Schlecker ist pleite und geht voraussichtlich in die Planinsolvenz


In Spandau gab es etwa 20 Filialen

Schlecker-Filiale in der Pichelsdorfer Straße

Schlecker-Filiale in der Pichelsdorfer Straße

Schlecker ist jedem ein Begriff, auch wenn anscheinend immer weniger Menschen dort einkaufen gehen. Spätestens seit einigen Tagen ist die Drogeriekette wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Gestern, am Montag, ist beim Amtsgericht Ulm der Antrag auf Planinsolvenz eingegangen  Anschließend wird dort entschieden, ob dem Antrag stattgegeben wird. Allein in Berlin könnte es für 30 Filialen eng werden.

In Suchmaschinen und Verziechnissen sind noch etliche Adressen von Schlecker Filialen in Spandau aufgelistet. Zwei davon, in der Pichelsdorfer Straße und der Wilhelmstraße existieren nicht mehr. Es sind anscheinend die kleinsten, die verschwunden sind. Geht man in Spandau durch die Filialen, bietet sich, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt, ein einheitliches Bild. Die Regale sind an manchen Stellen arg gelichtet. Gerade die preiswerten Produkte scheinen vergriffen zu sein. Es scheint also zu stimmen, Schlecker fehlt das notwendige Geld. Kunden sind nur sehr wenige zu sehen.

Solange die Kunden weiter kommen, wird es hier auch weiter gehen …

Richtige Informationen sind nicht zu bekommen. Das Personal kann nicht mehr sagen, als in der Presse steht oder zeigt einen ausgesprochenen Zweckoptimismus. In einer Filiale bekomme ich auf meine Frage, wie es denn weiter geht, nur ein Schulterzucken. Die einzige Verkäuferin in den recht großen Verkaufsräumen scheint ratlos und ein wenig resigniert zu sein. In einer anderen Filiale in Spandau, hier sind sogar zwei Verkäuferinnen anwesend, wird mit einer merkbaren Sicherheit positiv in die Zukunft geblickt. „Solange die Kunden weiter kommen, wird es hier auch weiter gehen“. In dieser Filiale war ich gerade der einzige Kunde … Um die Arbeitsplätze scheint sich hier niemand Sorgen zu machen, schließlich vertraut man auf den bestehenden Tarifvertrag. „Hier wird niemand entlassen. Wenn die Filiale schließt, dann geht man halt in eine andere Geschäftsstelle. Irgendwo ist immer jemand krank oder im Urlaub …“.

Die Kunden und Passanten

Frau Müller, eine betagte Rentnerin: „Ich wäre schon sehr traurig, wenn mein Schlecker nicht mehr da wäre. Ich kann nicht mehr so weit laufen. Meine Kinder können nur selten mich einkaufen.“ Auf der Straße ist der Ton schon ruppiger. Man hat zwar Mitleid mit den Angestellten, Deutschlands größter Drogerie-Kette scheint aber niemand eine Träne nachzuweinen. „In diesem Kramladen gehe ich schon lange nicht mehr einkaufen“, meint ein Herr im mittleren Alter. Ein anderer geht auf den schlechten Ruf ein, der sich in den Köpfen der Leute festgesetzt hat. „Wer nur ans Geld scheffeln denkt, hat es nicht anders verdient. Ich sage nur Lohndumping, enge zugestellte Läden, einsame Verkäuferinnen und dann noch Zeitarbeit. Selbst Frau von der Leyen hatte diese Praxis bemängelt.“

Planinsolvenz soll das Unternehmen retten

Der Metzgermeister Anton Schlecker eröffnete 1967 sein erstes SB-Warenhaus. 1975, ein Jahr nach Ende der Preisbindung für Markenartikel, gründete er seinen ersten Drogeriemarkt. Nur zwei Jahre später waren es 100 Filialen, 1984 schon 1000. Jetzt sollen es fast 8000 Läden sein. Er wollte überall als „Nahversorger“ vertreten sein. Dieser Expansionsdrang, der ihn zum Milliardär und Marktführer  gemacht hat, scheint nun das „Aus“ zu bedeuten.

Die Umsätze sind gewaltig eingebrochen. Eine Geschäftspolitik, die auf kleine unübersichtliche Geschäfte, wenig und schlecht bezahltes Personal setze, zeigt jetzt ihre Folgen. Mit einer Planinsolvenz soll das Ruder noch einmal herum gerissen werden. Damit bleibt die alte Geschäftsführung  am Ruder, könnte aber die bestehenden Arbeitsverträge aufkündigen – und Mitarbeiter entlassen. Wie viele es sein können, steht noch völlig in den Sternen.Das Amtsgericht Ulm hat unterdessen den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm zum Verwalter bestellt. Geiwitz sei „ein sehr guter Insolvenzverwalter“, der schon viele Verfahren betreut habe, sagte der zuständige Richter Benjamin Webel.
Ralf Salecker


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