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Bretter, die die Welt bedeuten

Kurs für Schauspiel-Training

© Schubalu / pixelio.de

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Ab Ende Oktober bitete die Schauspielerin und Trainerin Viola Morlinghaus in der JugendTheater- Werkstatt Spandau Schauspiel-Training an. Der Kurs eignet sich für alle, die ernsthaft Theater spielen wollen und zwischen 16 und 26 Jahren alt sind. Mittels Vorbereitungsübungen, Szenenarbeit und Improvisation soll eine persönliche Annäherung an die jeweilige Rolle statt finden. Am Ende der Training-Einheit haben die Teilnehmer die Gelegenheit eine zu Hause vorbereitete monologische Szene vorzusprechen. Der Kurs eignet sich für Anfänger und Fortgeschrittene. Außerdem ist er eine gute Basis für die Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung an einer staatlichen Schauspielschule.

Gut zu wissen,

  • Wo? JugendTheaterWerkstatt Spandau, Gelsenkircher Straße 20, 13583 Spandau
  • Wann? Beginn: Montag, den 29.10.2012 von 18.00 – 21.00 Uhr
  • Wieviel? 50,00 € / 10 Termine (wird finanziell von der VHS unterstützt)

Wichtig! Bei Interesse einfach unter postfach@jugendtheaterwerkstatt.de anmelden, der Kurs kann erst beginnen, wenn zehn Anmeldungen vorliegen.

Emotionsausbrüche in der Spandauer Jugendtheaterwerkstatt


Mit Jeanne d’Arc im FIZ Ost

Die junge Frau mit den kurzen Haaren windet sich in Zuckungen. Sie stöhnt, schreit; ringt die Hände in der Luft. Am Schluss liegt sie am Boden, ihre Zuckungen verebben langsam. Dann geht es weiter: eine Gruppe von etwa zehn weiteren jungen Menschen, die bis jetzt um sie herum stand, imitiert ihren Auftritt, alle stöhnen, winden sich, brechen auf dem Boden zusammen, im gemeinsamen Gestöhne, versucht jeden den Anderen noch zu übertreffen. Dann ist es vorbei, die Gruppe –

Hartmut Schaffrin

Hartmut Schaffrin ist bei den Treffen für die Versorgung zuständig. Foto: Kirsten Stamer

versammelt um das Schild Ekstase – stiebt auseinander, alle rennen wie von Furien gehetzt durch den Raum.
Ich befinde mich im Kurs „Schauspieltraining für Junge Leute“, beziehungsweise „Schauspiel 1: Szenenarbeit und Improvisation“ der Jugendtheaterwerkstatt Spandau (JTW) und der Jungen Volkshochschule Spandau. In den Räumen der Familie im Zentrum (FIZ) Ost, in der Westerwaldstraße, hat „JTW-Papa“ Hartmut Schaffrin wieder einen Schauspielkurs für seine Schützlinge organisiert. Viola Morlinghaus, Schauspielerin und Stimmtrainerin kennt Hartmut noch aus Schauspielzeiten. Im Jahr gibt sie etwa vier Kurse für die JTW. „Mein Job ist dabei die Versorgung“, lacht Hartmut und hält die Teekanne ins Foto, „und dass die Kursleiter ihr Geld bekommen.“ Bei der Jugendtheaterwerkstatt ist er laut Website für Finanzen, Projekte und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Nächster Halt: Schauspielschule

In der Ausschreibung für den Kurs steht: „Der Kurs eignet sich auch für junge Menschen, die sich auf eine Schauspiel- Aufnahmeprüfung vorbereiten“. Die Arbeit der anwesenden jungen Leute lässt schon einiges Talent spüren. Bei manchen Emotionsausbrüchen muss man fast Heulen. Wie viele wollen denn jetzt wirklich an eine Schauspielschule? „Für zwei Schüler aus diesem Kurs ist es tatsächlich Hobby“, klärt mich Viola auf, „die studieren etwas anderes. Aber etwa fünf wollen das wirklich beruflich machen.“ Das seien ungewöhnlich viele in diesem Kurs, meint sie. Deswegen wollen dieses Mal auch so viele Vorsprechen. Um bei sieben Treffen für jeden einen Termin zu finden, an dem er einen Text vortragen und ihn mit der Lehrerin bearbeiten kann, ist harte Disziplin nötig. „Wenn du es dir anders überlegst, ruf jemand anderen aus dem Kurs an, der deinen Termin übernimmt. Sonst bekommst du keine zweite Chance“, gibt Viola einem der Mädchen mit auf den Heimweg. Es will für das nächste Mal eine Szene aus „Die Möwe“ vorbereiten.

Laienhafte Faszination

Beim Kurs wird mir während dessen immer wärmer. Um die jungen Schauspieler nicht zu irritieren, durfte ich mich nicht, wie geplant, still mit meinem Block in die Ecke setzen – ich war einer der Jungschauspieler. Keiner ahnt, dass meine Zukunft in Wirklichkeit nicht an der UDK liegt, sondern ich normalerweise nicht einmal zu Gefühlsausbrüchen neige. Aber auch für mich liegen zwei Zettel auf dem Boden bereit. Tapfer versuche ich also die Faszinierte zu mimen – meine Kollegen greifen das Gefühl wesentlich besser auf, nehmen mir meine schwache Leistung aber nicht krumm. Bei Gefühlen wie Wut oder Verzweiflung, bin ich froh, das in dem Haus des FIZ keiner wohnt, er würde zweifellos die Polizei rufen. In einer Zählübung bis 25  fünf verschiedene Gefühle zu durchleben ist auch einmal eine neue, aber spannende Erfahrung.

Überzeugende Jeanne d’Arc

Den Abschluss des heutigen Treffens, bildet ein Vorspiel einer jungen Frau. Auf ihrem T-Shirt befindet sich der Aufdruck einer Frau mit Heiligenschein – passend zu ihrer Rolle – wie sich herausstellt. Sie spielt die heilige Johanna, auch bekannt als Johanna von Orléans oder Jeanne d’Arc. Nach langer Zeit im Kerker unterschreibt sie das Papier, mit dem sie ihr Leben verleugnet und soll trotzdem mit lebenslanger Haft bestraft werden. Schon ihre erste Vorstellung haut mich vom Hocker. Verzweifelt stellt sie fest lieber den Tod auf dem Scheiterhaufen zu wählen, als nie wieder die Sonne zu spüren, die Lärche sehen oder ihre geliebten Kirchenglocken zu hören. Würde sie in ihrer Freizeit mit kurzen Haaren auf einem Pferd in Rüstung über ein Stoppelfeld jagen, es sollte mich nicht wundern. Natürlich ist mein Eindruck sehr laienhaft. Die Expertin hat da auch gleich noch einige Verbesserungsvorschläge: um wirklich authentisch den Abscheu vor dem Leben im Kerker zu spielen, sollte sich die junge Frau einmal in einem kalten, feuchten Keller einsperren lassen. Außerdem soll sie die anderen Anwesenden in der Verhandlung vor sich sehen und adressieren. Dankbar für die guten Tipps, geht sie nach Hause; noch einige Wochen wird sie die Rolle perfektionieren. Dann wartet die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule auf sie.

Kirsten Stamer