Über den Wolken von Spandau

Nach dem Scheitern eines Volksbegehrens zum Nachtflugverbot ist ein Ende steigenden Flugverkehrs nicht in Sicht

Die schier endlose Geschichte um die Verzögerung bei der Eröffnung des Großflughafens Schönefelds hält weiter an doch das öffentliche Interesse hat an Boden verloren. Ganz im Gegensatz zum Flughafen Tegel, der – wie Schönefeld selbst – die Anforderungen an den BER auffangen soll. In Spandau sind dabei Flugzeuge im Minutentakt als auch über 23 Uhr hinaus keine Seltenheit mehr und auch für jahrelang erfahrene Gehörgänge wahrzunehmen.

Der Flughafen Tegel muss deutlich mehr Flüge abwickeln als vorgesehen.

Der Flughafen Tegel muss deutlich mehr Flüge abwickeln als vorgesehen.

Umzug nach Tegel

Auch der Winterflugplan stellt dabei kaum eine Entlastung dar. Zwar sollen nach Flughafenangaben über Tausend Flieger wöchentlich weniger abheben, dennoch liegt die Zahl weiterhin über dem Flugaufkommen vergangener Jahre. Kaum nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass nun die Lufthansa-Tochtergesellschaft von Schönefeld nach Tegel umzieht. So fehlt auch Spandaus SPD-Bundestagsabgeordnetem Swen Schulz das Verständnis und betont, dass aufgrund der Probleme mit dem neuen Flughafen zusätzliche Flüge via Tegel akzeptabel seien, solange sie unvermeidbar sind. Doch statt zusätzlicher, nicht notwendiger Verlagerungen von Schönefeld nach Tegel müssten jetzt umgekehrt Verlagerungen von Tegel nach Schönefeld vorgenommen werden. Schulz hat sich auch an den Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit gewandt: „Ich setze darauf, dass der Regierende Bürgermeister eine andere Haltung hat.“

Kein Schuldiger auszumachen

Währenddessen wird von allen Seiten die Verantwortung für das Desaster – welches weltweit für Hohn und Spott über die Hauptstadt sorgt – von sich gewiesen. Ob die Aufsichtsräte, die gleichfalls die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg Klaus Wowereit sowie Mathias Platzeck (beide SPD) oder aber die Miteigentümer in Form der Bundesregierung. Im Zusammenhang mit zunehmenden Belastungen durch die Ausweitung des Flugverkehrs in Tegel hatte Schulz die Bundesregierung gefragt, was sie zur Entlastung plane. Staatssekretär Mücke erklärte nun, dass die Bundesregierung nichts unternehmen werde. Stattdessen wies er die Verantwortung der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft sowie – besonders pikant – dem Flugkoordinator, einer untergeordneten Behörde des Bundesverkehrsministeriums, zu.

Forderung nach Schallschutz

Nach dem Scheitern des Volksbegehrens ist der Unmut als auch Widerstand im Bezirk jedoch noch nicht erloschen. So findet am Freitag um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im Casino am Ziegelhof statt, bei der Möglichkeiten einer Klage für Schallschutzmaßnahmen wegen erhöhten Fluglärms erörtert werden. Zwar sind die Erfolgsaussichten auf Grund der geplanten Eröffnung des BER im Oktober nächsten Jahres gering eventuell könnte aber eine finanzielle Entschädigung möglich sein.

Seit gestern steht nun auch fest, dass ebenfalls die Fluggesellschaft Air Berlin eine zweistellige Millionenklage wegen der Verzögerung eingereicht hat.


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