Galerie Inselspinnen auf Eiswerder

Eine alte Bootshalle, gefüllt bis zur Decke mit Kunst

Wenn der Frühling kommt, wird dieser Ort auf Eiswerder zur grünen Oase.

Wenn der Frühling kommt, wird dieser Ort auf Eiswerder zur grünen Oase.

Was fällt einem Spandauer zur Insel Eiswerder ein? Das kommt auf das Alter an, wäre die einfachste Antwort, denn die Insel, oder besser, das Geschehen darauf, war in den letzten 100 Jahren einem starken Wandel unterworfen. Dann wären da noch die Autofahrer. Sie kennen die Insel, weil sie diese im Tiefflug als schnelle Abkürzung zwischen Haselhorst und der Spandauer Neustadt sehen. Zwei Brücken, die kleine und die große Eiswerderbrücke verbinden die Insel mit dem Festland.

Es ist schon länger hier, da wurden auf der Insel Waffen produziert. Einst war sie die Waffenschmiede des Deutschen Reiches. Glücklicherweise ist diese Zeit lang vorbei, nur der kontaminierte Boden ist noch mahnender Zeuge. Aus dieser Zeit stammt auch die kleine Eiswerderbrücke, über die man heute problemlos nach Haselhorst gelangen kann. Später siedelten sich hier die berühmten CCC-Filmstudios von Arthur Brauner an. Viele Edgar Wallace-Filme entstanden hier. Englischer Nebel aus Spandaus Landen.

Wer den schnellen Weg nutzt, wird die Insel verlassen, ohne ihre eigentlichen Schätze entdeckt zu haben. Wanderwege erschließen heute auch die ufernahen Bereiche. Ihnen wollen wir folgen.
Von der Neustadt kommend, überqueren wir die große Eiswerderbrücke. Ohne einen Blick in die Runde, auf Zitadelle und alte Brauereigebäude, sollten wir dies nicht tun.

Steven, Eddie und Peter, drei Inselspinnen

Steven, Eddie und Peter, drei Inselspinnen

Hinter der Brücke durchschreiten wir den kleinen Park, folgen einem schmalen Weg, bis wir auf eine Straße stoßen. Vor uns rechts liegen die Gebäude des ehemaligen Feuerwerkslaboratoriums, linker Hand liegt unser eigentliches Ziel. Ein Hinweisschild weist schon auf die Inselspinnen hin.

Vorbei geht es an alten Gebäuden und Schiffsabstellplätzen. Ganz am Ende sehen wir die alte Bootshalle aus dunklem Backstein vor uns, in der die Inselspinnen 2002 ihr Domizil aufgeschlagen haben.
Zwar steckt der Frühling noch in den Kinderschuhen, doch schon bevor wir die Halle selbst betreten, ahnen wir die grüne Oase, die in wenigen Wochen hier blühen wird. Unendlich viele Blumenkübel in den unterschiedlichsten Größen werden auf den Vorplatz bald ein kleines urwüchsiges Paradies entstehen lassen.

Zweifel am Paradies kommen auf, wenn wir, das breite Tor durchschreitend, einen Blick nach oben werfen. Von der Decke blickt ein riesiger geflügelter Lucifer mit feurigen Augen auf uns herab, neustes Ergebnis der Arbeit von Peter Seeger und Eddie.

Das innere der Halle selbst ist beeindruckend. Vogelnestern gleich sind kleine wild geformte und kunterbunte Häuschen mehretagig in die Halle hinein gebaut worden. Sie bilden Arbeitsstätte und Rückzugsort für die Künstler gleichermaßen.

Gleich rechts an Wänden und an der Decke stehen Fahrräder in den ungewöhnlichsten Formen. Sie entstammen der Fantasie von Steven Haupt und Silvio. Steven mag den Einheitslook von Drahteseln nicht. Mit „scarabaeus bike-art“ haucht Steven toten Rädern wieder neues Leben ein, oder verändert sie kunstfertig nach seinen Vorstellungen.
Direkt gegenüber ragt ein Hexenhäuschen empor, auf dessen Dach eine Gruft thront. Jürgen Schiemann schafft fantasievolle Dekorationen für seine Kunden, Puppen und Marionetten. Immer wieder ist er mit den Marionetten ehrenamtlich unterwegs und führt kleine spontane Geschichten auf.

„Eddie The Raven“ ist sein Nachbar zur Linken. Mit leuchten Augen erzählt er begeistert die Entstehungsgeschichten zu seinen Cartoons, die nicht immer jugendfrei sind. Ebenso leidenschaftlich greift er zur Gitarre, um eigene Lieder vorzutragen.

Im Zentrum der alten Bootshalle laden Sitzgelegenheiten mit viel Patina zum gemeinsamen klönen ein. Bevor wir an diesem gemütlichen Plätzchen versacken, schreiten wir weiter und kommen zur Schmiede von Peter Seeger von „Happy-Metal-Art“. Der gelernte Kunstschmied zaubert alles aus Metall, was das Herz begehrt. Kunstvolle Schmiedearbeiten an Motorrädern sind gerade in Arbeit.

Schräg gegenüber hat Timeless-Media sein Lager aufgeschlagen. Mit Grafikdienstleistungen und Eventorganisationen, wie z. B. Mittelaltermärkte, ergänzt er die bunte Vielfalt der Inselspinnen um einen weiteren Baustein. Dann gibt’s da noch Bina Arts mit Acrylmalerei, Skulpturen und Kunsthandwerk aus Südafrika.

In unterschiedlichsten Workshops kann man sich hier künstlerisch betätigen. Konzerte und viele andere Veranstaltungen sorgen für ein abwechslungsreiches Leben in dieser schönen Halle.

Kommt einfach mal vorbei …
Ralf Salecker

Galerie Inselspinnen
Eiswerderstr. 15
Kunsthalle 12
13585 Berlin



Zu finden unter: Kunst & Kultur

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