Oxfam Spandau, ein „Familienunternehmen“


Mehr als ein Second-Hand-Laden

Oxfam-Mitarbeiterinnen: Frau Amoslino und Frau Dieckmann

Oxfam-Mitarbeiterinnen: Frau Amoslino und Frau Dieckmann

Oxfam Themen-Schaufenster

Oxfam Themen-Schaufenster

So ganz stimmt der Eingangstitel natürlich nicht. Davon aber später. Sie kennen Oxfam in der Spandauer Altstadt, schräg gegenüber der St. Nikolai Kirche, nicht? Nun, dann sollten sie aus mehreren Gründen einmal einen Schritt hinein „wagen“.

Auf den ersten Blick sieht der Laden erst einmal wie ein normaler Second-Hand-Laden aus. Im Prinzip stimmt dies auch. Sie können gebrauchte Dinge abgeben und erwerben. 1947 wurde der erste Laden in Oxford eröffnet. Sechs solcher Shops gibt es in Berlin, 38 in ganz Deutschland und hunderte in der ganzen Welt.

Gegründet wurde das „Oxforder Komitee zur Linderung von Hungersnot (Oxford Committee for Famine Relief)“ 1942 in Oxford, um der eigenen hungernden Bevölkerung Hilfe zu leisten. In der Nachkriegszeit wurde diese Hilfe auch auf Deutschland ausgeweitet – gegen den erklärten Willen der britischen Regierung.

Die Erträge der Shops fließen in internationale Hilfsprojekte und Kampagnen.

Direkte Katastrophenhilfe gehört ebenso dazu, wie langfristige Entwicklungshilfeprojekte und politische Lobbyarbeit. Das Ziel ist hoch gesteckt. „Eine gerechte Welt. Ohne Armut“. Die Finanzkrise ist in aller Munde. Oxfam fordert, gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen eine Finanztransaktionssteuer zur Armutsbekämpfung und Klimaschutz, wie auch die Eindämmung exzessiver Spekulationen mit Nahrungsmitteln.

Erwirtschaftet werden die Erträge in den regionalen Shops und aus Spenden.

„Zeit spenden“: Ausschließlich ehrenamtlich tätige Mitarbeiter erledigen alle Arbeiten, die notwendig sind, um ein Geschäft zu führen. Allein in Spandau sind 65 Mitarbeiter beschäftigt, um von der Annahme der Spenden, über die Sortierarbeit und Aufbereitung bis zum Verkauf alles zu erledigen. Mit gerade einmal 8 Männern hat der Oxfam-Shop in Spandau den höchsten Männeranteil in ganz Berlin. Die Motivation der Mitarbeiter, die mindestens einen halben Tag pro Woche tätig sind, ist höchst unterschiedlich. „Mir wäre zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen, wenn ich nichts vernünftiges hätte machen können“, so Frau Amoslino. Vom Studenten, bis zur 100-Jährigen arbeiten in den Shops Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen.

„Wir sind hier eine große Familie“, meint Frau Dieckman, eine der Shopleiterinnen. „Wir haben hier nicht wirklich Chefs“, bemerkt eine Kollegin lächelnd. Etwas Sinnvolles tun und dies in der Gesellschaft von Menschen, die man mag, steht bei den meisten im Vordergrund.

Der Shop ersetzt für manche Besucher den nicht mehr existenten Tante-Emma-Laden. Einige Stammkunden kommen regelmäßig zum Plausch vorbei.

Ziege zu verschenken ...

Ziege zu verschenken ...

„Überflüssiges flüssig zu machen“ hat sich Oxfam aktuell auf die Fahnen geschrieben. Sehr viel kann als Spende vorbei gebracht werden. „Willkommen ist fast alles, was gut erhalten, sauber und zu schade zum Wegwerfen ist.“ Es gibt aber auch eine Reihe von Dingen, die aus Gründen der Sicherheit oder moralischen Erwägungen nicht angenommen werden. Intakte und gewaschene Kleidung z. B. sollte eigentlich selbstverständlich sein. Nicht immer wird darauf Rücksicht genommen. Zeitaufwändige Sortierarbeit ist die Folge. Allein in der letzten Woche mussten 65 blaue Säcke aussortiert und entsorgt werden. Manchmal gibt es auch Kurioses zu berichten. So hatte eine ältere Dame aus versehen ihr Gebiss zwischen der Wäsche vergessen.

Ein Hingucker sind für viele Passanten die wöchentlich neu thematisch dekorierten Schaufenster. Deren Inhalt gelangt nicht in den regulären Verkauf. Einmal in der Woche kann die Ware erworben werden. Sind mehr Interessenten vorhanden, dann entscheidet das Glück – es wird gewürfelt. Dabei kann es dann schon einmal Tränen geben, aus Enttäuschung oder vor Freude.

Weihnachten steht vor der Tür. Unmengen an Dingen werden wieder sinnlos gekauft und verschenkt. Da bietet ein Oxfam-Shop ein angenehmes Kontrastprogramm zum allgemeinen Konsumrausch. Möchten Sie etwas sinnvolles verschenken/spenden? Eine Ziege z.B.? Schauen Sie einfach mal vorbei, vor allem, wenn Sie mehr darüber wissen möchten! Auf der Internetseite finden Sie Hinweise zu den vielen Kampagnen und Spendenmöglichkeiten.

 

Ralf Salecker

 

Oxfam Shop Berlin-Spandau

  • Carl-Schurz-Straße 53
  • 13597 Berlin-Spandau
  • Tel: 030 – 36 75 72 45
  • Öffnungszeiten:
  • Mo – Fr: 9.30 – 18.00 Uhr
  • Sa: 10.00 – 14.00 Uhr

Zu finden unter: News

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