Eiswerder: Das gallische Dorf Spandaus

Die Investitionspläne auf Eiswerder zur „Insel der schönen Dinge“ stoßen nicht überall auf Zuspruch und erregen politische Diskussion.

Fast scheint es als ob Spandau in bester Asterix-Tradition weiterhin als gallisches Dorf wahrgenommen werden möchte. Wie berichtet plant die Meilenwerk AG die Insel Eiswerder mit Gesamtinvestitionen von 80 Millionen Euro aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken – doch schon kommen Bedenkenträger zum Vorschein, die das Konzept beanstanden. Von einer „Insel der Reichen“ ist dann dort die Rede. Wahrscheinlich könnte der Großteil der Spandauerinnen und Spandauer dort weniger Käufe tätigen als die Klientel die angesprochen werden soll. Doch sollte sich der Bezirk auch nicht nur auf die neben Hellersdorf geringsten Mieten, Deckelung von Sozialmieten sowie mittlerweile drei eingestuften Problemkiezen konzentrieren sondern auch Chancen der Aufwertung und Wirtschaftlichkeit wahrnehmen.

Das entstehende Oldtimer-Museum wäre für jeden frei zugänglich.

Das entstehende Oldtimer-Museum, wie mit diesem Wagen bei der Projektvorstellung, wäre für jeden frei zugänglich.

Englischer Garten, Museum, Inselrundgang

Wie jede Investition in dieser Höhe birgt sie Gefahren. Doch nachdem bisher nur ein Konzept vorgestellt wurde, geht es nun an die Details bei denen das zuständige Bezirksamt involviert ist. Die Insel wurde nicht verkauft und eine behördliche Aufsicht gegeben. Auch bei Bürgerinnen und Bürgern könnten die Vorhaben neues Interesse eines Besuchs wecken, denn Inselrundgang, kostenfreies Oldtimer-Museum sowie die Anlegung eines Englischen Gartens können ein Gewinn für Insel und Bezirk sein. Shopping, Wohnungen als auch Hotel hingegen sicherlich in anderen preislichen Sphären. Doch wäre es von Nachteil wenn Spandau seine Toren zur Hauptstadt öffnet und dadurch neue Besucher in den Bezirk lockt? Zumal die Inselspinnen bestens ins Konzept passen, ebenso wie dort angesiedelte Übungsräume und Künstler. Auch die Kleingärtner und Vereine sind nicht betroffen.

Bisher wurden bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz lediglich Pläne und Visionen präsentiert.

Bisher wurden bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz lediglich Pläne und Visionen präsentiert.

Bebauungsplan von 2008

Die vorgestellten Pläne sind zudem in Einklang mit dem bestehenden Bebauungsplan für Eiswerder sowie des Denkmalschutzes. Weshalb dies jetzt von der GAL in Frage gestellt wird ist verwirrend. Auch die aufkeimende Angst vor Investoren überrascht: „Mit den Investorenplänen für Eiswerder ist genau das eingetreten, was viele Spandauerinnen und Spandauer befürchtet haben: Die langsam näher kommende Schließung des Flughafens Tegel weckt Begehrlichkeiten. Finanzstarke Investorinnen und Investoren hocken nicht länger in den Startlöchern, sondern haben mit dem Rennen um die attraktivsten Flächen begonnen“, erklärt die Bezirksverordnete Ritva Harju (GAL) und Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. Die GAL-Fraktion hatte gemeinsam mit der SPD für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 5. März die Aufnahme eines zusätzlichen Tagesordnungspunktes zu Eiswerder beantragt.

Die Nordseite der Insel mit seinen Wassersportvereinen und Kleingärtnern ist vom Projekt nicht betroffen.

Die Nordseite der Insel mit seinen Wassersportvereinen und Kleingärtnern ist vom Projekt nicht betroffen. Fotos (3): Patrick Rein

Transparenz gefordert

Während die Grünen Angst vor Investitionen des römischen Imperiums und einem Ausverkauf im gallischen Dorf Spandau haben, stellen Piraten – hier als politische Partei – die Transparenz in den Vordergrund. Bisher hat die Meilenwerk AG lediglich auf einer Pressekonferenz – sehr kurzfristig einberufen – ihre Pläne für Eiswerder bekanntgegeben. Bauanträge sind noch nicht genehmigt, ausschließlich Gespräche geführt und erste Pachtverträge fristgerecht gelöst. Emilio Paolini, Fraktionsvorsitzender der Piratenfaktion Spandau, führt aus: „Wir können ohne weitere substantielle Fakten nicht sicher sagen, was uns erwartet. Wir brauchen einfach mehr Informationen und vor allem Sachlichkeit. Bis dahin werden wir weder euphorisch jubeln noch in die Pläne irgendwelche Schreckensszenarien hineingeheimnissen. Wir laden deshalb den Investor herzlich ein, den Bezirksverordneten und vor allem den Spandauer Bürgern in einem der nächsten Ausschüsse sein Konzept vorzustellen.“

Vorsicht ist immer geboten, doch sollte nicht schon im Vorfeld etwas zerredet werden. Zu oft führte dies schon zu einem Absprung von Investoren und Plänen, worauf politisch umgeschwenkt und der schwarze Peter fürs Scheitern schnell neu verteilt war.

Patrick Rein


Zu finden unter: FeaturedNewsStadt & Tourismus

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