Körper und Geist trainieren in Spandau

Das 7. Berliner Yogafestival im Gutspark Kladow

Yogastunde auf Asana I

Yogastunde auf Asana I (Foto: Yoga-Festival Berlin)

Am 23. Juni startete im Spandauer Ortsteil Kladow das 7. Berliner Yogafestival (24. – 26. Juni 2011) mit einem abendlichen Konzert mit Babek Bodien, der mit verträumten Melodien das Publikum auf die nächsten Tage einstimmte. Viele Tausend Besucher werden auch diesmal auf den Spuren einer alten Entspannungstechnik unterwegs sein, die inzwischen Millionen von Deutschen erfreut. Veranstalter ist der Verein „Lernen in Bewegung“. Sie verstehen „Yoga als einen Weg, sich körperlich und geistig zu entwickeln, der heute allen Menschen offen steht“.

Yoga bietet ein weites Spektrum von sportlich bis spirituell. In Berlin locken weit mehr als 100 Yoga-Institute ihre Anhänger. Schon lange ist Yoga kein Gebiet ausschließlich für Menschen aus der Esoterik-Ecke. Musiker wie Sting praktizieren es ganz selbstverständlich.

Zum dritten Mal nun ist der Kulturpark Kladow in Spandau Austragungsort einer großen Yogaveranstaltung die einmal mitten in Berlin begonnen hat. Damals hieß es noch „man muss dafür nicht ins Grüne fahren“. Yoga sollte „als Teil des Alltags“ präsentiert und gelebt werden …

Wer sich dem Alten Gutspark Kladow entlang der Havel von Gatow kommend nähert, der erlebt eine satte grüne Parklandschaft, die dicht mit Bäumen bestanden ist. Ein wenig oberhalb des Weges liegt das alte Gutshaus, dem viel Patina anhaftet. Es ist lange her, dass es die besten Tage gesehen hat. Dieser Ort ist ideal für das Festival. Von einer große Wiese neben dem Gutshaus kann man weit über die Havellandschaft schauen. Schon dieser Anblick lässt eine tiefe Ruhe einkehren.

Der Freitag bietet ein höchst wechselhaftes Wetter. Sonne und Regen in kurzer Folge. Die  Teilnehmer fühlen davon nicht besonders gestört. Alle sind augenscheinlich von einer entspannten Ruhe erfüllt. Berlins hektischer Trubel scheint weit, weit entfernt zu sein.

Swami-Yogananda, 102 Jahre alter Yoga-Meister

Swami-Yogananda, 102 Jahre alter Yoga-Meister (Foto: Yoga-Festival Berlin)

Während einer Yoga-Großveranstaltung mit mehr als 150 Teilnehmern wurde deutlich, Yoga hält jung und gelenkig. Yoga-Meister Swami Yogananda, 102 Jahre alt, mit einen langen weißen Bart ausgestattet, dürr und nur 45 Kilo schwer, zeigte eine Agilität, die den durchschnittlichen Spandauer schnell an seine Leistungsgrenze gebracht hätte. An dieser Stelle hätte Yoga bei mir keine Verspannungen gelöst, sondern einen Krankenhausaufenthalt erfordert.

Mir fallen während des Festivals einige Teilnehmer auf, die wahrscheinlich schon lange Yoga praktizieren. Selbst wenn sie nur gemütlich auf einer Bank oder dem Boden sitzen, ist der Rücken kerzengerade, wie mit dem Lineal gezogen. Während andere dabei eher verkrampft ausschauen würden, strahlen diese eine unbändige entspannte Kraft aus. Diese werden wohl keine Rückenprobleme haben.

Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene, Vorträge, Meditationen und Musikveranstaltungen bieten viel Abwechslung für Körper und Seele. Auch der Magen kommt nicht zu kurz. Eine herrlich duftende indische Küche, mit Speisen von süß bis herzhaft lässt hier niemanden hungern.

Ein buntes Markttreiben bietet von Yoga-Artikeln und typischer Kleidung, über Räucherwerk und Tees mit so klangvollen Namen, wie Elfentanz und Keltischer Haustee, auch Klangschalen und Gongs, nicht ungewöhnliches also. Nachdenklich machen mich da eher Angebote, wie Anlagen zum „levitieren oder vitalisieren“ von Wasser oder eine Art medizinischer Wünschelrute. Mein naturwissenschaftlicher Verstand streikt an dieser Stelle. Das riecht mir sehr nach Nepp.

Neugierig ließ ich mich an einem anderen Stand auf einen Versuch ein, mittels einer rund 30000 Euro teuren Apparatur meinen Gesundheitszustand über die Messung der Handreflexzonen zu bestimmen. Dazu musste ich meine linke Hand auf ein paar goldene Elektroden legen. Das wichtigste Ergebnis, ich bin ein sehr kopflastiger Mensch, konnte von mir nur bestätigt werden.

Gongmeditation mit Nanak Dev Singh Khalsa & friends (Foto: Yoga-Festival Berlin)

„Yoga, Philosophie, Musik, Spaß und frische Luft“, wie die Veranstalter anpriesen, schienen hier buchstäblich in der Luft zu liegen. Das diesjährige Motto „Every breath you take“, oder nach Theodor Fontane „Je freier man atmet, je mehr lebt man“, zeugen von einer bodenständigen und pragmatischen Gedankenwelt, der man sich hingeben kann – auch wenn das Festival schon längst vorüber ist. Allein der beeindruckende Blick vom Gutspark oder ein paar Schritte durch die waldige Parklandschaft sind eine Reise wert. Man kann natürlich auch auf das nächste Festival warten …

Ralf Salecker


Zu finden unter: Wellness & Gesundheit

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