Auf dem Weg zu einer Altstadt-Agentur für Spandau?


Vorstellung der Umfrageergebnisse im Bürgersaal

Helmut Kleebank

Helmut Kleebank: Die AAG dürfe kein Selbstzweck sein...

Der Spandauer Altstadt geht es nicht gut. So oder ähnlich denken viele. Der Bürgersaal im Rathaus war gut gefüllt. Viele wollten wissen, was die Umfragen in der Altstadt Spandau für ein Ergebnis gebracht hatten.

Ein schöner Satz wurde an den Anfang der Veranstaltung gestellt: „So gut, wie die Altstadt funktioniert, so gut funktioniert auch der Rest Spandaus, auch wenn die Altstadt nicht ganz Spandau ist“.

Das Spandauer Stadtplanungsamtbeauftragte die Erstellung einer Studie, mit deren Hilfe die Handlungsfelder einer möglicherweise zu gründenden Altstadtagentur bestimmt werden sollen. Basis dafür sollte eine Umfrage unter den Gewerbetreibenden sein. Mit der Umfrage betraut war die CIMA Beratung + Management GmbH, ein Unternehmen, welches sich als „Kompetenzzentrum für Stadt- und Regionalentwicklung und für Marketing im öffentlichen Sektor im gesamten deutschsprachigen Raum“ bezeichnet.

Finanziert soll die Altstadtagentur aus Mitteln der „Initiative Aktionsräume plus des Berliner Senats“. „Ziel der AAG soll es sein, ein Kooperationsnetzwerk aufzubauen, um den Standort Altstadt zu entwickeln, Hilfestellung für Unternehmen und Betriebe zu geben und so langfristig Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern und zu stärken“. Vertreten in der AAG sollen das Bezirksamt, der Wirtschaftshof, Eigentümer und Partner für Spandau sein.

Befragt wurden 500 Gewerbetreibende in der Altstadt und 120 Passanten. Von den 500 antworteten gerade einmal 10 Prozent. Dr. Eddy Donat, der Vertreter der CIMA bezeichnete diesen Rücklauf als größer, als üblich.

Der Vortrag von Dr. Eddy Donat lief schnell und routiniert. Ganz offensichtlich hat er solche schon häufig gehalten. Einen Schönheitsfehler hat der Vortrag. Die mit einem Beamer an eine kleine Leinwand projizierte Präsentation war für die Besucher praktisch nicht erkennbar. Dr. Donat meinte, dies wäre auch nicht unbedingt notwendig. Das sahen die Besucher anders.

Ein großes Problem der Altstadt ist das starke „Wettbewerbsumfeld“ in und um Berlin: Tegel, Mitte, City West, Schlossstraße, Dallgow und sogar Wustermark. Die Kaufkraft ist geringer als in Berlin. Interessanterweise sind Altstadt und Spandau-Arcaden nicht als Konkurrenten zu verstehen. Auch wenn es Überschneidungen gibt, treten sie mit unterschiedlicher Gewichtungen auf. In der Altstadt existieren eher Inhaber geführte Kleinbetriebe, während es in den Arcaden eher größere Filialbetriebe sind. Pauschal gesagt, gehört Spandau nicht zu den Top-Einkaufsstandorten in Berlin. Kritisiert wird die hohe Anzahl an Billigläden und ein ungenügender Geschäftemix. Als zusätzlicher Standortnachteil gilt die schlechte Anbindung an die Wilhelmstadt und die Arcaden.

Positiv dagegen soll die Existenz des „Zitadellenstadt-Logo“ sein, da es eine Marke darstellt, die nur mit einer lebendigen Idee erfüllt werden muss. Ein Leitgedanke muss nur überzeugt und überzeugend nach Berlin getragen werden, um den Rest der Stadt von den zweifelsfrei vorhandenen Qualitäten Spandaus zu überzeugen. Die Altstadt muss für die Besucher zum Erlebnis werden. Dazu sind mehr Engagement und Eigeninitiative notwendig, wobei eine Schnittmenge zwischen öffentlichem und privatem Sektor anzustreben sein. In Form einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) sollen Privatwirtschaft und Bezirksamt zusammenwirken, um gemeinsam angestrebte Ziele zu erreichen.

Helmut Kleebank stellte am Schluss die richtige Frage. Was soll die eigentliche Idee sein? Es müsse eine sein, die von der Mehrheit getragen wird. Die AAG dürfe kein Selbstzweck sein und sich am Schluss nur selbst verwalten.

Von einem Vertreter der IHK kam – wenn auch mit freundlichen Worten formuliert – eine eigentlich vernichtende Kritik an den vorgestellten Daten. Spandau würde in der Präsentation nur als „Mittelprächtig“, als „Durchschnittlich“ bewertet.

 

Ralf Salecker


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