amtstierärzte untätig, obwohl die Voraussetzungen der Generalermächtigung des §16 a TierSchG erfüllt sind, können sie selbst Straftaten i. S. des § 17 TierSchG durch Unterlassen begehen.“ Sie sehen also, auch in rechtlicher Hinsicht hat das Spandauer Veterinäramt gesetzeskonform gehandelt.

Wir fragen uns, was genau Sie motiviert, gegen ein engagiertes Amt vorzugehen. Welche Sachkunde besitzen Sie, um die Entscheidung des Veterinäramtes auch nur annähernd beurteilen oder gar in Frage stellen zu können? Ihrer auf Ihrer Homepage veröffentlichten und sehr sozialpolitisch geprägten Vita ist leider kein Hinweis auf eine entsprechende Sachkunde zu entnehmen. Möglicherweise haben Sie sich als sozial engagierter Bürger von der falschen Seite negativ beeinflussen und verblenden lassen. Zirkusbetriebe machen regelmäßig Schlagzeilen wegen Verstößen gegen geltendes Recht (nicht nur Tierschutzrecht) und suchen auch gern das Mitleid der Öffentlichkeit. Diese Öffentlichkeit bieten Sie nun auch dem Zirkus Julius Renz, ohne zu merken, dass Sie sich damit bereitwillig vor den falschen Karren spannen lassen.

Ihr Verhalten ist indiskutabel und schadet dem Vertrauen der Bürger in einen sinnvollen Tierschutzvollzug. Als selbst ernannter Verbraucherschützer wäre es Ihre Aufgabe, unterstützend dafür zu sorgen, dass geltendes Recht umgesetzt wird und den Verbraucher vor betrügerischen Machenschaften zu schützen.

Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass das Spandauer Veterinäramt keineswegs „mit Schaum vor dem Mund“ wahllos gegen jeden Zirkus vorgeht. Sehr wohl kann es zwischen gut und schlecht geführten Unternehmen unterscheiden. So hat es beispielsweise vor wenigen Jahren am selben Standort einem Zirkus schriftlich eine vorbildliche Tierhaltung bescheinigt, womit das Unternehmen per Aushang am Kassenhäuschen werben konnte.

 

Mit freundlichen Grüßen
Ines Krüger


Zu finden unter: Kurznews aus Spandau

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