In Spandau und Berlin begann der rasante Höhenflug der Piraten

Fast ein dreiviertel Jahr Bezirkspolitik unter vollen Segeln

Mikk Schunke und Emilio Paolini (Foto: Ralf Salecker)

Mikk Schunke und Emilio Paolini (Foto: Ralf Salecker)

10 Fragen an Mikk Schunke (MS) und Emilio Paolini (EP)

Berlin war ein guter Start für die Piraten. Selbst in Spandau wurden damals super Ergebnisse erzielt. Nun scheint es offensichtlich, nach der Wahl in Schleswig Holstein, dass es sich bei den Erfolgen kaum um Eintagsfliegen handeln kann.

EP: Tja, schaut so aus, auch wenn man sich die Zahlen auf Bundesebene so anschaut. Lass uns mal noch NRW abwarten, das wird auch noch mal sehr spannend.

Wir sagen aber auch immer: „Vertrau‘ keiner Prognose, geh‘ wählen!“

In Spandau sind die Piraten nun seit einiger Zeit dabei. Für den Bezirk und für die drei Piraten hat dieser Zuwachs in der BVV sicherlich zu Veränderungen geführt. Diese Veränderungen gilt es einmal näher zu betrachten.

 

Eine Psychologin, Dr. Constanze Beierlein, charakterisiert den Erfolg der Piraten folgendermaßen: „Ein Teil der Wähler ist einfach fasziniert von dem Politikstil der Piraten, der so deutlich von dem der Kollegen aus den etablierten Parteien abweicht. Dass sie Wissenslücken zugeben, wirkt authentischer als das reflexartige Abspulen von Positionen, wie Wähler es von anderen Parteien kennen“

EP: Irgendwelche schlauen Leute haben immer irgendwas zu sagen. Dafür werden sie bezahlt. Manchmal stimmt es, manchmal nicht.

 

Was war die Motivation gewesen, gerade bei den Piraten den Einstieg in die Politik zu suchen. Dies zu einer Zeit, als der später eintretende rasante Aufstieg noch nicht einmal ansatzweise zu erwarten war?

EP: Ich suchte bereits seit vielen Jahren nach „was Neuem“. Ich bin Unternehmer seit weit über 25 Jahren, ich habe Familie, ein Haus, irgendwann fragt man sich: „War das jetzt alles? Ist da noch mehr?“.

Ich habe mich dann umgeschaut, mir Parteien und auch andere – sagen wir mal – Organisationen angeschaut, einfach grundsätzlich meine Existenz und mein Wirken hinterfragt.

Die Piraten hatte ich schon eine Weile ebenfalls im Focus, aber erst 2009 war genug Momentum da, um selbst einzusteigen. Ich habe dann gleich den Wahlkampf 2009 (BTW) mit organisiert und überhaupt angefangen, in Spandau Strukturen zu schaffen. Nun ja, das hat dann bis heute angehalten. Mit Erfolg, wie man sieht.

MS: Ich habe 2009 das erste Mal von den Piraten gehört und fand die Ansätze schon sehr interessant. Nach und nach wurden sie für mich immer interessanter, da sich deren Inhalte genau mit meinen Vorstellungen deckten. 2010 fing ich an darüber nachzudenken in die Partei einzutreten, jedoch hatte ich zu dieser Zeit beruflich so viel zu tun, dass ich keine Zeit fand den persönlichen Kontakt aufzunehmen. Anfang 2011 nahm ich mir vor endlich zu einem Treffen zu gehen und schaffte das auch kurze Zeit später. Beim ersten Treffen trat ich gleich ein. Ich wusste sofort: Ich bin angekommen!

 

Welche Veränderungen haben die Spandauer Piraten an sich selbst, im Umgang anderer Politiker mit ihnen und ihrer eigenen Sicht auf politisches Gestalten erlebt?

EP: 2009 hatten wir tolle Ideen und Ideale, aber keine Ahnung, wie man das wirklich umsetzen könnte. Nachdem wir 2009 zwar ein beeindruckendes Ergebnis (mehr als die Grünen bei ihrer ersten BTW) aber keine Mandate errungen haben, gab es ein kleines „Tal der Ernüchterung“, aber Piraten wären nicht Piraten, wenn sie sich nicht wieder zusammenraufen würden.

Als wir dann 2011 alle Bezirksparlamente und das AGH geentert haben, wurde es wirklich ernst mit dem Verändern. Wir brauchten eine Weile, um uns zurechtzufinden, aber unter dem Strich waren wir – davon bin ich fest überzeugt – immer noch enorm effizient für solche ahnungslosen Newcomer. Ich glaube, Piraten sind aufgrund ihrer Kommunikations-Strukturen und Werkzeuge in allem was sie tun den bisherigen Parteien weit überlegen. Also im Sinne von „sich einfinden“, „Dinge umsetzen“, „Wege finden“ …

Die anderen Parteien und Politiker waren völlig hilflos, sie wussten absolut nicht, wie sie mit uns umgehen sollten. Für Spandau kann ich aber auch sagen, dass wir sehr fair und freundlich aufgenommen wurden, vermutlich ein Zeichen der Unsicherheit der anderen Parteien.

Ich glaube auch, dass wir sehr schnell klargestellt haben, dass wir zwar eigensinnig, aber keinesfalls dumm sind, zuverlässig, aber dennoch nicht vorhersehbar oder gar berechenbar. Das macht einige Leute ziemlich nervös.

Wir freuen uns immer wieder über die erstaunten Gesichter, wenn unsere Fraktion unterschiedlich abstimmt. Mein Lieblingsbeispiel aus einem Ausschuss: Ich halte als redeberechtigter Fraktionsvorsitzender eine Brandrede „gegen“ ein Thema und Mikk als gesetztes Mitglied stimmt dann „für“ das Thema. Allen klappt der Unterkiefer runter, Mikk und ich hingegen finden das völlig normal.

MS: Erst einmal habe ich persönlich über Politik mehr gelernt, als je zuvor und es umfasst Bereiche, in denen wir erst einmal zurechtkommen mussten. Das Arbeiten mit den anderen Parteien hat mir schnell gezeigt, dass sich die Dinge anders verhalten, als ich zuvor Jahrzehnte lang gedacht habe. Uns geht es in der Politik um Inhalte und nicht um Personenprofilierung, d.h., dass es uns egal ist welche Partei den Antrag einreicht oder wer die Inhalte, die mit uns im Konsens liegen, durchbringt. Priorität bleibt dabei, dass wir im Sinne der Basis entscheiden!

Leider musste ich feststellen, dass es bei den alteingesessenen Parteien genau um das geht, nämlich darum wer den Antrag stellt, manchmal mit gleichem Kontext, aber anders formuliert, der dann von der Gegenpartei abgelehnt wird, nur weil sie den Antrag nicht selber gestellt haben, obwohl er den gleichen Inhalt enthält. Das ist das Gegenteil von dem, was wir uns vorstellen, wie gesagt uns geht es um die Inhalte, nicht wer den Antrag gestellt hat!

Wir Piraten haben keine Lust auf diese Spielchen, denn wir sind alle, egal von welcher Partei, von den Spandauern gewählt worden, damit wir etwas für Spandau tun und uns nicht im Parteienkleinkrieg anfeinden. Damit verschwendet man nämlich wertvolle Zeit, die man für sinnvolleres nutzen könnte, carpe diem!

Ende Teil 1

 

Ralf Salecker


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