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Ein Spandauer Pirat kommt ins IHK-Parlament

Emilio Paolini erreichte Platz 1 der Wahlgruppe Informationstechnik

Emilio Paolini zieht in IHK-Parlament (Foto: Ralf Salecker)

Emilio Paolini zieht in IHK-Parlament (Foto: Ralf Salecker)

Vor gar nicht so langer Zeit erreichte uns die Meldung, Emilio Paolini, der Fraktionsvorsitzende der Spandauer Piraten ist bei der Wahl zum IHK-Parlament in seiner Wahlgruppe auf Platz 1 gesetzt worden. Ihm ist der Einzug in die Vollversammlung der IHK gelungen. Diese wird sich im September konstituieren. Sein nächster Schritt könnte die Kandidatur für das Präsidium sein.

„Als ich mich entschlossen habe zusammen mit anderen Unternehmern unter dem Dach der Initiative pro-KMU zur IHK-Wahl anzutreten war mir natürlich klar, dass viele Berliner Unternehmer endlich eine Veränderung des bestehenden „Systems IHK“ wünschen, aber ich hätte niemals gedacht, das mich meine Wahlgruppe direkt auf Platz Eins der Liste wählt. Vielen Dank dafür!“, erklärt Emilio Paolini.

Wahlen sind doch etwas Schönes. Sie bilden die Grundlage unseres demokratischen Systems. Was sagt uns aber eine Wahlbeteiligung von 5,85 Prozent über die Bereitschaft der Wähler und ihr Interesse an dem zu wählenden Gremium? Dabei ist es in diesem Jahr ein Novum, überhaupt Wahlergebnisse zu bekommen. Bisher war dies nicht üblich. In jeder demokratischen Wahl ist es völlig normal, diese transparent zu dokumentieren – nicht so bei der IHK.

Kritik an der IHK

Das „System IHK“ scheint nicht frei von Kritik. Ein Großteil der Mitglieder der IHK ist nicht freiwillig dabei und dies sogar mit Legitimation durch das Bundesverfassungsgericht. Bestimmte Berufsgruppen sind automatisch zur Zwangsmitgliedschaft verpflichtet. Rund drei Millionen Gewerbetreibende und Unternehmen sind bundesweit Mitglieder in einer Kammer, in Berlin gehören etwa 270.000 dazu. Viele empfinden die finanziellen Beiträge als unbillige Belastung. Der IHK wird Intransparenz vorgeworfen und vor allem, ausschließlich die Interessen von großen Betrieben zu vertreten.

„93 % der Berliner IHK-Mitgliedsunternehmen haben weniger als 10 Mitarbeiter. Im Präsidium sitzt nur einer dieser Kleinunternehmer.“ Dies meint Florian Nöll, Unternehmer und Kandidat zur Vollversammlungswahl der Industrie- und Handelskammer zu Berlin.

Die Eigenwerbung der IHK sieht es etwas anders: „Die IHK Berlin vertritt in erster Linie die Interessen der über 90 Prozent kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese bilden den Kern der Mitglieder und stehen im Zentrum der Arbeit der zweitgrößten IHK Deutschlands.“

Prominenter Fürsprecher gegen die Zwangsmitgliedschaft

Die Initiative proKMU, in der Emilio Paolini angetreten ist, setzt sich für die folgenden Reformen innerhalb der IHK Berlin ein:

  • Stärkung der klein- und mittelständischen Unternehmen
  • Mehr Transparenz und Demokratie in der IHK Berlin
  • Modernisierung des Bereichs Ausbildung und Weiterbildung
  • Kostenreduzierung und Beschränkung auf wesentliche Aufgaben
  • Beitragsgerechtigkeit und Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft

Die Gruppe hat einen durchaus überraschenden Fürsprecher bekommen. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, formuliert dies so:

„Ich unterstütze die Bewerbung der Initiative “pro-KMU” schon deshalb, weil sie sich für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft der Unternehmen in den Handelskammern ausspricht. Diese Art staatlicher Bevormundung gibt es nur noch in Deutschland. Wir sollten es den Unternehmern selbst überlassen, ob sie die Leistungen der Handelskammern in Anspruch nehmen wollen oder nicht.“

Wir dürfen also gespannt sein, ob es demnächst ein wenig frischen Wind in den teuren Hallen der IHK geben wird.

 

Ralf Salecker

IHK fördert Kiez-Initiativen zur Qualifizierung

IHK: Optimierung der Verkehrsinfrastruktur fördert Wirtschaftlichkeit und Umwelt

Teil 2 des Interviews mit Vertretern der  IHK (Industrie- und Handelskammer)

Karsten Schulze und Thomas-Ebelt von der IHK

Karsten Schulze und Thomas-Ebelt von der IHK

Die IHK geht mit ihrer Arbeit auch in die Schulen. Was genau macht den Grundgedanken des IHK Projektes „Partnerschaft Schule Betrieb“ aus?

Thomas Ebelt: Der Grundgedanke dieses von der IHK Berlin seit elf Jahren betriebenen Projektes ist es, eine bessere Berufsorientierung in der allgemeinbildenden Schule zu unterstützen. Durch die Unterstützung der Betriebe sollen die Schulen in die Lage versetzt werden, bislang überwiegend rein theoretisch vermittelte Berufsorientierung durch Einblicke in die betriebliche Praxis für die Schüler plastisch und greifbar zu machen. Mit der Initiative „Partnerschaft Schule Betrieb“ verringert die IHK Berlin auch die Distanz zwischen Schulen und der Wirtschaft. Sie hilft ihnen dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, produktive, systematische und feste Kooperationen zu etablieren. Mittlerweile gibt es über 300 erfolgreiche Kooperationen. Mit der Berliner Schulreform wurde der Grundgedanke des Projektes aufgegriffen, in dem das „Duale Lernen“ in die Curricula der Sekundarschulen fest integriert wurde.

Spandau verfügt über einen hohen Anteil an Migranten. Sprachprobleme und schlechte Schulbildung qualifizieren sie dann kaum für anspruchsvolle Tätigkeiten. Manch einer meint, man müsse nur den Druck erhöhen, um die Situation zu verbessern. Die IHK dagegen hatte vor einigen Jahren besondere Kiez-Initiativen ausgezeichnet. Ist diese Form der Motivation nicht langfristig erfolgreicher?

Thomas Ebelt: Kiez-Initiativen, die sich besonders der Integration widmen oder deren Angebote sich besonders an Mitbürger mit Migrationshintergrund richten, sind wichtig, weil Integration gerade dann gelingt, wenn sie im alltäglichen und lokalen Miteinander gelebt wird. Gerade weil diese Projekte auf lokaler Initiative gründen, haben sie den Vorteil, gezielt vor Ort und im direkten Kontakt zu Beteiligten und Betroffenen unterstützen, vermitteln oder auch einfach zunächst einmal alle einbinden zu können. Hier zeigt sich auch, dass Eigeninitiative viel zum Erfolg von Integration beiträgt. Oftmals können durch die Kontakte, die im Rahmen solcher Projekte entstehen, Kommunikationsbarrieren aufgebrochen werden – ein wichtiger Schritt auf dem Weg gelingender Integration. Gleichzeitig wird deutlich, dass gelingende Integration in der beiderseitigen Verantwortung von Migranten und Nicht-Migranten liegt. Ohne aktive Beteiligung und Eigeninitiative der Betroffenen ist jede gut gemeinte Unterstützung zum Scheitern verurteilt. Damit die Einbindung aller Menschen mit Migrationshintergrund in diese beiderseitige Verantwortung gelingen kann, sollten nach dem Prinzip des „Förderns & Forderns“ auch Mitwirkungspflichten formuliert werden. Der Mehrheit mangelt es nicht an Integrationswillen. Stellenweise bedarf es jedoch verpflichtender, konkreter Regelungen. Auf Verletzungen der Schulpflicht könnte beispielsweise mit einer stärkeren Einbindung besonders von Eltern aus bildungsfernen Schichten in den Schulbetrieb reagiert werden. Durch den Abschluss von Zielvereinbarungen zwischen ihnen, den Schülern und der Schule könnte ihre Mitarbeit verbindlich geregelt werden. Genauso ist es bei der wiederholten Ablehnung von Qualifizierungs- und Arbeitsangeboten vorstellbar, die Nicht-Teilnahme an Fördermaßnahmen (zum Beispiel Sprachförderung, berufliche Qualifizierung) stärker zu sanktionieren.

Ich bin überzeugt, dass Angebote und Unterstützungsleistungen ergänzt durch Mitwirkungspflichten die Chance bieten, Integration als ein gemeinsam anzustrebendes und zu erreichendes Ziel zu implementieren.

 

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Die IHK Potsdam erhofft sich einen positiven Effekt, wenn der Regionalbahnverkehr mit dem Umland weiter ausgebaut wird. Wie könnte Spandau davon profitieren?

Thomas Ebelt: Das Konzept der IHK Potsdam zur Optimierung des bestehenden Netzes sieht eine Umorganisation mit einer Drehscheibe in Golm vor. Damit bekommt Spandau mehr Verbindungen in Richtung Potsdam. Vor allem aber kommen echte Halbstundentaktakte, z.B. auf der Linie RE1. Im Berliner Verkehrsentwicklungsplan ist inzwischen die Verlängerung der S-Bahn vom Bahnhof Spandau über die Nauener Straße bis zur Hackbuschstraße vorgesehen. Das vergrößert zwar den S-Bahn-Einzugsbereich in Spandau. Sinnvoll wäre es aber natürlich, die Strecke gleich bis Falkensee zu bauen.

 

Schifffahrt in Spandau

Schifffahrt in Spandau

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Der Abriss der Freybrücke an der Heerstraße ist ein Baustein im „Verkehrsprojektes Deutsche Einheit 17“. Sind die alten Prognosen in der Entwicklung der Wasserstraßen nicht schon längst überholt?

Karsten Schulze: Die Freybrücke muss dringend erneuert werden. Eine Sanierung würde auch nicht weniger kosten als der Neubau. Als Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 17 kann sie so gleich um einen halben Meter angehoben werden, damit die nötige Durchfahrtshöhe für zweilagigen Containerverkehr erreicht wird. Nachdem bereits die Ludwig-Hoffmann-Brücke und die Mörschbrücke angepasst wurden, fehlt dann nur noch die Rohrdammbrücke. Ziel ist, dass Schiffe mit zweilagigen Containern von der Elbe bis in den Westhafen fahren können, denn erst dann ist es wirtschaftlich, vom Lkw auf das Binnenschiff zu verlagern. Das wird künftig die Umwelt schonen, die Straßen freier machen und bedeutet ein Plus für Berlin.


Arbeitsplätze entwickeln sich verstärkt in den Bereichen Leiharbeit, Zeitarbeit, Teilzeit, Minijob und dem Niedriglohnsektor. Viele können heute von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Schadet eine solche Entwicklung nicht langfristig?

Karsten Schulze: Arbeitnehmer, die von ihrer Arbeit allein nicht leben können, zeichnen sich oft gleich durch mehrere Faktoren aus. Sie arbeiten Teilzeit oder in einem Minijob, haben eine geringe Schul- und berufliche Bildung oder sind Alleinerziehend. Deswegen sollten wir nicht den Fehler machen, Ihre Leistungen nicht anzuerkennen. Vielmehr muss es das Ziel sein, ihre Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen zu verringern. Ein Schlüssel dazu ist eine gute Ausbildung. Für viele Mini- und Teilzeitjobber gilt aber auch, dass sie gerne Vollzeit arbeiten würden. Entweder können sie es jedoch nicht, weil Betreuungsangebote für ihre Kinder fehlen oder es lohnt sich nicht, weil ihnen nach Steuern und Abgaben kaum mehr Nettogehalt bleibt. So beschränken sie sich freiwillig auf abgabenfreie Minijobs. Hier gehen Potenziale verloren, auf die die Wirtschaft dringend angewiesen ist. Wir brauchen bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten, die Anreize zur Aufnahme einer Vollzeitbeschäftigung bieten und es jedem ermöglichen, aus eigener Kraft den Weg aus der Abhängigkeit von Transferleistungen zu schaffen.

Bis die Schornsteine rauchen müssen einige Bedingungen erfüllt sein ...

Bis die Schornsteine rauchen müssen einige Bedingungen erfüllt sein ...

In der Tat steigt die Zahl der Zeitarbeiter seit Beginn des Aufschwungs wieder stark an, nachdem sie im Zuge der Wirtschafts-und Finanzkrise stark eingebrochen war. Und auch insgesamt können wir für Berlin erfreuliche Zuwächse bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – zu der auch die Zeitarbeit zählt – verzeichnen. Seit Januar 2008 ist die Zahl der SV-Beschäftigten in Berlin um 8,0 Prozent gestiegen, in Deutschland im gleichen Zeitraum nur um 4,6 Prozent. Und auch in diesem Jahr sind die Berliner Unternehmen bundesweit in der Spitzengruppe beim Beschäftigungsaufbau. In der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage gaben mit 38 Prozent so viel Unternehmen wie noch nie zuvor an, neue Mitarbeiter einstellen zu wollen.

Dass die Zeitarbeit derartig stark zulegt, ist ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen ihre Personalplanung an die derzeit bestehenden Wachstumsrisiken anpassen. Die Schuldenkrise einiger Euro-Länder, gestiegene Energiepreise und die unsichere Entwicklung z. B. der US-Wirtschaft erfordern flexible Beschäftigungspläne, die mit der Zeitarbeit ideal bedient werden können. Zudem können Personaldienstleister sehr hilfreich bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften sein, die immer schwerer zu finden sind. Das Bild vom Zeitarbeiter als einfachem Hilfsarbeiter ist veraltet. Viele mittelständische Zeitarbeitsfirmen haben sich auf gut ausgebildete Fachkräfte spezialisiert, die händeringend gesucht werden. Der überproportionale Anstieg der Zeitarbeit ist aber durchaus auch ein Indiz dafür, dass die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland dringend reformiert werden müssen, damit die erforderliche Flexibilität der Unternehmen auch bei der Schaffung von „normalen“ Beschäftigungsverhältnissen, ohne Nutzung von Zeitarbeit sichergestellt werden kann.

 

Über welche Standortqualitäten verfügt Spandau und in welchen Bereichen muss nachgearbeitet werden?

Thomas Ebelt: Der Bezirk liegt zwar am Stadtrand, aber trotzdem verkehrsgünstig. Über die vierspurige B5 ist er gut an den Berliner Ring und damit ans Bundesautobahnnetz angebunden. Nach dem Berliner Hauptbahnhof ist der Bahnhof Spandau mit seinen ICE-Verbindungen der zweitwichtigste in der Region und durch seine Lage an Havel und Spree lassen sich Transporte bequem über den Wasserweg durchführen. Raum für Investoren ist grundsätzlich vorhanden, allerdings muss das Angebot besser an die Nachfrage angepasst werden. Qualifizierte Arbeitskräfte sind durch die Nähe der Hochschulen und Universitäten leichter als in vielen anderen Regionen zu finden. Die grüne Umgebung und noch bezahlbarer Wohnraum sind ein Anreiz für potentielle Arbeitnehmer. Dagegen fehlt bis heute ein Einzelhandelskonzept zur Orientierung der Investoren im Einzelhandel und im konsumnahen Dienstleistungsbereich. Zu hoch sind zudem die Gewerbemieten in der Spandauer Altstadt – hier muss in Gesprächen mit den Vermietern weiter versucht werden, eine für Einzelhändler wirtschaftliche Lösung zu finden, damit der Branchenmix optimiert, Leerstand vermieden und die Attraktivität dieses Standorts im Interesse aller Beteiligten verbessert wird.

zum Teil 1 des Artikels über die IHK

 

Ralf Salecker

Industrie und Handelskammer – eine Institution für Spandau

IHK Berlin intensiviert den Kontakt auf Bezirksebene

Die Industrie und Handelskammer ist für viele eine Institution, deren Arbeit man sich nicht auf Bezirksebene vorstellen kann. Welche Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte hat die IHK im Bezirk Spandau?

ThomasEbelt:

Karsten Schulze und Thomas Ebelt

Karsten Schulze und Thomas Ebelt

Dazu haben wir für Spandau einen ehrenamtlichen und einen hauptamtlichen Betreuer und sind nicht nur am Sitz der IHK, in der Fasanenstraße, sondern auf allen Veranstaltungen zu Wirtschaftsthemen im Bezirk präsent. Wenn ein Unternehmen ein Problem hat, versuchen wir dies bei einem Besuch diskret zu klären und zu vermitteln. Wir arbeiten in Spandauer Netzwerken mit und pflegen eine enge Partnerschaft mit der Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V. Unsere Bezirksbetreuer vermitteln fachlich kompetente Ansprechpartner der IHK Berlin für Ihre Fragen, z.B. für Rechts- und Steuerberatung, Auskünfte zu öffentlichen Förderprogrammen oder zum Standort und Umweltfragen. Dank Ihrer Mitarbeit in Spandauer Netzwerken helfen sie den Unternehmen außerdem, einen Draht zu Bezirksämtern und anderen Institutionen in den Bezirken herzustellen.


Welches sind die größten Probleme, mit denen eine Firma zu kämpfen hat, die sich in Spandau ansiedeln möchte.

Karsten Schulze: Grundsätzlich gibt es kaum spezifische Spandauer Probleme, vielmehr treffen diese für die meisten Berliner Bezirken zu. Personalengpässe in der Spandauer Verwaltung führen jedoch zu Verzögerungen und Wartezeiten bei der Bearbeitung von Vorgängen. Allerdings muss an dieser Stelle auch einmal betont werden, dass die Spandauer Verwaltung grundsätzlich wirtschaftsfreundlich ist. Obwohl in Spandau zahlreiche Gewerbeflächen zur Verfügung stehen, finden Investoren trotz Bemühungen der Wirtschaftsförderung oftmals nicht die passenden Gründstücke oder Räume. Teilweise sind sie zu klein, Umweltschutzauflagen oder Denkmalschutz passen nicht zur gewünschten Nutzung oder die Grundstücke sind nicht ausreichend erschlossen. In einigen Bereichen gibt es kein schnelles Internet und die Anbindung ans Energienetz ist veraltet. Unternehmen mit einfacher Produktion oder Dienstleistungen und unattraktiven Arbeitszeiten finden kaum Mitarbeiter, die zu den geltenden Tarifen arbeiten wollen.

 

Wie kann die IHK helfen, diese Probleme zu minimieren?

Rathaus Spandau, das Verwaltungszentrum im Bezirk

Rathaus Spandau, das Verwaltungszentrum im Bezirk

Thomas Ebelt: Damit Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigt werden, setzt sich die IHK Berlin für eine einstufige Verwaltung ein. Da es zu ihrer Umsetzung in Berlin Verfassungsänderungen bedarf und sich dies nicht von heute auf morgen realisieren lässt, hat die IHK Berlin Optimierungsansätze entwickelt, wie den Erwartungen der Wirtschaft an die Berliner Verwaltung auch in der jetzigen zweistufigen Struktur besser entsprochen werden kann. Dazu gehören beispielsweise einheitliche Verfahrensstandards, der Wegfall von Mehrfachprüfung und die Bearbeitung von Vorgängen aus einer Hand (One Stop Agency). Wenn Investoren über Schwierigkeiten mit den Behörden klagen, setzen wir uns über unser Netzwerk dafür ein, dass diese beseitigt werden. Damit die Unternehmen geeignete Mitarbeiter und Nachwuchskräfte finden, führen wir Qualifizierungsmaßnahmen durch, wo es kein Angebot auf dem Privatmarkt gibt. Da die Schülerzahlen sinken, fordern wir eine Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit. Mit dem Projekt „Partnerschaft Schule Betrieb“ und den „Tagen der Berufsausbildung“ helfen wir Unternehmen, frühzeitig geeigneten Nachwuchs zu finden. Ganz gezielt helfen wir dabei den Unternehmen im Rahmen der Passgenauen Vermittlung, bei der wir eine gezielte Vorauswahl für ein Unternehmen treffen. Geeignete Gewerbeflächen können wir nicht anbieten, aber wir sprechen mit unserem Kooperationspartner, der Berlin Partner GmbH, die bei der Suche hilft, und übrigens in Spandau mit ihrem Unternehmensservice vor Ort vertreten ist.

 

Spandau war einmal ein sehr durch das verarbeitende Gewerbe geprägter Bezirk. Kann oder sollte man noch an diese Zeiten anknüpfen, oder gilt es eher neue Wege zu gehen?

Karsten Schulze: Eine leistungsfähige Industrie ist nach wie vor eine wichtige Voraussetzung, Dienstleistungsstandorte auszubauen. Ein Arbeitsplatz in der Industrie generiert im Durchschnitt drei weitere im Dienstleistungsbereich. Im Gegensatz zu früher ist die Industrie im Bezirk keine verlängerte Werkbank mehr. Die Betriebe sind heute hoch spezialisiert und international konkurrenzfähig. Der Ausbau der traditionell im Bezirk vorhandenen Industriezweige und Dienstleistungsbereiche sollte vorangetrieben werden, während beispielsweise neue Cluster wie E-Mobilität und regenerative Energien eher konzentriert auf dem Gelände des Flughafens Tegel neu angesiedelt werden sollten. Potenzial bietet aber auch die Havelstadt im Bereich des Tourismus und in der Gesundheitswirtschaft.

Sind Dienstleistungen nicht die Arbeitsplätze der Zukunft?

Karsten Schulze: Zwei Drittel der Wertschöpfung Berlins entsteht im Dienstleistungsbereich. Damit ist dort das wichtigste Standbein der Berliner Wirtschaft. Dennoch hat sich gezeigt, dass Dienstleistungen allein nicht in der Lage sind, das nötige Wachstum zu erzeugen, um Wohlstand und Arbeitsplätze in der Hauptstadt dauerhaft zu mehren. Es braucht weiterhin einer innovativen und produktiven Industrie, die auf den Weltmärkten bestehen kann. Nach der Wiedervereinigung hat ein z. T. schmerzhafter Strukturwandel in der Branche stattgefunden. Die Abkehr von der nicht wettbewerbsfähigen und hochsubventionierten Massenproduktion brachte den Abbau vieler Industriearbeitsplätze mit sich. Gleichzeitig stieg auch die Arbeitslosenquote auf ein Rekordniveau von 19 Prozent. Inzwischen mehren sich jedoch die Zeichen, dass die Berliner Industrie wieder gut aufgestellt ist. Davon profitiert auch der gesamte Arbeitsmarkt mit seit Jahren steigenden Beschäftigungszahlen. Die enge Vernetzung der Wirtschaft mit den vielen Wissenschaftseinrichtungen der Stadt ist ein echter Standortvorteil. Viele innovative Köpfe bringen neue Ideen nach Berlin, von denen auch die Dienstleister profitieren, die Folgeaufträge erhalten. Mit der Identifikation und Unterstützung von zentralen Kompetenzfeldern, bei denen sich besonders wettbewerbsfähige Unternehmen in Berlin angesiedelt haben, fördert der Senat zudem gezielt die Entwicklung z. B. der Gesundheits- oder Verkehrswirtschaft. Und aktuell macht sich die aufstrebende Green Economy daran, ein weiteres dynamisches Wirtschaftscluster in Berlin zu werden. Sicher werden Dienstleistungen auch künftig eine dominierende Rolle in Berlin spielen. Gerade auch vor dem Hintergrund der nach wie vor großen Herausforderungen am Arbeitsmarkt kann Berlin auf die Industrie aber nicht verzichten. Der jüngere Beschäftigungsaufbau ist ein Indiz dafür, dass die These, nach der ein Industriearbeitsplatz drei Dienstleistungsarbeitsplätze mit sich bringt, in Berlin Bestätigung findet.

 

In vielen Bereichen wird ein Fachkräftemangel beklagt. Andererseits sieht sich nicht jeder Betrieb in der Verantwortung, seinen Teil in die Ausbildung zu investieren. Wie lässt sich dem abhelfen?

Elektroauto, als innovative Technologie

Elektroauto, als innovative Technologie

Karsten Schulze: Die heutige Situation ist nicht, dass Betriebe nicht genügend ausbilden, sondern dass es nicht ausreichend qualifizierte Bewerber gibt. Viele unserer Mitgliedsunternehmen klagen gerade darüber, ihre Plätze nicht besetzen zu können. In der IHK-Ausbildungsplatzbörse sind derzeit noch ca. 500 Ausbildungsplätze für 2011 zu finden. Fachkräftesicherung sollte jedoch nicht nur unter dem Aspekt „Ausbildung“ betrachtet werden. Es geht auch darum, das vorhandene Fachkräftepotential besser zu nutzen, z.B. durch einen Ausbau von Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Erwerbsbeteiligung von Älteren, Frauen und Migranten kann und muss gesteigert werden. Aber abgesehen davon, dass wir als IHK natürlich jedem Betrieb dazu raten, seinen Nachwuchs durch eigene Ausbildung zu sichern: es bleibt die freie Entscheidung eines jeden Unternehmens, dies zu tun oder zu lassen. Auch ein Unternehmen, das nicht selbst ausbildet, kann sich legitim darüber beklagen, wenn es auf dem Arbeitsmarkt keine Fachkräfte findet, obwohl es bereit ist, diese entsprechend gut zu bezahlen.

 

Ende Teil 1

zum Teil 2 des Artikel über die IHK 

 

Ralf Salecker