Meist kommt die Energie in Spandau von Vattenfall

Im Bezirk kommt der Strom nicht nur aus der Steckdose

Kraftwerksleiter Jörg-Andreas Czernitzky

Kraftwerksleiter Jörg-Andreas Czernitzky

Das ist bei Spandauer Privatleuten ebenso der Fall, wie bei Unternehmern. Am Donnerstag trafen sich Mitglieder und Freunde der Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V. und Unternehmer zum 18. Unternehmerforum im Vattenfall Heizkraftwerk Reuter West, um sich über „Energieeffizienz bei Strom und Wärme“ informieren zu lassen.

Weithin sichtbar, prägen Kühlturm und Kesselhaus des Kraftwerks, mit ihrer Höhe von etwa 100 Metern, die Skyline Spandaus. Die zuführende kleine Straße zum Besucherzentrum, „Großer Spreering“, ließ sogar ein Navigationsgerät an seine Grenzen kommen. Am gewaltig aufragenden Kühlturm vorbei gelangten die Gäste schließlich ans Ziel.

Nach einer grundsätzlichen Sicherheitseinweisung informierten mehrere Vorträge und eine abschließende Führung durch das Kraftwerksgebäude über den komplexen Prozess der Stromerzeugung und effizienten Energienutzung.

Das Heizkraftwerk Reuter West ist Berlins leistungsstärkstes Kraftwerk. Wie der Name es schon andeutet, wird hier nicht einfach zermahlene Steinkohle verbrannt, um ausschließlich Strom zu erzeugen. 3300 Tonnen Kohle werden tagtäglich eingesetzt, um eine Leistung von 600 MW zu erzeugen. 75 Prozent davon werden per Schiff, der Rest per Bahn herangeschafft.

Um eine Notlage zu vermeiden, wie sie die Blockade Berlins mit sich brachte, lagern auf dem Gelände mehr als 220.000 Tonnen Steinkohle. Genug, um rund zwei Monate den Kraftwerksbetrieb aufrecht zu erhalten.

Blick aus 100 Meter Höhe auf das Kraftwerk Reuter

Blick aus 100 Meter Höhe auf das Kraftwerk Reuter

Um die bei der Verbrennung freigesetzte Energie möglichst effizient zu nutzen, heizt man in der Kraftwärmekopplung (KWK), mit der sonst nutzlos frei werdenden Wärme, einen Wasserkreislauf, der als Fernwärme zu den Verbrauchern gelangt. Somit gelingt es, etwa 80 Prozent der enthaltenen Energie zu nutzen. In der reinen Stromerzeugung wären es nur 38 Prozent.

Seit dem 1. Oktober 2009 ist die neue Fernwärmeleitung, welche in einem 110 Meter langen Tunnel unter der Havel hindurchgeführt wurde, in Betrieb. Vielen Wilhelmstädtern dürften die umfangreichen Rohrverlegungen in den Straßen nicht entgangen sein. Nach und nach soll das gesamte Gebiet westlich der Havel erschlossen werden. Bald sollen dort einmal über 27.000 Wohnungen mit Fernwärme versorgt werden, möglich sind sogar 55.000.

Die ersetzten Heizquellen bedeuten eine erhebliche Kohlendioxyd-Einsparung. Wer den aktuellen Wert ablesen möchte, kann dies auf einer speziellen Anzeigetafel in der Eingangshalle vom Rathaus Spandau tun.

Eine energieeffiziente Betriebsführung wurde den anwesenden Spandauer Unternehmern in Form einer speziellen Messtechnik vorgestellt, die, komfortabel über das Internet einsehbar, detailliert über den aktuellen Strom-, Wasser-, oder Gasverbrauch Auskunft gibt. Diagramme zeigen differenzierte Kurven, um selbst über eine Optimierung und damit Kosteneinsparung im Betrieb entscheiden zu können, oder aber Probleme im Betriebsablauf erkennen zu können.

Während der Führung durch das Kraftwerksgebäude wird deutlich, wie winzig klein der Mensch plötzlich wirkt, im Vergleich zur großen Anlage. Von den Kohlemühlen im Erdgeschoss des Kesselhauses, die jeweils 28 Tonnen Kohle zu Staub zermahlen können, geht es dann in luftige Höhen. 60. Etage zeigt die Anzeige im Fahrstuhl, als wir aussteigen. Noch ein paar Treppen weiter und ein grandioser Blick über Spandau lässt einem fast den Atem stocken. Selbst der Flughafen Tegel scheint zum Greifen nahe. Wer all dies selbst erleben möchte, dem seien die Führungen von Vattenfall durch das Kraftwerk Reuter West ans Herz gelegt.

In einer gemeinsamen Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin hat Vattenfall sich ein hehres Ziel gesetzt. Bis zum Jahr 2020 sollen 50 Prozent weniger CO2 freigesetzt werden als 1990. 2050 soll die Energie sogar klimaneutral erzeugt werden.

 

Ralf Salecker

 

 

Besichtigung der Berliner Kraftwerke

In Berlin lassen sich das HKW Mitte und HKW Reuter West besichtigen. Die Führungen dauern etwa drei Stunden. Anmeldungen sollten wegen der großen Nachfrage drei Monate im Voraus erfolgen.

Besichtigungstermine: Montags bis Donnerstags 9 und 13 Uhr, Freitags 9 Uhr und nach vorheriger Absprache

Anmeldungen und Informationen:

  • Michael Schulz: Tel.: 030-267-433 44
  • Jörn Jurischka: Tel.: 030-267-150 36

Zu finden unter: News

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