„Das macht doch jeder“

Der verantwortungsbewusste Umgang mit Alkohol ist nicht nur bei Jugendlichen ein Problem

Es ist gar nicht so lange her, dass in den Medien vom sogenannten Komasaufen bei Jugendlichen berichtet wurde. Und erst vor kurzem wurde von Plänen zur Verschärfung des Jugendschutzgesetzes berichtet. Auch in Spandau gilt Alkohol bei Kindern und Jugendlichen mittlerweile als gesellschaftsfähig und gehört anscheinend bei Wochenendaktivitäten dazu. Doch wie schmal der Grad zwischen einem vernünftigem Umgang hin zu einem akuten sozialen als auch krankheitsbedingtem Problem ist, wurde uns bei einem Gespräch mit Andre Cronenberg – Sozialpädagoge bei der Jugend- und Suchtberatung Spandau der Caritas – verdeutlicht.

Andre Cronenberg ist Jugend- und Suchtberater bei der Caritas in Spandau.

Andre Cronenberg ist Jugend- und Suchtberater bei der Caritas in Spandau.

Fehlendes Problembewusstsein

„Das macht doch jeder, was ist denn schon dabei.“, sind Sätze die Andre Cronenberg immer wieder von Jugendlichen zu hören bekommt. In den seltensten Fällen kommen Betroffene aus eigenem Antrieb in die Beratungsstelle. Meistens ist es das Umfeld wie Eltern oder Angehörige die den Erstkontakt zu den Jugend- und Suchtberatern suchen. Innerhalb kürzester Zeit wird dann ein Gesprächstermin vereinbart. Dabei wird jedoch nicht der Zeigefinger erhoben, sondern lediglich das Problembewusstsein durch Nachfragen geschärft. Und das hilft bereits. Denn dem unkontrollierten Alkoholkonsum liegen fast immer andere soziale oder zwischenmenschliche Probleme zu Grunde.

Zukunftsängste und Perspektivlosigkeit

Cronenberg konnte dabei in seiner fast 20-jährigen Tätigkeit eine zunehmende Verunsicherung bei den Jugendlichen feststellen: „Die heute zu erwartenden flexiblen Lebensläufe verunsichern die jungen Leute. Sie haben Angst, wissen nicht was aus ihnen wird oder werden soll. Der Druck immer der Beste zu sein gepaart mit einer eigenen Perspektivlosigkeit, löst das Verlangen aus, zu flüchten und sich in eine Ekstase zu begeben. Alkohol löst keine Probleme, hilft den Jugendlichen aber dem Alltag zu entfliehen.“ Eine Patentlösung kann nicht geboten werden. In Gesprächen versuchen die Berater andere Wege aufzuzeigen. Auch den Angehörigen wird dabei Hilfestellung gegeben.

Nicht nur zu den Öffnungszeiten finden Betroffene Rat und Hilfe.

Nicht nur zu den Öffnungszeiten finden Betroffene Rat und Hilfe. Fotos (2): Patrick Rein

Illegale Drogen

Zwar von den Medien mittlerweile weniger beachtet, gibt es in unserer Stadt auch weiterhin Menschen, die Cannabis oder sogar weitaus stärkere Drogen konsumieren.  Auch in diesen Fällen bietet die Jugend- und Suchtberatung Spandau ohne Altersbeschränkung Hilfe an. Darüber hinaus finden sich hier auch die kompetenten Ansprechpartner bei den neuen Krankheitsbildern des übermäßigen Internetkonsums oder Spielsucht. Einzigartig in Berlin kann aber auch die mobile alkoholfreie Cocktailbar Blueberry für Schulfeste, Feiern oder andere Anlässe über sie gebucht werden.

Gespräche suchen

Wer in seinem Umfeld feststellt, dass ein kontrollierter Umgang im Zusammenhang mit Alkohol zu fehlen scheint, soll den Betroffenen darauf ansprechen. Vorwürfe sind jedoch fehl am Platz. Auch ein Anruf bei der Beratungsstelle am Hasenmark sollte nicht gescheut werden. Unter der Telefonnummer 030-66633630 oder per Mail an sucht-spandau@caritas-berlin.de findet sich immer ein verständnisvoller Gesprächspartner.

Patrick Rein


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