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Wenn jede Sekunde zählt

Seit Ende Oktober gibt es bei der Berliner Feuerwehr eine neue Alarmierungs- und Ausrückeordung

Zu rund 1000 Einsätzen muss die Berliner Feuerwehr täglich ausrücken. Keiner gleicht dem anderen und jeder ist eine neue als auch besondere Herausforderung. Wenn Menschen in dieser Stadt in Not sind und Hilfe benötigen, ist es erklärtes und notwendiges Ziel, schnellst möglich die geeigneten Einsatzmittel an den Schadensort zu entsenden. Die Voraussetzung dafür ist die Alarmierungs- und Ausrückeordnung (AAO). Diese legt die Art und Anzahl der erforderlichen Einsatzfahrzeuge aufgrund einer strukturierten Notrufabfrage in der Leitstelle fest.

Voll beladen müssen Rettungswagen schnellstmöglich zum Einsatzort.

Voll beladen müssen Rettungswagen schnellstmöglich zum Einsatzort.

Notfallrettung oder Brand

Im Laufe der letzten Jahre haben sich die Anforderungen an die Beschickung von Einsätzen geändert, so dass es an der Zeit war, sich dieser Veränderung anzupassen. Seit Ende Oktober 2012 werden alle Einsätze nach einer neuen AAO beschickt, die sich durch ein nachvollziehbares modulares Konzept dem entsprechenden Ereignis anpasst. Bei der Alarmierung wird in drei neue Kategorien unterschieden: die Notfallrettung (NOTF), den Brandeinsatz (BRAND) und die Technische Hilfeleistung (TH). Jede Kategorie ist in bestimmte Stufen unterteilt, die sich nach Umfang der Notfallsituation richtet. So wird bei Einsätzen der Notfallrettung nach Anzahl der Patienten unterschieden, bei Bränden und Technischen Hilfeleistungen nach Anzahl der eingesetzten Staffeln.

Durch die neue Ausrückeordnung werden sofort die richtigen Fahrzeuge entsandt.

Durch die neue Ausrückeordnung werden sofort die richtigen Fahrzeuge entsandt. Fotos (2): Patrick Rein

Führungsstruktur vor Ort

In Abhängigkeit der Schadenslage beziehungsweise bei objektbezogenen Besonderheiten werden zusätzliche Einsatzmittel wie beispielsweise ein Notarzt oder ein Einsatzleiter alarmiert. Auch hier sind diverse Kombinationen möglich. Weiterhin werden nun auch die Grundsätze aus der Feuerwehrdienstvorschrift 100 „Führung und Leitung im Einsatz“ berücksichtigt, wobei zukünftig an allen Einsatzstellen eine entsprechende Führungsstruktur sicherzustellen ist. Eine Besonderheit der neuen AAO sind die sogenannten Module, die als selbstständig taktische Einheit unabhängig  von der Alarmkategorie entsandt werden können. So wird bei einem Unfall mit mehr als vier Patienten das Modul „MANV“ (Massenanfall Verletzter) vorgehalten. Hier rücken zeitgleich 2 Führungsdienste, 4 Rettungswagen, 2 Notarzteinsatzfahrzeuge, 1 Leitender Notarzt sowie ein Gerätewagen MANV an die Einsatzstelle aus.

Mittels dieser Maßnahmen soll auch zukünftig eine schnelle und bedarfsgerechte Notfallversorgung gewährleistet werden sowie auf den Einzelfall noch spezieller reagiert werden.

Patrick Rein

Hilfe, es brennt!

Gleich bei zwei Großbränden war die Spandauer Feuerwehr in den letzten Monaten im Einsatz, doch der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt mittlerweile woanders

Die traditionsreiche Feuerwache Spandau Nord wird im nächsten Jahr saniert.

Die traditionsreiche Feuerwache Spandau Nord wird im nächsten Jahr saniert. Foto: Patrick Rein

Rund 40 Einsätze hat die Feuerwache Spandau Nord aus der Triftstraße im Schnitt täglich zu absolvieren. In  ganz Berlin mussten die Feuerwehrleute allein am 12.Juni insgesamt über 1000 Mal ausrücken. Doch bei über 90 Prozent handelte es sich jedoch nicht um den eigentlichen Löschauftrag sondern um Rettungseinsätze, die in anderen Bundesländern ausschließlich von Hilfsorganisationen wie dem Arbeiter Samariter Bund oder dem Roten Kreuz übernommen werden. In Berlin wäre das bei der Vielzahl von diesen Einsätzen nicht zu stemmen, weshalb auch hier die Berliner Feuerwehr gerufen wird.

Feuerwehr kein Taxiunternehmen

Der Großteil der Einsätze wird von den Rettungswagen gefahren.

Der Großteil der Einsätze wird von den Rettungswagen gefahren. Foto: Patrick Rein

Wolfgang Joost, seit einem Jahr Wachleiter der Feuerwehr Spandau Nord, führt dazu im Interview aus: „Leider wird der Notruf 112 immer häufiger auch dann gewählt, wenn die Person selbst noch in der Lage ist sich ins Krankenhaus zu begeben. Manche wollen sogar zu ihrem Hausarzt gefahren werden oder stehen bei unserer Ankunft mit gepacktem Koffer, wie auf ein Taxi wartend, vorm Haus.“ Doch die Aufgabe der Feuerwehr besteht ausschließlich in Nottransporten. Ein neu eingeführtes Abfragesystem bei telefonischen Meldungen soll helfen die Situation schon vorab genauer zu erfassen und dadurch zielgerichteter die Einsatzfahrzeuge bestimmen zu können. Dieses ist mittlerweile „den Kinderschuhen entwachsen und befindet sich nun in der Pubertät“ sagt Joost.

Wachleiter Wolfgang Joost ist seit 35 Jahren bei der Berliner Feuerwehr.

Wachleiter Wolfgang Joost ist seit 35 Jahren bei der Berliner Feuerwehr. Foto: Patrick Rein

Stehenbleiben heißt nicht Platz machen

Immer häufiger ist – nicht nur auf Grund des gestiegenen Verkehrsaufkommens in der Hauptstadt – ein schnelles Vorankommen der Einsatzfahrzeuge schwierig geworden. Viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht, wie sie sich bei einem näher kommenden Feuerwehrfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn richtig verhalten. Der Wachleiter erklärt: „Es ist nicht notwendig bei freien Fahrbahnen in die rechte Spur zu wechseln. Wichtig ist, dass dem Einsatzfahrzeug signalisiert wird, was man macht. In der linken Spur bleibend, den Blinker links setzen und die Geschwindigkeit reduzieren, ist ebenso hilfreich. Bei stehendem Verkehr müssen die Fahrzeuge eine Gasse bilden. Generell gilt: Stehenbleiben heißt nicht Platz machen!“. Zudem sollte die Lautstärke im Fahrzeug eine Wahrnehmung von Sirenen natürlich nicht behindern.

Tag der offenen Tür

Diese und noch mehr Einsatzfahrzeuge sind beim Tag der offenen Tür zu sehen.

Diese und noch mehr Einsatzfahrzeuge sind beim Tag der offenen Tür zu sehen. Foto: Patrick Rein

Kaum wegzudenken für die Berufsfeuerwehr ist die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren. Auch bei der Feuerwehr Spandau Nord ist eine angesiedelt. Doch im Gegensatz zu der FW Staaken haben diese beispielsweise keinen eigenen Ausrückbereich. Selbst der erfahrene Wachleiter ist beeindruckt mit welchem Engagement die Freiwilligen ihren Löschauftrag verfolgen und zollt höchsten Respekt. Fester Bestandteil im Veranstaltungskalender ist darüber hinaus auch das Kontaktfeuer geworden. An diesem Sonntag, 17. Juni, können Bürgerinnen und Bürger in Siemensstadt, Nicolaus-Groß-Weg, sich von 10 bis 18 Uhr beim Tag der offenen Tür einen eigenen Eindruck über die Arbeit der Feuerwehrleute verschaffen. Und am 25. August öffnet dann auch die Feuerwache Nord allen Interessierten ihre Tore.

Patrick Rein

Eilmeldung: Lagerbrand und Verkehrschaos

Brunsbütteler Damm nach einem Feuer zwischen Nauener und Klosterstraße noch bis zirka 12 Uhr gesperrt

Es war kurz nach 7 Uhr als der Notruf bei der Berliner Feuerwehr einging. Schnell waren erste Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Spandau Nord und Süd vor Ort und konnten so ein Übergreifen der Flammen einer 2800 Quadratmeter großen Lagerhalle auf anliegende Wohnungen verhindern. Personen kamen nicht zu Schaden und die Lage war schnell unter Kontrolle.

Großeinsatz und Vollsperrung

Das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhinderte schlimmeres.

Das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhinderte schlimmeres. Foto: Patrick Rein

„Neben den Feuerwehrleuten aus Spandau Nord und Süd, zu denen auch die Freiwillige Feuerwehr Staaken schnell hinzustieß, waren auch die Kollegen anderer Bezirke zur Unterstützung vor Ort. Insgesamt sechs Staffeln mit rund 80 Einsatzkräften samt Fahrzeugen waren im Einsatz und konnten größeren Schaden verhindern“, berichtete uns Stephan Fleischer, Sprecher der Berliner Feuerwehr. Die ehemalige Lagerhalle, welche bis dato als Sportstätte diente und in der sich dadurch Matten und ähnlich leicht entflammbares Gut befanden, ist zerstört. Die Brandursache ist bisher noch ungeklärt.

Zahlreiche Löschfahrzeuge und Einsatzkräfte hatten die Lage unter Kontrolle.

Zahlreiche Löschfahrzeuge und Einsatzkräfte hatten die Lage unter Kontrolle. Foto: Patrick Rein

Sperrung zum Berufsverkehr

Durch die Vielzahl der Einsatzfahrzeuge aber auch zur Sicherheit wurde der Brunsbütteler Damm zwischen Nauener und Klosterstraße in beiden Richtungen gesperrt. Durch die Umleitungen entwickelten sich gerade zu einer Hauptverkehrszeit Staus auf den Ausweichstraßen wie der Seegefelder bis hin zur Falkenseer Chaussee als auch auf der Klosterstraße selbst. Noch bis 12 Uhr werden die Sperrungen voraussichtlich bestehen, wobei die Verkehrslage sich mittlerweile beruhigt hat.

Zweiter großer Feuerwehreinsatz

Sportmatten fingen leicht Feuer und sorgten für starke Rauchentwicklung.

Sportmatten fingen leicht Feuer und sorgten für starke Rauchentwicklung. Foto: Patrick Rein

Nach dem Brand vor einigen Wochen in Haselhorst (zum Artikel)ist dies innerhalb kurzer Zeit der zweite Großeinsatz der Berliner Feuerwehr in Spandau. Erfreulicherweise blieb es auch dieses Mal lediglich bei Sachschäden. Wir werden demnächst tieferen Einblick in die Arbeit der Feuerwehrleute geben und in einem ausführlichen Bericht die Spandauer Standorte näher bringen.

Patrick Rein