Braune Rostbrühe auf dem Weg nach Spandau

Folgen des Braunkohlentagebaus bald bei uns zu spüren?

Kommt mit der Spree bal eine rostige Fracht? (Foto: Ralf Salecker)

Kommt mit der Spree bald eine rostige Fracht? (Foto: Ralf Salecker)

Eine braune Brühe, Verockerung genannt, bedroht den Spreewald und möglicherweise bald sogar das Trinkwasser in Berlin. Die Spree trägt Der Braunkohlentagebau in der Lausitz ist immer wieder ein Thema in den Medien. Meist geht es um die Fragwürdigkeit, Braunkohle in großen Mengen zur Verstromung einzusetzen. Klimaziele sind so nicht zu erreichen. Dem Tagebau mussten in den letzten Jahrzehnten dutzende Dörfer weichen, weil sie für den billigen Rohstoff einfach weggebaggert wurden. Zu DDR-Zeiten wurden bis zu 10 Tagebaue gleichzeitig betrieben. Zurück blieben riesige Löcher in der Erde – eine Mondlandschaft. Aus der Not machte man eine Tugend und begann die Restlöcher mit Wasser zu füllen. Die Tagebaurestlöcher entwickeln sich inzwischen zu Europas größter Ansammlung künstlicher Seen.

Sauer macht nicht nur lustig

Um an die Kohle zu gelangen, trug man die obersten Erdschichten ab und kippte den Abraum ungeordnet wieder ab. Luft und Wasser ließen die dort enthaltenen Mineralstoffe u. a. Pyrit und Markasit verwittern. Eisen in Form von ockerfarbenem Rost und Sulfate wurde freigesetzt. Der pH-Wert des Wassers in den neuen Seen versauerte. Kaum ein Organismus konnte in kann unter solchen Bedingungen leben. Saures Wassers verstärkt den Umwandlungsprozess. Das Wasser der Tagebauseen fließt über die Spree in Richtung Berlin – langsam, aber sicher.

In der Talsperre von Spremberg sammeln sich tausende Tonnen Rost. Ausläufer des Spreewalds sind schon bedroht. Sollte der Ocker-Schlamm in alle Fließe vorgedrungen sein, dürfte der Tourismus enorm darunter leiden. Hundertausende Besucher strömen jährlich in den Spreewald mit seiner ganz besonderen Natur. Ohne die schöne Natur bleiben sie weg.

Es gibt erstaunlicherweise Politiker, die das schon länger bekannte Problem herunterspielen wollen. Noch immer baut Vattenfall, unterstützt von der Politik, in der Lausitz Kohle ab. Der Spreewald ist von rund 1000 Kilometer Fließgewässern durchzogen. Die Sanierung eines einzigen verschmutzten Kilometers wird von Experten auf 300.000 Euro geschätzt.

Berlins Trinkwasser in Gefahr

Über die Spree wird die Rostfracht bis nach Spandau gelangen, hier fließt sie in Höhe der Altstadt in die Havel. Noch sind keine gesundheitsgefährdenden Überschreitungen von Grenzwerten zu verzeichnen. Die Hauptstadt gewinnt den größten Teils ihres Trinkwassers aus Uferfiltrat, also aus gereinigtem Flusswasser. Damit könnte es möglicherweise demnächst vorbei sein.

Wie üblich soll jetzt untersucht und in Gremien gesprochen werden. Dem Spreewald läuft die Zeit davon, während Politiker und Braunkohlebefürworter aus der Wirtschaft auf Zeit spielen. Pilotprojekte zur Beseitigung des Rostschlamms sollen in diesem Jahr starten. 2014 und 2015 „könnten“ dann Anlagen zur Bekämpfung errichtet werden.

 

Ralf Salecker


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